jazzkonzert im medborgerhuset : Pure Spielfreude bis zur Erschöpfung

Lieferten ein erstklassiges Jazzkonzert ab (v. l.): Olivier Antunes, Henrik M øller und Janus Templeton.
Lieferten ein erstklassiges Jazzkonzert ab (v. l.): Olivier Antunes, Henrik M øller und Janus Templeton.

Das dänische Jazztrio „Olivier Antunes“ gab am Freitag ein gelungenes Konzert im Medborgerhuset. Musikalische Hochseilkakte ohne Netz und doppelten Boden begeisterten die Zuschauer.

Avatar_shz von
27. März 2018, 06:06 Uhr

Das war die helle Freude, als am Freitag das Olivier Antunes-Trio auf die improvisierte Bühne des Medborgerhuset zog. Mit lachenden Gesichtern und jugendlich beschwingt, machten sie schon rein optisch neugierig darauf, was sie an Musik mitgebracht hatten. Ein betagtes Klavier, bei dem die „Technik“ frei lag, ein bombastischer Bass und ein vielteiliges Schlagzeug standen bereit, die Musiker übernahmen, und schon erbebte das „Huset“ im satten dänischen Jazz-Sound.

Henrik Møller präsentierte seinen Kontrabass – vergnügt, wendig, hoch konzentriert. Am Schlagzeug Janus Templeton, einer der meist beschäftigten Schlagzeuger Dänemarks. Wie man hört, liefere er nicht nur eine solide und dynamische Basis für das Trio, sondern er sei darüber hinaus mit seiner Spielfreude und Verspieltheit „ein Geschenk für jedes Orchester“. Da hat Olivier Antunes für sein gleichnamiges Trio wirklich gute Leute gefunden – der häufig spontane Zwischenapplaus und stürmisch begeisterter Beifall zum Ende werden das Trio in seiner Liebe zum Jazz sicher bestärken. Eine dynamische Treibkraft und eine harmonische, rhythmische Energie bescheinigt man Olivier Antunes, dem gefragten Jazzpianisten und Namensgeber des Trios. Er ist zwar in Paris geboren, lebte dort allerdings nur kurz, bevor er mit seiner Mutter nach Dänemark umzog. Also kein Französisch, auch kein Deutsch, aber Englisch und vor allem natürlich Dänisch. Das passte ins Medborgerhuset und zu den Konzertbesuchern, von denen viele dänisch sprechen und verstehen. Drummer JanusTempleton versuchte sich ab und zu in Deutsch und trug damit noch besonders zur allgemeinen Heiterkeit des Abends bei. Letztlich war gesprochene Sprache auch zweitrangig, die Sprache der Musik, von Jazz, ist schließlich international.

Von „Cherokee“ bis zu „I love you, Porgy“, von atmosphärisch dichten dänischen Wintern unter dem Motto „Es ist weiß“ – bis zu „Bye bye black bird“ (Gesang Templeton) gab es viel emotionales Schmelzwasser am kalten Eckernförder Abend. Mit ihren Lieblingsstücken von Thelonious Monk (amerikanischer Jazzer und Komponist, 1917 – 1982) drehten die drei Jazzer dann völlig auf: Solopartien bis zur nahenden Erschöpfung, wohl auch ein sympathischer „Absturz“ von Pianist und Jazzmeister Antunes – das war alles live.

Das war auch alles ohne Notenmaterial, kam aus tiefstem Herzen, oft mit rasenden Geschwindigkeiten – da kann man sich in Begeisterung und Hingabe auch mal vergaloppieren. Musikalische Hochseilakte ohne Netz und Boden – da lächelte man, nahm es als gegeben und versöhnte sich mit einem „Good old Stockholm“, mit dem wechselnden Spiel der Mimik, mit ansteckender Freude an den vielfältigen Spielarten der großen Jazzliebe.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen