Lobbyarbeit : Raus aus der Schmuddelecke

Zeigt die Realität im Sauenstall: Die Webcam von Bauernverbands-Chef Werner Schwarz.
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Zeigt die Realität im Sauenstall: Die Webcam von Bauernverbands-Chef Werner Schwarz.

Der Bauernverbandspräsident will mehr Öffentlichkeitsarbeit und Ehrlichkeit in der Darstellung der Landwirtschaft.

shz.de von
02. März 2017, 05:59 Uhr

Eckernförde | Die Bauern haben es satt, sich ständig rechtfertigen zu müssen. Sie schinden die Tiere, sie beuten die Böden aus – so werden sie laut Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, durch viele Medien in der Öffentlichkeit dargestellt.

Doch die Ecke, in die die Bauern gedrängt werden, ist ihnen zu eng. Sie wollen zurück in die Mitte der Gesellschaft, und Werner Schwarz weiß auch, wie das gehen soll. Seine Idee vermittelte er am Dienstagabend etwa 80 Besuchern der Winterversammlung des Bezirks Eckernförde im Stadthallen-Restaurant.

„Wir müssen kommunizieren: transparent, offen und echt“, lautet seine Devise. Die Landwirte müssten selbstbewusst darstellen, was, wie und warum sie etwas machten. „Sonst werden es andere tun.“ Neben Schildern mit Erklärtexten, die Bauern am Wegesrand aufstellen können, hat der Bauernverband eine neue Kampagne mit Werbefilmen ins Leben gerufen. Sie zeigen Ausschnitte aus dem landwirtschaftlichen Alltag und sollen als Versuchsballon vor den Hauptfilmen in Kinos in Hamburg und Kiel gezeigt werden.

Das Wichtigste ist allerdings ein neues Diskussionspapier mit dem Titel „Veränderungen gestalten in der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft“. In ihm geht es um den Umgang mit Kritik, um eine intensivierte Öffentlichkeitsarbeit und mehr Transparenz im Stall, zum Beispiel durch Videokameras. Sie können Bilder aus dem Stall über das Internet übertragen, so wie es Bauernpräsident Werner Schwarz schon seit vier Jahren macht. Aber auch der Umgang mit schwarzen Schafen soll in dem Papier geregelt und auch der Ausbau der „Initiative Tierwohl“ angestrebt werden. Möglichst alle Bauern im Land sollen sich mit eigenen Vorschlägen an dem Papier beteiligen, der Findungsprozess läuft noch.

Landwirte müssen sich laut Werner Schwarz nicht für ihren Beruf schämen, wenn auch „es an einigen Stellen etwas gibt, das nicht ganz gut oder richtig läuft“. In Medien übertragene Videos aus Tierställen würden auch Verfehlungen offenlegen. „Sie dürfen nicht stattfinden“, so Schwarz. „Und wenn, dann müssen wir auch sagen, wenn etwas falsch läuft.“ Gleichzeitig rief er die Verbraucher zur Ehrlichkeit auf: Bio-Erzeugnisse fordern und im Discounter einkaufen passe nicht zusammen.

Kritik an der neuen PR-Initiative gab es nicht, stattdessen sprachen die Bauern Umstände an, die den Landwirten das Leben schwer machen, zum Beispiel den Einfluss der Discounter auf die Milchproduktion. Der Konkurrenzkampf ist hier das Hemmnis. „Wir hatten schon die Zusage eines Discounters für höhere Milchpreise“, erklärte der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes Klaus-Peter Lucht, „doch die anderen großen Lebensmittelketten haben nicht mitgemacht.“ Er schloss Demonstrationen vor Supermärkten in der Zukunft nicht aus.

Nicht zuletzt stellte Kristina Achilles von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises das neue Knickschutzprogramm vor: Es wird aus den Ersatzzahlungen, die die Betreiber von Windkraftanlagen leisten müssen, finanziert und steht jedem mit Fördergeldern offen, der im Kreis Rendsburg-Eckernförde einen Knick neu anlegt, wiederherstellt oder vervollständigt. Dabei werden nicht nur Pflanzungen, sondern auch Einzäunungen und Wallbauten gefördert.

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