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Eckernförde : Räucherpremiere nach 50 Jahren: Golden und lecker

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Anräuchern in der Alten Fischräucherei: Nach einem halben Jahrhundert Pause werfen Hartmann Hesse, Dirk Löffler und Anja Ketelsen aus Eckernförde die alten Öfen wieder an.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2014 | 12:39 Uhr

Eckernförde | Es ist ein großes Ereignis vor großem Publikum: 50 Jahre lang fristeten die Altonaer Öfen ein Schattendasein, am Samstag wurde einer von ihnen wieder in Betrieb genommen. 800 Sprotten steckten auf den Stäben und wurden ganz allmählich unter den Argusaugen von Räuchermeister Hartmann Hesse und seines Miträucherers Dirk Löffler aus dem silbrigen Urzustand in goldene Delikatessen verwandelt. Dicht umringt von den vielen faszinierten Zuschauern wurde die erste Fuhre in der weitgehend originalgetreu gebliebenen und hergerichteten Räucherei Hopp geräuchert und hinterher mit Begeisterung verzehrt.

Ein kurzer Blick durch einen Spalt in der Tür, so ganz zufrieden ist Räucherfachmann Dirk Löfflernoch nicht: „Der Schornstein zieht trotz geschlossener Schornsteinklappe zu gut, die Temperatur müsste höher sein“. Zwischenzeitlich etwas Holz nachwerfen, dabei ein Blick auf die Farbe der Sprotten. Wie lange es denn noch dauert – „noch 15 Minuten“, ruft Löffler den erwartungsvollen Besuchern entgegen, die endlich die Sprotten probieren wollen. „Der Ofen ist für uns völliges Neuland, wir kennen die Räucherdauer nicht und wissen nichts über den Holzverbrauch“, erklärt Räuchermeister Hartmann Hesse, während er prüfend die Hand auf die eiserne Tür des Ofens legt. 70 Grad sollte die Rauchtemperatur betragen, immer wieder öffnet er die Tür einen winzigen Spalt zur Kontrolle. Holz muss nachgelegt werden. „Die Tür darf nur auf, wenn die Schaufel kommt“, unterweist Hesse Anja Ketelsen, die zum zweiten Mal an vorderste Front beim Räuchern mit dabei ist. Hitze, Rauch und Holz ins Feuer schippen macht ihr nichts aus.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, hat die Stadt dem äußerst aktiven Verein Alte Fischräucherei Eckernförde zu verdanken. Er hat das Anwesen in der Altstadt nicht nur mit öffentlicher Förderung gekauft, eine Kernmannschaft um Bauleiter Hartwig Deimel ist seit vielen Monaten dabei, das historische Ambiente und Eckernförder Räucherei-Wahrzeichen in ehrenamtlicher Arbeit für die nachfolgenden Generationen zu sanieren und zu sichern. Dass es ein Projekt mit Zukunft ist, hat der Verein mit viel Engagement bewiesen. Sanierung der Räume, Neueindeckung des Daches, Austausch von 1800 Steinen im 18 Meter hohen Schornstein – es wurde viel Schweiß in den bisher rund 4000 Arbeitsstunden vergossen. „Im vergangenen Jahr sind mehr als 200.000 Euro an Fördermitteln in das Projekt geflossen“, berichtete Vereinsvorsitzende Katharina Mahrt. Als Nächstes stehen Küche und Hofpflasterung sowie der Holzschuppen an, aber auch Räume für Ausstellung, Seminare und Museumspädagogik im Obergeschoss folgen in einem weiteren Bauabschnitt. „Der weitere Ausbau hängt natürlich von unserer finanziellen Lage ab“, so Mahrt, Mieteinnahmen decken die Zinsen, Fördermittel und Spenden helfen bei dem einmaligen Projekt, für das so mancher Jubilar bei Familienfeiern auch auf Geschenke zugunsten der Räucherei verzichtet.

„Zurücktreten, etwas mehr Platz“ – Hartmann Hesse öffnet die Rauchkammer. Und da hängen sie – goldgelb und duftend. „Frisch und warm aus dem Rauch sind sie eine Köstlichkeit“, sagt Dr. Hans-Hermann Wiebe.

> Helfer sind jederzeit samstags zwischen 10 und 13 Uhr willkommen, nächstes Räuchern findet im Rahmen des Altstadtfestes am 19. Juli 2014 statt.

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