Punker dreht das ganz große Rad

Punker-Geschäftsführer Dr. Henning Bähren setzt auf neue Märkte, effiziente Poduktion und interne Kommunikation. Foto: Kühl
Punker-Geschäftsführer Dr. Henning Bähren setzt auf neue Märkte, effiziente Poduktion und interne Kommunikation. Foto: Kühl

Ventilatorräderhersteller aus Eckernförde möchte international durch neue Produktionsstätten vor Ort noch mehr Anteile erobern und Kunden gewinnen

shz.de von
07. Juni 2012, 06:56 Uhr

Eckernförde | Die 33,5 Millionen Umsatz nimmt man bei Punker zur Kenntnis. Auch der Start ins neue Geschäftsjahr verlief mit Blick auf die Quartalsbilanz sehr ordentlich. Und das trotz des heterogenen Marktes mit uneinheitlicher Entwicklung. Südeuropa lief besser, Deutschland schwächer. "Wir haben insgesamt das Gefühl, dass wir Marktanteile dazugewinnen", sagt Punker-Geschäftsführer Dr. Henning Bähren. Aber das reicht ihm und seiner Führungscrew nicht - man will mehr im Niewark. Mehr Kundennähe, neue Märkte in Fernost und eine neue Firmenkultur. Eine ganze Menge auf einmal, doch die Ziele sind nicht nur hoch gesteckt, sondern auch klar definiert. Insgeheim schielt Europas Marktführer auf die Weltspitze. Und dafür sind neben einer innovativen Forschungs- und Entwicklungsabteilung, höchstkarätigen Produkten in größter Vielfalt auch effizienteste Produktionsabläufe, motivierte Mitarbeiter und neue Märkte erforderlich - und die liegen in den USA, in Südeuropa und vor allem in China.

Punker hat sich mehrere Baustellen verordnet. Nicht, weil’s dem Unternehmen schlecht geht, sondern weil Europas Marktführer noch viele neue Ideen und Ziele hat. Einige davon befinden sich gerade nach längeren Entwicklungsprozessen in der Umsetzung. Ein Zukunftsthema ist die marktnahe Produktion. Die Ventilatorräder sollen dort hergestellt werden, wo sie gebraucht werden - in den USA, in China, in Südeuropa. Das ist nicht etwa eine Marschrichtung gegen das Eckernförder Stammhaus im Niewark, das nach Auskunft Bährens weiterhin Zentrum des Lufttechnikunternehmens bleiben wird, sondern Bestandteil der auf Wachstum ausgerichteten Unternehmensstrategie. In Hickory (North Carolina) hat Punker mit dem Start einer eigenen kleinen Produktionsfirma am 1. Dezember 2011 ein erstes Zeichen gesetzt: Zehn Mitarbeiter aus der Region sollen die Räder des europäischen Marktführers für den US-Markt fertigen. In erster Linie Querstromräder für Raumheizungen und Klimageräte. Die höheren gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz und Wirkungsgrade, die langsam auch in den USA greifen, spielen Punker in die Karten: die Hochtechnologieräder gelten weltweit als die effizientesten und leisesten und dürften daher erste Wahl für alle Hersteller von Qualitätsprodukten im weiten Feld der Lüftungs- und Klimatechnik sein.

Auch aus dem Raum Mailand heraus wird ein ortsansässiger Punker-Mitarbeiter einen weiteren wichtigen Exportmarkt bearbeiten. Gleiches gilt für England. Auch das Boom-Land China rückt zunehmend in der Fokus der Punker-Geschäftsführung. Henning Bähren bezeichnet China mit seinen zumeist zweistelligen Zuwachsraten in der Lüftungs- und Klimabranche als "Zukunftsmarkt". Es gibt bereits Verbindungen, und die sollen - auch in Abstimmung mit der Wirtschafts- und Technologieförderung Schleswig-Holstein (WTSH) - weiter intensiviert werden. Unter Umständen ist man bei Punker angesichts des gigantischen Marktes irgendwann auch bereit, neben Metallrädern auch die in vielen kleinen Klimageräten verwendeten Kunststoffräder herzustellen. Allerdings nicht in Eckernförde, sondern nach dem Prinzip der Standortnähe und Kundenbindung vor Ort, wo sie gebraucht werden.

Ein weiteres großes Anliegen treibt Geschäftsführer Dr. Bähren um: "Wir müssen unsere Kundenorientierung weiter ausbauen." Man produziere höchste Qualität und entwickle maßgeschneiderte, individuelle Lösungen, "nur wir sprechen zu wenig darüber". Das soll anders werden, und zwar intern und extern. Innerhalb der eigenen Belegschaft wird das Punker-Exzellenzprogramm umgesetzt. Die Geschäftsführung hat an vielen Stellschrauben einen Prozess in Gang gesetzt, der die Mitarbeiter stärker als bisher in die Entwicklung und Produktion einbezieht, Verbesserungsvorschläge erbittet und Zuständigkeiten schafft. Alle 300 Mitarbeiter sollen sich als Teil des Ganzen verstehen und mit dazu beitragen, die Produkte, Prozesse und Ergebnisse zu verbessern. Das mit Hilfe einer externen Beraterfirma entwickelte neue Wir-Gefühl soll möglichst von jedem Mitarbeiter verinnerlicht und getragen werden, hofft Bähren auf eine breite Akzeptanz, die er auch bereits im Unternehmen ausgemacht hat. Dass die neue Firmenphilosophie (Motto: "Wir sind Punker - vorwärts, souverän, miteinander, inspirierend, sympathisch, weltweit") bereits auf fruchtbaren Boden gefallen ist, lässt sich bei einem Blick in die Produktionshallen feststellen: aufgeräumter Eindruck, kurze Wege, Material und Werkzeuge ergonomisch und in Griffnähe der Arbeiter an den Montageautomaten platziert. Die Neustrukturierung der Lagerung und Abläufe nach dem Prinzip "one piece flow" (Fertigung eines Rades ohne Zwischenlagerung) sorgt für eine deutlich bessere Platzausnutzung, weniger Umrüst- und schnellere Produktionszeiten sowie höhere Effizienz.

Mit dieser neuen Firmenstrategie sieht sich Punker langfristig gut aufgestellt. Und das gilt nach Worten Bährens unabhängig von einem späteren Verkauf durch den Mehrheitseigner Quadriga, einer Finanzholding aus Frankfurt. Die Ventilatorräder werden danach also weiter rotieren - auch in Eckernförde.

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