Rätselhafte Gestalten aus Blech, Ton und Gusseisen

Windfahne mit Heuschrecke auf einem Haus in der Gartenstraße. Fotos: Mehl
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Windfahne mit Heuschrecke auf einem Haus in der Gartenstraße. Fotos: Mehl

Spurensuche in Eckernförde: Fundstücke mit ungeklärter Botschaft und Herkunft

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22. Juli 2015, 06:33 Uhr

In den vergangenen Monaten beschrieb eine kleine Textreihe religiöse Zeichen aus Buddhismus, Islam und Christentum in unserer Stadt. Abschließend seien drei Motive vorgestellt, deren Bedeutung nicht auf den ersten Blick erschlossen werden konnte. Wenn Leser hierzu etwas beitragen können – Mitteilungen an die Senioren-Redaktion sind willkommen.

Auf dem Dach eines Wohnhauses in der Gartenstraße dreht sich eine Windfahne, die nicht die vertrauten Umrisse eines Hahnes oder Schiffes zeigt, sondern das Bild einer Heuschrecke. Die Besitzer haben das golden blinkende Tier in Boston, USA, erworben. Heuschrecken erscheinen in der Bibel als eine der Plagen Ägyptens (2. Mose 10, 4 – 19), sie sind Symbol der Gefräßigkeit und wurden kürzlich sogar in die aktuelle Diskussion um das Bankwesen eingebracht. Das Vorbild der Eckernförder Windfahne ist eine vergoldete Metallarbeit auf dem Kuppeldach der „Faneuil Hall“ in Boston, eines 1740 erbauten Geschäftshauses in der Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates Massachusetts.

Die farbige Büste eines arabischen Fürsten bewahrt das Cafe Heldt. Kopf und Schultern sind mit handgewebtem Stoff umgehüllt, die muskulöse Brust bleibt frei. An einem Schulterband hängt ein Dolch. Das bärtige Gesicht ist eindrucksvoll, die Tonfigur auf hölzernem Sockel strahlt Kraft und Männlichkeit aus. Es ist wahrscheinlich, dass solche Figuren als Werbung für orientalische Waren dienten, etwa für Kaffee, Kakao, Tabak – denken wir nur an den „Sarotti-Mohren“. Im 19. Jahrhundert gab es in der Kunst vielfach Bewunderung für den Islam und seine stolzen Vertreter. Vielleicht hat ein Leser dieser Zeilen eine solche Verbindung von „maurischem Fürsten“ und Markenware in Erinnerung.

Ebenfalls noch nicht ganz entschlüsselt ist das Motiv auf einer ehemaligen Ofenplatte, heute eingebaut in eine Hauswand im Pastorengang. Wir erkennen auf der 1651 datierten Gusseisen-Platte einen nur mit Fell bekleideten Mann, der mit einer Keule einen anderen Mann erschlägt. Im Hintergrund sind zwei gemauerte Opferaltäre mit Feuer und Rauch zu erkennen, zwei weitere Gestalten beten kniend bzw. fliehen den gruseligen Ort. Auch wenn die Platte stark verwittert ist, könnte das Bild dem 1. Buch Mose 4 entnommen sein: Kain und Abel opfern dem Herrn, der Augen aber nur für Abel hat; darauf erschlägt der so missachtete Kain seinen jüngeren Bruder. Weitere Details dieser dramatischen Szene mitten im friedlichen Eckernförde sind nicht mehr zu erkennen.


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