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Mozarts Requiem : Pure Dramatik durch Musik mit großer Tiefe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„No Borders Company“ präsentiert Mozarts Requiem / Chor, Tanz und Choreografie begeistern

„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“ Diese Aussage von Franz Kafka, die die „No Borders Company“ ihren Projekten voranstellt, schien sich am Sonnabendabend in der St. Nicolai-Kirche irgendwie zu erfüllen. Nach einer Stunde formidablen Kunsterlebnisses schreitet das Publikum dem Ausgang entgegen – noch ganz versunken in Tiefe und Intensität von Mozarts Requiem, aber irgendwie auch frisch und wie neu geboren. Ob das die optische Schönheit der von vier Tänzern getanzten Parts bewirkt oder die durch den St.-Nicolai-Chor und die Gesangssolisten erzeugte Melancholie. Oder ob die aufschreckend bis quälend atonal empfundenen Orgelumrahmungen des zeitgenössischen Komponisten Bent Lorentzen (DK) dafür verantwortlich sind – dieses kulturelle Gemeinschaftswerk entlässt einen voller Demut, aber auch voll Kraft und Energie, sich dem normalen Leben wieder zu stellen.

Der Chor unter der Leitung von Katja Kanowski, Inszenierung und Choreografie von Stela Korljan und der Däne Frode Stengaard an der Orgel schufen erneut ein tänzerisch-musikalisches Projekt, das über Grenzen hinweg begeistern wird. Stimmlich unterstützten Marret Winger (Sopran), Manuela Mach (Alt), Nicholas H. Smith (Tenor) und Jonathan de la Paz Zaens (Bass) die Eckernförder Sänger ganz hervorragend. Der junge russische Tänzer Alexander Abdukarimov („Er“) besticht nicht nur durch seinen tanzgestählten Körper, der Muskeln dort zeigt, wo sie noch nicht einmal ein griechischer oder römischer Bildhauer vermutet hätte. Er vermag es auch, mit diesem Körper, seiner Mimik und seiner (Strahl-)Kraft die Dramatik des 1791 entstandenen Requiems widerzuspiegeln – wie die Skulptur des Laokoon in seinem Todeskampf mit den Schlangen. Beeindruckend klar und enorm ästhetisch durch die Szenen begleitet wird er von Anastasia Kurkova („Die Diesseitige“) und Marina Kanno („Die Jenseitige“) – wie ihr junger Kollege vom Staatsballett Berlin – und Mircea Suciu-Korljan („Der Vater“/ „Der Bote“). Letzterer ist Ehemann der Choreografin, lehrt und lebt nach seiner Ballettkarriere als Tanzpädagoge „das Wissen um den Körper, die Leichtigkeit und die Kraft des Tanzes.“

Mozart schrieb im Jahr 1787 an seinen Vater: „Da der Tod der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich mit diesem wahren besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nichts Abschreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes.“ Was vier Jahre später als Auftragsarbeit in Auseinandersetzung mit dem Thema Tod entstand und durch den Tod des Komponisten unvollendet blieb, wurde im Film „Amadeus“ 1984 vielen Menschen erstmals näher gebracht. Und selbst wenn im Spielfilm manches Detail, einer besseren Vermarktung des Films zuliebe, nicht immer belegbar sein mag – der Dramatik des Requiems konnte sich schon damals keiner entziehen. So steht es auch im Programmheft der „No Borders Company“: „Eine Musik mit enormer Suggestionskraft, von großer emotionaler Intensität und dramatischem Ausdruck. Auf schönste Weise düster, drohend und ahnungsvoll.“

Genau. Auf schönste Weise. Karin Gall aus Eckernförde konnte sich der Wirkung nicht entziehen: „Großartig. Ganz, ganz großartig. Die Solisten, der Chor, das Orchester – große Klasse. Die Orgel zwischendurch war etwas schrill, das tat mir richtig etwas weh in den Ohren – aber sonst: toll. Das kann gerne öfter stattfinden.“

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