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Spendenaktion im Ersten Weltkrief : Projekt „Isern Düker“ abgeschlossen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Im Kranzfelder Hafen wiederentdeckt: „Isern Düker“, der eiserne Taucher. Ein Nagelbild. Eckernförder Bürger und Institutionen stiften so für Rüstungsprojekte im Ersten Weltkrieg. Die Heimatgemeinschaft dokumentiert.

Die AG „Foto-Dokumentation“ der Heimatgemeinschaft Eckernförde hat ihre Aufnahme des historischen „Nagel-U-Boots“ und seiner Stifter-Plaketten abgeschlossen. Zum ersten Mal wurden alle 95 rund um die hölzerne U-Boot-Plastik angebrachten Metallschilder fotografiert. Entstanden ist damit ein Überblick über die Gruppierungen der Bürger Eckernfördes, Borbys und weiterer Gemeinden, bestehend aus Militär-Vereinen, Genossenschaften, Handwerksinnungen, Schulen, religiösen Gruppen, Bildungsvereine oder Clubs der Jahre um 1915. Dr. Heinrich Mehl und Fotograf Werner Tippel haben das Nagel-U-Boot im U-Boot-Stabsgebäude im Marinestützpunkt studiert und dokumentiert.

Über das Nagel-U-Boot ist bereits viel geschrieben worden. Es ist das geschnitzte und bemalte Bild eines U-Bootes, das einst über den Rundbogen-Toren auf dem Weg vom Ratshausmarkt zum Kirchhof hing und für Spenden zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs, speziell der Pflege von Verwundeten, werben sollte. Wer Geld oder Sachspenden stiftete, durfte einen handgeschmiedeten Nagel in das Eichenholz schlagen, wobei das Schiff mit Hunderten von Nägeln bedeckt wurde. Ins Kreuz der kaiserlichen Fahne am U-Boot-Turm schlug damals Prinz Heinrich höchstpersönlich eine Münze ein. Vereine, die offensichtlich mehr spendeten, durften eine Plakette aus Eisen oder Kupfer zufügen, versehen mit Namen und den verschiedensten einfachen Bildmotiven.

Auf diese Weise ist ein Überblick über die Bürgergruppen der Stadt und ihrer Region entstanden, für die Projektmitglieder „ein einzigartiges Bild der Gesellschaft zu Beginn des Ersten Weltkriegs“. Vermerkt sind alle Schulen und alle Geldinstitute Eckernfördes, Handwerker (Schlachter, Sattler, Schuhmacher, Maler, Tischler, Schneider, Schmiede und Klempner), die Traditions-, Sport- und Bildungsvereine (Beliebung, Schützengilde, Beamtenverein, Bürgerverein, Plattdüütschverein, Freiwillige Turner-Feuerwehr, Gesangverein, Allgemeiner Bildungsverein Borby und andere mehr). Typisch für eine Ostseestadt sind Plaketten aus der Welt der Fischerei (Verein der Waadenbesitzer, Erster Fischerei-Verein von 1830, Verein der Fischindustriellen). Eine noch größere Rolle spielen die militärischen Vereinigungen wie die Mittelschwansener Kampfgenossen, der Flottenbund Deutscher Frauen oder die besonders fleißig spendenden Flotten- und Kriegervereine.

Das Foto-Team stieß auf interessante Begriffe wie „Detaillistenverein von Eckernförde-Borby“ (im Grunde die Besitzer von Tante-Emma-Läden), Schafskopf-Klub Germania oder Staatseisenbahn-Verein. Es entdeckte aber auch einen Club Central und einen Schummer Klub, die es noch zu deuten gilt. Und bisher ein Rätsel bleibt diese Beschriftung: L.a.Str. 1915.

Die Bildmotive sind nicht von großen Künstlern entworfen, sondern von schlichten Handwerkern eingeritzt. Zu finden sind die Doppel-Eiche und das Eichenblatt, Fische und Netze, das geflügelte Rad der Eisenbahner und das Auge im Dreieck der Freimaurer. Und die TVA-Mitarbeiter haben sich mit einem zentral angehefteten Torpedo verewigt.

Die spannendste Plakette trägt die Inschrift „Offiziere der Kaiserlich-Ottomanischen U-Boots-Schule“. Arabische Schriftzeichen in einem Halbmond konnten vom Asien-Afrika-Institut der Hamburger Universität (Prof. Dr. Yavuz Köse) als wörtliche Übersetzung der deutschen Schriftzeile in die osmanische Sprache sowie als Namen von sechs Offizieren des Osmanischen Kaiserreiches festgelegt werden. Eine Plakette dieser Art ist nach Meinung von Turkologie-Wissenschaftlern einmalig in Deutschland. „Eckernförde sollte dieses kleine Denkmal militärischer Zusammenarbeit zweier vergangener Kaiserreiche im Bereich Ausbildung von U-Boot-Fahrern mit Sorgfalt bewahren“, betonen Dr. Heinrich Mehl und Werner Tippel.



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erstellt am 22.Aug.2015 | 17:58 Uhr

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