Kulturdenkmäler : Querfeldein über Hürden aus Stein

Der Stegel am Schietkuhlenweg wurde im vergangenen Jahr restauriert. Die große Steinplatte in der Mitte ist noch die originale.
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Der Stegel am Schietkuhlenweg wurde im vergangenen Jahr restauriert. Die große Steinplatte in der Mitte ist noch die originale.

Jürgen und Erich Harder haben in ihrer Gemeinde Holzbunge die alten Stegel wiederaufgebaut. Stegel stammen aus der Zeit, als die Menschen vor allem zu Fuß unter wegs waren und dabei Knicks übersteigenmussten.

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26. Juli 2014, 06:00 Uhr

Holzbunge | Als es noch keine Autos gab, die Menschen mit Pferdewagen unterwegs waren und viele Wege aber meistens zu Fuß bewältigen mussten, da war der Weg quer über die Koppeln oftmals der direkteste Weg ins nächste Dorf. Ein Hindernis waren dann nur Knicks und Zäune, die das Vieh zusammenhielten. Die Stelle, die die Menschen zum Übersteigen nutzten, aber für das Vieh unüberwindbar waren, nannte man Stegel (plattdeutsch Stegelsch). Diese bestanden aus einer hochkant gestellt Steinplatte sowie mehreren Trittplatten. Im Laufe der Jahrhunderte verschwanden diese Stegel allerdings durch die Flurbereinigung oder Bewirtschaftung der Felder. Zurück blieben nur ein paar einzelne Steine, der Rest wucherte zu.

Die Brüder Erich (76) und Jürgen Harder (68) aus Holzbunge können sich noch gut an ihre Schulzeit erinnern. Auch damals mussten sie noch über die Stegel rüber – „das war der kürzeste Weg“, sagt Erich Harder. In den vergangenen zwei Jahren haben die Harders drei der Stegel wieder hergerichtet. „Es sind kleine Kulturdenkmale“, sagt Jürgen Harder, wie beispielsweise die Flachsdarre in Groß Wittensee. Die Harder-Brüder schnitten die Steine wieder frei und gestalteten die Stegel neu. Das genaue Alter können die beiden nicht genau festmachen. Erich Harder schließt aber nicht aus, dass diese bis ins 13.Jahrhundert zurückreichen. „Denn damals wurde die Bünsdorfer Kirche gebaut“, sagt er. Und es sei gut möglich, dass die Holzbunger über die Stegel den Weg zur Kirche fanden. Viele Bürger mussten auch regelmäßig zur Stenten-Mühle, auch sie nutzten die Stegel.

Den letzten Stegel haben Erich und Jürgen Harder erst vor ein paar Wochen nahe des so genannten Kapeisterbergs restauriert. Vor allem für den gelernten Steinsetzer Erich Harder eine besondere Herausforderung. Die drei größten Steine sind noch die originalen. Alle anderen haben sie hinzugefügt, um den Knick zu überwinden. „Das Erdreich war damals höher, der Stegel somit nicht ganz so steil“, sagt Jürgen Harder. Ein weiterer wiederaufgebauter Stegel befindet sich entlang des Schietkuhlenwegs. An den Stegeln haben sie Infotafeln des Naturparkvereins Hüttener Berge angebracht, auf denen kurze Texte zur Erläuterung stehen.

An einer kleinen Abzweigung sind die Holzbunger auf einen weiteren, mittlerweile zugewachsenen Stegel gestoßen. „Auch der soll bald in Angriff genommen werden“, sagt Erich Harder. Wann, das sei noch nicht klar. Als Rentner hat man ja keine Zeit“, ergänzt Jürgen Harder.

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