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Neues Radverkehrskonzept : Radfahren auf der Straße bald „das Normalste auf der Welt“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Ratsversammlung hat einstimmig das neue Radverkehrskonzept verabschiedet. Die Politik vertraut auf die Untersuchungen von Experten und Fachbehörden. Demnach ist das Fahren auf der Fahrbahn sicherer als auf dem Radweg.

Die Rechtsprechung ist eindeutig, die Straßenverkehrsordnung (§ 2, Abs. 4) auch: In der Regel sollen Radfahrer auf der Straße fahren. Aber nicht einfach so, sondern zumeist auf Radfahrstreifen (1,5 - 2 Meter) oder, wo die Fahrbahnbreite es nicht hergibt, auf etwas schmaleren Schutzstreifen. Eine solche Verkehrsführung ist zwar für Eckernförder Verhältnisse neu und ungewohnt, soll nach durchgeführten Untersuchungen von Fachbehörden und -verbänden aber sicherer sein, als das konfliktträchtige Fahren auf Radwegen, wo Gefahren an Einmündungen und Kreuzungspunkten lauern.

Die Kommunalpolitiker sind jetzt diesen Expertenmeinungen gefolgt und haben am Montagabend in der Ratsversammlung das in diese Richtung ausgelegte neue Radverkehrskonzept beschlossen – einstimmig. Die Aussprache fiel kurz aus, weil alle Argumente bereits ausführlich beraten worden sind, zuletzt im Bauausschuss vor einer Woche.

Frauke Piechatzek (SPD) erinnerte daran, dass ihre Fraktion die Erarbeitung des Radverkehrskonzepts beantragt hatte. Das Planungsbüro habe alle Vorgaben berücksichtigt , das neue Konzept sei nun „Arbeitsgrundlage für die Entwicklung des Radverkehrs in der Stadt“. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Katharina Heldt wies auf die vom ADFC festgestellten „erhebliche Defizite im Wegenetz und „widersprüchliche Beschilderung“ hin. Man sei zwar „hochbordige Radwege“ gewohnt, doch sie vermittelten eine „falsche Sicherheit“. Heldt verwies auf entsprechende verkehrstechnische Untersuchungen, nach denen Autofahrer Radfahrer auf der Fahrbahn besser wahrnehmen würden, damit werde das Gefährdungspotenzial an Einmündungen und Kreuzungen minimiert. Die vorgeschlagenen 30 Maßnahmen würden aber immer nur dann umgesetzt, „wenn die Straße angefasst wird“. Für besonders dringlich hält die CDU die Umsetzung am Mühlenberg, in der Sauerstraße und die Verschwenkung des Radwegs unterm Lornsenplatz.

Die Verlagerung des Radverkehrs auf die Fahrbahn hat „Irritationen ausgelöst“, sagte Rainer Beuthel (Die Linke). Es gebe aber Untersuchungen, die belegten, dass die Unfallhäufigkeit dadurch reduziert wird. Beuthel erinnerte an den tödlichen Unfall eines Mädchens vor einigen Jahren in der Rendsburger Straße: Sie war auf dem Zweirichtungsradweg mit einem entgegenkommenden Radfahrer kollidiert, auf die Straße gestürzt und von einem Lkw erfasst worden. Solche schlimmen Unfälle könnten durch das neue Konzept und den Verzicht auf Zweirichtungsradwege vermieden werden. Beuthel benannte mit den Zufahrten zu den Verbrauchermärkten in der Ostlandstraße sowie die Bergstraße zwei weitere Gefahrenpunkte, die es zu entschärfen gelte.

Die Entscheidung, Radfahrer auf die Straße zu holen, „ist für Viele unverständlich, und Eltern haben Angst um ihre Kinder. Das ist aber nicht so“, sagte Rainer Bosse (SSW). Kinder könnten bis 10 Jahren auf dem Gehweg fahren. Und nach einiger Zeit ist das Fahren auf der Fahrbahn „das Normalste auf der Welt“. Wichtig sei, die Verkehrsteilnehmer aufzuklären, Verkehrserziehung zu leisten und Kontrollen durchzuführen. Edgar Meyn (Grüne) begrüßte das neue Radverkehrskonzept ebenfalls.

Nach der einstimmigen Annahme endet eine dreijährige Entwicklungsphase durch das Planungsbüro WVK aus Neumünster mit mehreren öffentlichen Beratungen in den Fachausschüssen, einer Fragebogenumfrage, der Einarbeitung zahlreicher eingegangenen Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange, Vereinen und Bürgern sowie fünf Sitzungen der Arbeitsgruppe „Radverkehrskonzept“. Die Umsetzung der 30 Einzelmaßnahmen erfolgt sukzessive nach Bereitstellung der nötigen Haushaltsmittel und in Abhängigkeit der Dringlichkeit.

 

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erstellt am 05.Nov.2014 | 06:34 Uhr

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