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Eckernförder Zeitung

24. August 2017 | 01:53 Uhr

Python und Echse sind eingezogen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach der Einweihung des Weidefelder Reptilienhauses im September finden dort jetzt die ersten Bewohner ein Zuhause

Draußen wird noch gearbeitet, im Innern allerdings haben es sich schon die ersten Bewohner gemütlich gemacht. In das Reptilienhaus, das das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld im September eröffnet hat, ist nun Leben eingezogen: Zwei Kornnattern, zwei Königspythons, zwei Bartagamen, zwei griechische Landschildkröten und ein Leopardgecko sitzen wohlbehütet in den neuen Terrarien und erleben vielleicht zum ersten Mal so etwas wie artgerechte Haltung.

„Reptilien in Tierheimen nehmen überhand“, sagt Dr. Katrin Umlauf. Die Leiterin des Tierschutzzentrums kennt den immer wieder vorkommenden Verlauf: „Die Tiere sind klein, wenn sie ins Haus kommen und werden daher in Aufwand und Pflege oft unterschätzt. Irgendwann wächst die Sache dem Halter über den Kopf.“ Die Folge: Reptilien werden ausgesetzt, in Wohnungen zurückgelassen, vor Tierheimen abgestellt. Die neun Tiere, die jetzt in Weidefeld leben, stammen aus Einrichtungen in Essen und Schleswig, und Umlauf sagt: „Wir haben jetzt schon eine lange Warteliste.“

Im Reptilienhaus erfahren Gecko und Python das, was ihnen in ihrem alten Zuhause oft gefehlt hat: Katrin Umlauf spricht von richtiger Temperatur und angemessener Feuchtigkeit, von UV-Licht und ausreichend Platz. Tatsächlich schweben über jedem Terrarium zwei UV-Lampen, die Tiere finden zwischen Sand, Rindenmulch, Moos und hohlen Baumstämmen ihre Rückzugsmöglichkeiten. „Wir versuchen, ihre natürliche Umgebung so gut wie möglich nachzubauen“, sagt Umlauf. Dazu gehört auch ausreichend Astwerk, das die Schlangen zum Häuten benötigen. Gut 60 Terrarien finden in dem 400 Quadratmeter großen Reptilienhaus Platz, außerdem eine Krankenstation, eine Quarantäne, Kühl- und Lagerraum, ein Aufenthaltsraum für Mitarbeiter. Im Entstehen ist zudem ein Bereich mit zwei Innenteichen für Wasserschildkröten. Derzeit wird der Boden in einer Weise modelliert, dass er einem Meeresboden gleicht. Ein Außengelände soll bis zum Ende des Frühjahres noch hinzukommen. Unterm Strich wird den Deutschen Tierschutzbund das Projekt geschätzte 1,5 Millionen Euro kosten.

Für Katrin Umlauf allein deshalb gut angelegtes Geld, weil die Weidefelder Station die einzige ihrer Art in Norddeutschland ist. Ein ausgesetzter Bartagame hätte ohne das Reptilienhaus nach den Worten der Expertin „kaum eine Chance, in der Region zu überleben.“ Dafür hat der Tierschutzbund auch extra Weidefelder Mitarbeiter im Umgang mit Reptilien schulen lassen, und es stehen weitere Lehrgänge an. Gleichwohl bleibt das Ziel, neue Halter für die Tiere zu finden, auch wenn Tierschutzvereine regelmäßig über die schwere Vermittelbarkeit der Reptilien klagen. Findet sich ein neuer Besitzer, müsse auch der seine Sachkunde nachweisen, betont Umlauf. Tiere, die dauerhaft in Weidefeld ein Zuhause finden, sollen auf die Problematiken bei der Reptilien-Haltung aufmerksam machen und gleichzeitig Privathaltern zeigen, wie eine artgerechte Unterbringung aussieht. Schon jetzt sieht sich das Tierschutzzentrum mit Anfragen nach Unterbringungsmöglichkeiten für Reptilien aus ganz Deutschland konfrontiert.

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erstellt am 02.Feb.2017 | 06:14 Uhr

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