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Mensch des jahres : Raphael P. ist lokaler Mensch des Jahres

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Knappes Ergebnis: Der Bordeinsatzsoldat gewinnt mit zwei Stimmen Vorsprung die Auszeichnung der Eckernförder Zeitung.

Eckernförde | Die Leser der Eckernförder Zeitung haben gewählt: Raphael P. ist der lokale Mensch des Jahres. Der 31 Jahre alte Bordeinsatzsoldat hat beim Flüchtlingseinsatz im Mittelmeer einen leblosen Eritreer noch auf dem Speedboot mit einer Herzdruckmassage wiederbelebt.

Seit dem Jahr 2002 wählen die Leser des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z) jedes Jahr auf Landesebene den Mensch des Jahres, also jemanden, der Ungewöhnliches für die Gesellschaft geleistet hat. Seit fünf Jahren gibt es die Aktion auch auf lokaler Ebene. Die meisten der 623 Stimmen konnte jetzt der Oberbootsmann auf sich vereinen, doch die Wahl fiel knapp aus: Nur zwei Stimmen trennten den Soldaten vom zweiten Platz. Dabei hätten es alle Kandidaten verdient, zu gewinnen: Sowohl der Borgstedter Thomas Preuhsler mit dem Verein „Meer bewegen“, der Menschen mit Behinderung das Segeln ermöglicht, als auch Elsbeth Müller aus Brodersby, die mit 50 Ehrenamtlichen im Willkommenskreis Flüchtlinge unterstützt. Ebenfalls Angila Gallage aus Altenholz, die sich seit elf Jahren für die Hilfe der Tsunamiopfer in Sri Lanka einsetzt, und das Schülerunternehmen Rauteck, das mit seinen Flaschenöffnern aus alten Autogurten Europameister der Schülerfirmen wurde.

„Ohne Menschen wie Sie sähe der Alltag trostlos aus, hätte man weniger Freude“, sagte Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel in seinem Grußwort bei der Abschlussveranstaltung am Mittwochabend vor 80 Gästen im Carls der Familie Greifenberg, die sich in den Dienst der guten Sache stellte. „Sie alle sind Vorbilder für die Region.“ Kreispräsident Lutz Clefsen appellierte an alle Menschen, sich zu engagieren: „Jeder hat Zeit, um etwas zu tun, was ihm und der Gesellschaft gut tut.“ Und Sara Sausmikat-Theilen von der Flensburger Brauerei als Sponsor, stellte die Frage nach dem wahren Lebensinhalt: „Es sollte öfter um Toleranz und Mitgefühl gehen. Sie zeigen, wie es geht.“

Der Abend war kurzweilig – und das lag an den Kandidaten, die die EZ-Redakteure Susanne Karkossa-Schwarz und Achim Messerschmidt interviewten. Da erzählte Erich Funck in Vertretung seiner erkrankten Frau Angila Gallage (angila-galage@web.de) aus Altenholz, wie das Leben in Sri Lanka nach dem Tsunami im Jahr 2004 nur langsam wieder Fuß fasst, während „Mama Höxmark“ (Helga Gottschalk) als nur eine Vertreterin des Willkommenskreis Höxmark schilderte, wie sie gespendete Kleidung in die Flüchtlingsunterkunft bringt, die sie zuvor frisch gewaschen und gebügelt hat.

Anschaulich war die Schilderung des Bordeinsatzsoldaten Raphael P., wie er und seine Kameraden 16 Stunden am Stück in luftdicht verschlossenen Gummianzügen (Ansteckungsgefahr) mit bei 38 Grad Celsius vom Speedboot aus Menschen aus dem Wasser ziehen und dabei in ihren Anzügen einfach „über den menschlichen Bedürfnissen“ stehen müssen. „Ich fühle mich sehr geehrt“, sagte er und verwies auf seine Kameraden, „ohne die ich es nicht geschafft hätte“. Sein Vorgesetzter, Kommandeur Arne Björn Krüger, sieht die Auszeichnung auch als „Anerkennung der Gesellschaft für die Leistungen aller Soldaten, die an dem Einsatz beteiligt waren“. Die Laudation hielt der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix, der für diese Veranstaltung extra aus Berlin angereist war. Er dankte den Kandidaten für ihr Engagement und lud eine Delegation jeder Gruppierung zu einem Besuch in den Reichstag ein.

Ermutigend waren auch die Schilderung von Thomas Preuhsler, der mit seinem Verein „Meer bewegen“ (www.meer-bewegen.de) am Wittensee Segelsportler mit und ohne Handicap zusammenbringt, und nicht zuletzt heiter die Geschichten der Schülerfirma Rauteck über den Weg ihrer „Förde-Öffner“ an die Spitze Europas. Ihr Marketingleiter Bjarne Klockemann nahm die Gelegenheit gleich wahr, um der Flensburger Brauerei eine Kooperation anzubieten, während der Segelverein mit Vertretern der Bundeswehr über eine Zusammenarbeit sprach. Und auch die Carlshöher Band „Memorized“, die mit frischem Sound für Unterhaltung in den Pausen sorgte, ging mit mehreren Anfragen für weitere Auftritte nach Hause.

Raphael P. wird im Januar zur landesweiten Wahl zum Menschen des Jahres antreten. Dabei gibt es eine Neuerung, wie der stellvertretende sh:z-Chefredakteur, Jürgen Muhl, erklärte: Künftig wird der Mensch des Jahres auf Landesebene nicht mehr von den Lesern, sondern von den bisherigen Menschen des Jahres als Jury gewählt. Dazu gehört auch Dr. Joachim Miertsch, der im Jahr 2006 die Auszeichnung erhielt.

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