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Demo in Brekendorf : Protestmarsch gegen Kiesabbau

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bürgerinitiative aus Brekendorf ruft am 29. April zu Kundgebung und Demonstrationszug gegen den geplanten Kiesabbau im Norden der Gemeinde auf

von
erstellt am 14.Apr.2016 | 06:57 Uhr

Einst, so sagt es zumindest die Legende, sorgten die Ameisen dafür, dass die ersten Siedler der Gemeinde ihre Zelte wieder abbrechen und sich ein neues Stück Land suchen mussten. Jetzt ist das fleißige Arbeitertierchen das Maskottchen der neu gegründeten Bürgerinitiative (BI) in Brekendorf. Überall im Dorf hängen die Plakate, mit denen die BI gegen den Kiesabbau auf einer Fläche von knapp zehn Hektar im Norden der Gemeinde protestiert und zur Kundgebung am Freitag, 29. April, aufruft. Dabei hat die Firma Nissen aus Lohe-Förden bereits im Februar 2012 beim Kreis Rendsburg-Eckernförde die Kiesentnahme im nördlichen, bislang noch unberührten Ortsteil beantragt. „Wir hätten aber nie damit gerechnet, dass der Kreis Rendsburg-Eckernförde dem zustimmt“, sagt Werner Schurawitzki von der Bürgerinitiative. Er und viele seiner rund 20 Mitstreiter in der BI haben den Glauben an den Rechtsstaat verloren. „Wir werden einfach übergangen“, sagt Kerstin Wagner. Und das ist auch die Hauptkritik der Brekendorfer an dem ganzen Verfahren. „Die Planungshoheit der Gemeinde und der Bürgerwille werden mit Füßen getreten“, sagt Jens Jungclaus.

„Die Belastung für das Dorf und die Bürger wird immens werden“, befürchtet Timo Kraft. 50 Lkw-Fahrten pro Tag werde es mindestens geben. Aufgrund der Lage am Nielander Weg und der Windrichtung sei mit enormer Lärm- und Staubbelästigung zu rechen. „Und das alles in Nähe des Kindergartens und der Sportanlage“, sagt Kraft, ein Verlust an Lebensqualität und einen Werteverlust der Immobilien seien die Folge. „Im Norden der Gemeinde ist das Landschaftsbild noch unberührt“, sagt auch Tino Sieg, der die Plakate gestaltet hat. „Es wird gegen alle Schutzgüter, wie Mensch, Natur und Tiere, verstoßen“, betont auch Jens Jungclaus.

Längst sind mit dem Genehmigungsverfahren die Anwälte und Gerichte beschäftigt. Im September letzten Jahres hat der Kreis als Planfeststellungsbehörde die Kiesentnahme genehmigt. Daraufhin hat die Gemeinde am 15. September Klage beim Verwaltungsgericht erhoben. Daraufhin hat die Firma Nissen im November den sofortigen Vollzug des Planfeststellungsbeschlusses angeordnet, dem der Kreis auch nachgekommen ist und dem jetzt wiederum die Gemeinde widersprochen hat. Wie das Gericht jetzt darauf reagiert, bleibt abzuwarten. Die Firma hat aber bereits erste Knicks am Nielander Weg für die neue Zuwegung abgeholzt.

Parallel dazu hat die Gemeinde die vierte Änderung ihres Flächennutzungsplanes auf den Weg gebracht. Dieser ist seit dem 2. März 2016 endgültig genehmigt. Daraus geht hervor, dass die geplante Abbaufläche im Norden der Gemeinde in jeglicher Hinsicht für Kiesabbau ungeeignet ist. „Wir betreiben keine Verhinderungsplanung“, betont Bürgermeister Gerhard Guthardt. An der Aufstellung des Landschaftsplanes und Flächennutzungsplanes seien viele Bürger beteiligt worden, sagt auch Rainer Mertens. Man sei aktiv gewesen, um alternative Flächen auszuweisen, die deutlich konfliktärmer seien und das Dorf weniger berühren. Schließlich wisse man, um die Bedeutung des Rohstoffes Kies für die Wirtschaft. Letztlich waren es Flächen von insgesamt 100 Hektar, die die Gemeinde für den Kiesabbau zur Verfügung stellt, nur aber nicht die besagte Fläche im Norden. Das alles sei ignoriert und nicht berücksichtigt worden. Dem Kreis lagen weit über 200 Einwände von Naturschutzbehörden und Bürgern gegen die Planung vor. „Wir hatten den Eindruck, dass die Entscheidung längst feststand“, so Kerstin Wagner. Sie erinnert sich vor allem an die Versammlung in der Waldhütte im Dezember 2014, als Kreis und Firma das Projekt den Verfahrensbeteiligten vorstellten. „Das war eine Farce“, so die engagierte Brekendorferin. Im Protokoll fanden sich viele der Einwände und Argumente nicht wieder. Mit einer Kundgebung wollen die Bürger nun ihrem Unmut Luft machen. Um 18 Uhr wird es eine Ansprache der Bürgerinitiative vor dem Haus der der Vereine und Verbände geben. Anschließend startet der Demonstrationszug zur geplanten Abbaufläche im Nielander Weg, wo erneut ein paar deutliche Worte gesagt werden. Der Startpunkt ist auch das Ziel, wo die Kundgebung bei Getränken und Gegrilltem ausklingen soll. Dann sollen auch noch Aufkleber der BI verkauft werden. Wie viele Bürger kommen? Da will sich niemand festlegen. Über den Facebook-Auftritt haben die ersten bereits ihre Zusage gegeben. Finanziert wird die Protestaktion aus Spenden und eigenen Mitteln. Wer die Aktion unterstützen möchte, kann sich bei Tino Sieg, Rosenberg 3, melden. 





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