Inklusion auf hoher See : Rainbow Pirates: Trotz Handicap hinaus aufs Wasser

Von dem Spezialsitz kann Thomas Preuhsler das neue Boot allein segeln.
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Von dem Spezialsitz kann Thomas Preuhsler das neue Boot allein segeln.

Die Rainbow Pirates wollen mit ihrem Verein „Meer bewegen“ behinderte und nicht behinderte Kinder für den Segelsport begeistern.

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17. Januar 2015, 07:02 Uhr

Groß Wittensee | Schiffe und Boote sind eigentlich alles andere als barrierefrei. Enge Räume und dicht gepacktes Equipment, kleine Decks, enge Auf- und Abstiege. Das macht es behinderten Menschen gerade im Breitensport meist unmöglich, als Crewmitglied mit auf dem Wasser zu sein. Der neu gegründete Verein „Meer bewegen –Die Rainbow Pirates“ will jungen Menschen mit Behinderung das Segeln ermöglichen. Der Inklusionsgedanke hat dabei einen hohen Stellenwert. „Das gemeinsame Segeln behinderter und nicht behinderter Menschen ist unser Ziel“, sagen die beiden Schiffsmechaniker Eike Ketzler (29) und Thomas Preuhsler (28). In ihrem Leben spielt aber auch die Pädagogik eine wichtige Rolle. Ketzlers Vater ist Leiter einer Förderschule und Preuhslers Mutter war Sonderschullehrerin. Das habe beide geprägt.

Der Hamburger Eike Ketzler ist kürzlich zum Vorsitzenden des Vereins gewählt worden, Thomas Preuhsler aus Borgstedt zu seinem Stellvertreter. Erst vor wenigen Tagen hat sich der Verein in Hamburg gegründet. Sieben Mitglieder waren bei dem Gründungstreffen dabei. Preuhsler und Ketzler haben gemeinsam eine rund fünf Meter lange Jolle, eine RS Venture, gekauft, die speziell für Menschen mit Behinderung umgerüstet wurde. Gut 20  000 Euro haben die beiden investiert. Das Boot hat drei Segel und kann dank seiner Hubkiel-Version praktisch nicht kentern. Ausgestattet ist die Jolle mit einem so genannten Sailability Kit. „Unser Boot ist das erste in Deutschland mit diesem System“, betont Eike Ketzler. Dazu gehören zwei eingebaute Sitze, in denen die Segelnden in Fahrtrichtung sitzen. Sie müssen auch bei Kursänderungen keinen Positionswechsel im Boot machen. Mit wenig Aufwand kann über einen Seilzug die Segelfläche den Windverhältnissen und Fähigkeiten der Segelnden angepasst werden. Gesteuert wird das Segelboot mit einem Joystick.Bis zu acht Personen finden in dem Boot Platz. Sinnvoll seien aber eher vier Personen plus Betreuer.

„Kinder und Jugendliche erlangen beim Segeln Selbstvertrauen, lernen Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten“, betont Thomas Preuhsler die positiven Effekte des Segelsports. Die Leistung und sportliche Ambition sollen im Hintergrund, der Spaß und das Erlebnis rund um das Element Wasser im Vordergrund stehen. „Wir wollen mit Schulen und anderem Einrichtungen zusammenarbeiten“, sagt Preuhsler. Erste Gespräche hat es bereits gegeben. Das Segelrevier soll der Wittensee sein. Thomas Preuhsler ist selbst Mitglied bei Wassersportclub am Wittensee und der Vorstand habe bereits das Projekt positiv aufgenommen. Der Beschluss der Mitgliederversammlung steht aber noch aus. Denn auch eine behindertengerechte Ausstattung der Anlage müsse realisiert werden. Sollte das Projekt Erfolg haben, könne in kürzester Zeit ein zweites Boot besorgt werden. Beide Seiten würden von dem Projekt „Meer bewegen“ profitieren, sind sich Preuhsler und Ketzler sicher. Aber auch Familien mit einem behinderten Kind könnten sich an die „Rainbow-Pirates wenden. „Ein Familienausflug auf See“ wäre sonst vermutlich nicht möglich.

Mit einen Ansegeln am 1. Mai will der Verein das Projekt offiziell starten. Im Februar soll zunächst aber das Boot getauft werden – der Name steht noch nicht fest. 
>www.meer-bewegen.de

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