„Tot an der Fahne“ : Putten und chippen auf Probe

Fast wie beim Minigolf: Stefanie Seidler beim Putten an Loch 2.
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Fast wie beim Minigolf: Stefanie Seidler beim Putten an Loch 2.

Premiere für EZ-Mitarbeiterin Stefanie Seidler: Bei der Schnupperwoche des Golfclubs an der Schlei griff die 30-Jährige erstmals zu Ball und Schläger

shz.de von
09. Mai 2015, 06:00 Uhr

„Tot an der Fahne“, damit wirbt der Golfclub in Güby für die fünfte Golfwoche an der Schlei. Den Auftakt dafür bieten vier Einführungskurse am ersten Maiwochenende. Die Voraussetzung für den zweistündigen Schnupperkurs ist es „keine Ahnung von Golf“ zu haben, sagt der clubeigene Golfpro Stephen Kennedy. Der Kurs ist für vollkommene Golfneulinge, die „höchstens einmal einen Minigolfschläger in der Hand gehabt haben“. Das trifft auf mich zu. Näher als auf dem Minigolfplatz am Strand bin ich dem Golfsport bisher noch nicht gekommen. Zusammen mit drei weiteren Damen und drei Herren finde ich mich am Sonntagmorgen im Golfclub ein.

Es gibt viele gute Gründe, Golf zu spielen. Golf ist gesund. Bei einer 18-Loch-Runde läuft man in zwei Stunden zehn bis 13 Kilometer. Man bewegt sich an der frischen Luft und führt einen Jahrhunderte alten Sport aus. Sogar bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio wird der Sport wieder dabei sein. Seit 1996 bietet der Golfclub mit rund 800 Mitgliedern den Anhängern des grünen Sports eine Anlaufstelle. Traumhaft gelegen am Südufer der Schlei erstreckt sich der Club über 70 Hektar und begeistert Golfer mit einer 18-Loch-Champion-Golfanlage. Soweit kenne ich mich aus. Ziel des Spiels ist es, den kleinen weißen Ball mit möglichst wenigen Schlägen ins Loch zu befördern. Wie das geht, zeigt uns Golftrainer Stephen Kennedy.

Rentnerin Käthe Carstensen spielt zum ersten Mal. Sie hat Freunde, die Golf spielen und die sie ermutigt haben, es auch einmal zu probieren. Wir sind in Obhut eines erfahrenen Golftrainers. Der aus Glasgow stammende Stephen Kennedy ist seit neun Jahren Trainer im Golfclub an der Schlei und verbreitet gute Laune unter uns Teilnehmern.

Die erste Station des Schnuppertrainings ist auf dem Putting-Green. Einen Minigolfschläger hatte ich schon mal in der Hand und so fühle ich mich nicht ganz fehl am Platz, als uns Stephen mit seiner lockeren Art genau erklärt, wie man den Schläger hält und welche Bewegungen für das perfekte Einlochen nötig sind. Das Putting-Green erinnert mit seinem kurz geschnitten Gras an Kunstrasen. Unser Trainer stellt uns vor die erste Herausforderung des Tages: Wir sollen Bälle aus kurzer Entfernung in Weltrekordzeit einputten. Stephen zeigt wie es geht und dann sind wir an der Reihe. Der Putter gleicht einem Minigolfschläger und auch sonst hat das kurze Spiel viel Ähnlichkeit mit dem Freizeitvergnügen.

Nachdem wir, mehr oder weniger erfolgreich, unsere Bälle eingelocht haben, wechseln wir das Grün und gehen ein paar Meter weiter zur Chipping-Area. Das ist das Übungsgelände für das kurze Spiel. Der Chipper, so erklärt uns Kennedy, hat eine deutlich stärker angewinkelte Schlagfläche als der Putter. Langsam ergeben die verschiedenen Schlägerformen einen Sinn. Der Chipper hebt den Ball ein wenig an beim Schlag und lässt ihn dann auf das Grün rollen. Die neue Herausforderung ist es, einen imaginären zwanzig Meter breiten Graben mit einem Schlag zu überwinden. Eifrig versuchen wir, nebeneinander in einer Reihe stehend, den Ball zum Hüpfen zu bringen. Stephen korrigiert meine Haltung und dann schaffe ich es. Ich treffe den kleinen Ball perfekt und er hüpft auf das Grün. Auf der Driving Range üben wir weite Schläge. 40 Meter, so Stephen seien mit der richtigen Technik auch für Anfänger kein Problem. Mit seinem neuen Driver schlägt er den Ball dann auch gleich mal fast 200 Meter weit. Neugolferin Juliane Duggen ist sehr angetan von der Golfwoche. Ihr hatte eine Freundin den Schnupperkurs geschenkt.

Die zwei Stunden Einführungskurs vergehen wie im Flug. Meine Erkenntnis ist: Ich fühle mich großartig. Der Ball fliegt so weit wie noch nie. Volker Schwarz, einer der Geschäftsführer der Anlage, hatte recht mit seiner Aussage: „Es ist ein tolles Gefühl, wenn der Ball fliegt“. Die 100 Meter schaffe ich nicht ganz, aber auch die Hälfte der Distanz ist für mich schon ein großer Erfolg. Käthe Carstensen spricht mir aus der Seele: „Wenn man es ein bisschen kann, wird man auch ehrgeizig“. So sieht es auch das Ehepaar Hannelore und Wolfgang Schmidt, das ebenfalls die Golfwoche nutzt, um erste Erfahrungen auf dem Golfplatz zu sammeln. Hannelore ist begeistert davon, dass man beim Golfen „das Tempo für sich allein bestimmen kann“. Für die Teilnehmer der Schnupperkurse ist es möglich, die ganze Woche über die Übungsanlagen zu nutzen. Schläger und Bälle werden gestellt, einzig sportliche Kleidung und bequeme Schuhe müssen mit gebracht werden. Das Vorurteil, dass Golf nur für ältere Menschen ist, wird in Güby nicht bestätigt. Im Gegenteil: Golf ist ein Sport für jedes Alter.

Den Abschluss findet die Golfwoche morgen mit einem Abschluss-Turnier, Grillen und einer Tombola. Den Tod an der Fahne hat mein Ball übrigens beim Einlochen auf dem Putting-Green erlitten. Zum Glück, denn der Golfball liegt so nah an der Fahne, dass ich ihn mit dem nächsten Schlag einloche. 

> www.gc-schlei.de


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