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Rätselhafte Inschriften an Hauswänden und Fenstern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Immer wieder stoßen aufmerksame Passanten in Eckernförde auf alte Schriftzüge an historischen Bauten

von
erstellt am 05.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Den Heimatforschern sind sie zumeist vertraut, doch vielen Bürgern Eckernfördes, vor allem den Gästen unserer Stadt, erscheinen sie rätselhaft: Inschriften an Hauswand und Fensterglas, in Denkmalsockel und Buchdokument. Eine kleine Auswahl sei hier beschrieben.

Fast schon berühmt ist der 1784 erfolgte Eintrag im Kirchenbuch von St. Nicolai: „27.2. Der sich so nennende Graf von St. Germain, und Weldona, weitere Nachrichten sind nicht bekannt, wurde in hiesiger Kirche still bygesetzt“. Die handschriftlichen Zeilen des Pastors lassen uns rätseln: War ihm der Graf wirklich so unbekannt – oder hat er die Todesnachricht bewusst vage gehalten, weil St. Germain für ihn nicht frommer Bürger, sondern eine abenteuerlich-fremde Gestalt war? - An der Wand eines Hauses in der Langebrückstraße finden wir ein weiteres religiöses Motiv. Wir lesen, aus in Stein gehauenen und vergoldeten Buchstaben geformt, ein Wort aus Psalm 121,8: DER HER BEWAR DIN / IN GANK UNT / UT GANCK VAN / NU AN BETIN ERICHEIT AMEN / ANNO 1585“ (Der Herr bewahre Deinen Eingang und Deinen Ausgang von nun an bis in Ewigkeit). Die noch gotisch geprägte Schrifttafel in gemäßigtem Plattdeutsch mag einmal über dem Eingang zum Sitz eines Reeders oder Kaufmannes gehangen und das Haus und seine Kunden gesegnet haben.

Zweimal stoßen wir in Eckernfördes Jungfernstieg auf einen in die Hauswand eingesetzten Steinquader mit der Inschrift „Wasserstand d. 13. Novbr. 1872“. Hinzugefügt sind nach beiden Seiten weisende Pfeile – die Hochwassermarke, die am 2. Tag der gewaltigen Ostsee-Sturmflut erreicht wurde. Niemals danach hat die Ostsee die so dokumentierte Höhe von 3, 3 Meter über Null wieder erreicht; aber das Geschehen damals und seine Schäden, dokumentiert in zahlreichen Berichten, Fotos und Zeichnungen, können sich nach Meinung von Metereologen doch irgendwann wiederholen.

Eine bisher kaum bekannte Inschrift ist an der Tür zu einem Gartenhaus in Borby zu entdecken. In die Ecke einer Fensterscheibe wurde, mit einer Nadel oder einem Dolch, handschriftlich eingraviert: „Füsilier Hockelberg. 7. Comp. Rgt. 86 Flensburg 1883“. Wir können annehmen, dass ein Soldat der „mit Gewehr bewaffneten Infanterie“ im Gartenhaus des historischen Wohnhauses an der Bergstraße vorübergehend stationiert war und seine kleine private Botschaft im Glas hinterlassen hat. Es ist fraglich, ob wir durch ausgiebiges Studium militärischer Personallisten jemals Identität und Auftrag des Füseliers Hockelberg herausfinden werden.

Weitere interessante Schriftzeichen und Zahlen entdecken wir auf Grenzsteinen am Weg und auf Grabmälern der Friedhöfe, an Altären und an Epitaphien in Eckernfördes Kirchen. Viele Inschriften in unserer Stadt können historische Bezüge herstellen, einige aber bleiben rätselhaft. Es macht (dem Ethnologen) Spaß, so manchen Spaziergänger anhalten zu sehen und ihn zu beobachten, wie er Worte und Zahlen zu entziffern sucht.

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