Jahresempfang des Kirchenkreises : Propst Funck: „Reformation ist immer“

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Das Reformationsjubiläum und seine Folgen standen im Mittelpunkt des Kirchenkreis-Empfangs in der St. Nicolai-Kirche. Propst Sönke Funck zeigte „christlichen Zukunftsweg“ auf.

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05. Dezember 2017, 06:04 Uhr

Die Reformation hat Spuren hinterlassen, im 500. Jubiläumsjahr sind sie wieder aufgebrochen und für viele sichtbar geworden. Dieser Prozess muss weitergehen, forderte Propst Sönke Funck gestern Abend in seiner Festrede beim Empfang des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde in der sehr gut besuchten St. Nicolai-Kirche. Knapp 200 geladene Gäste erlebten eine theologisch sehr gehaltvolle und selbstkritische Rede, in der Funck Lehren aus dem erfüllenden, aber auch turbulenten Reformationsjubiläumsjahr zog und daraus fünf Thesen für einen „kirchlichen Zukunftsweg“ entwickelte.

Zuvor hatte der im März 2018 scheidende Präses der Kirchenkreissynode, Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast, in seiner Begrüßung auf die Herausforderungen der Kirche nach dem Reformationsjubiläum hingewiesen, allerdings nicht, ohne allen Beteiligten für deren großen Einsatz im vergangenen Kirchenjahr zu danken. Propst Matthias Krüger spitze die Thematik in seinem bemerkenswerten geistlichen Impuls weiter zu, stellte die Frage nach der Akzeptanz Gottes in einer Welt zwischen „Krisen und Kalaschnikow“ und einer mitunter auffallend auf „behaglich, gemütlich und klein“ getrimmten privaten Welt zwischen „Glühwein- und Bratwurstseligkeit“. Am Ende aber zeigte sich Propst Krüger gewiss: „Gott kommt, ich weiß nicht wann und wie, aber er kommt. Und das verändert mein Leben.“

Nach der Musik des Trios „unoduotrio“ – Katja Kanowski (Klavier), Henrike Herrmann (Fagott) und Jane Sitzwohl (Cello) – stieg Propst Sönke Funck in sein komplexes Thema ein, dem er die Überschrift „Auf die nächsten 500 Jahren – Reformation ist immer“ gab.

Funck sagte, dass der Martin Luther zugeschriebene Satz „Hier stehe ich und kann nicht anders“ gar nicht von ihm stamme, gleichwohl aber zutreffend Luthers unbeugsame Einstellung bei der Verteidigung seiner reformatorischen Thesen 1512 vor dem Reichstag zu Worms widerspiegle. „Ein medial gut verträglicher Slogan des ganzen Reformationsgeschehens. Kernsatz Kurzporträt und Zusammenfassung eines die Kirchengeschichte umwälzenden Ereignisses“, maß Funck diesem Satz eine große Bedeutung zu.

Der Propst blickte auf die Vielzahl der Aktivitäten im Jubiläumsjahr zurück, viele Menschen seien durch die Veranstaltungen und Gottesdienste erreicht worden. In der Bewertung ließ er aber auch kritische Stimmen von Kirchengeschichtlern, Publizisten und Journalisten zu Wort kommen, die den ganzen Luther-Hype als zu aufdringlich und oberflächlich empfunden und eine stärkere theologische Auseinandersetzung vermisst hatten.

„Unser christlicher Weg in die Zukunft muss weiterhin ein reformatorischer sein“, schlussfolgerte Funck. Und es müsse den Menschen erklärt werden, „was das eigentlich heißt“: Eine Kirche fest verankert im Glauben, dem Wort Gottes und der ständigen Erneuerung. Sönke Funck entwickelte fünf Thesen für den „christlichen Zukunftsweg“.

>Nicht das menschlich-kirchliche Handeln soll im Vordergrund stehen, sondern die „ur-reformatorische Formel „Ecclesia semper reformanda – die Kirche muss immer reformiert werden“.

> Kirche muss wieder aufmerksamer und achtsamer werden für die biblischen Botschaften und barmherzig den Schwachen und Benachteiligten gegenüber.

> Christus in den Mittelpunkt der Kirche und ihrer Reformation stellen, wahrhaftige Volkskirche bleiben.

> Kirche müsse sich weiter von der „ökumenischen Dynamik“ des Jubiläumsjahres herausfordern lassen.

>„Wir müssen sprechfähiger werden als wir es als Kirche gegenwärtig sind“, so Funck. Es müssten auch Menschen mitgenommen werden, die keinen Zugang zu liturgischen Formen und theologischen Sprachbildern haben. Durch ein „rechtes Wort zur rechten Zeit“, mal tröstend, mal aufbauend, mal Maßstäbe setzend, könne man viel erreichen.

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