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Internatsstiftung : Privatschulen weiter an der kurzen Leine

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Internatsstiftung Louisenlund kritisiert Benachteiligung durch das Schulgesetz

Die 100 Tage, an denen ein neuer Amtsinhaber oder Chef gemessen wird, sind längst rum. Dr. Peter Rösner, seit Jahresbeginn neuer Schulleiter in Louisenlund blieb ausreichend Zeit, sich intensiv mit dem Schlei-Internat vertraut zu machen, die Eigenheiten kennen zu lernen und festzustellen, wo der Hebel angesetzt werden muss. Als eine „Perle der Region“ bezeichnet Rösner das idyllisch gelegene Internat. Die historischen Gebäude und der Freimaurerpark sind allesamt von bundes- und sogar europaweiter Bedeutung. Den meisten Menschen, die täglich auf dem Internatsgelände leben, sind sich dessen bewusst. „Doch viele andere nehmen Louisenlund nicht als Teil ihrer Region wahr“, bedauert Rösner. Es sei wie eine unsichtbare Mauer, die die Menschen aus der Umgebung von dem Internat fernhalte. „Das muss sich einfach ändern“, betonte er gestern beim Besuch des CDU-Landtagsabgeordneten Daniel Günther. Begleitet wurde Günther vom Kreistagsabgeordneten aus Güby, Peter Thordsen und Werner Goos vom CDU-Ortsverband. Fehler seien in der Vergangenheit gemacht worden, bestätigte Thordsen. Frühere Schulleitungen hätten eine Abschottung des Internatslebens vom Dorf forciert. Wenn unter der neuen Leitung eine andere Politik gemacht werde, sei das positiv, so Thordsen, der auch klar stellte: „Die Gemeinde Güby steht zu Louisenlund.“

Benachteiligt sieht sich die Internatsstiftung hingegen von der Landespolitik. Vor allem die so genannte Landeskinderklausel sorge Jahr für Jahr für Einbußen von rund 500 000 Euro in der Stiftungskasse. Für rund 70 ihrer Schüler erhält die Schule vom Land Schleswig-Holstein keinen Cent, weil der Schüler kein Landeskind ist. Als Landeskind gilt nur jemand, der seinen Wohnsitz in Schleswig-Holstein hat – und diesen können die Internatsschüler erst mit 18 Jahren beantragen. Bis dahin zählt der Wohnsitz der Eltern. Auch das Bundesland, aus dem das Kind komme, müsse keinen Zuschuss an die Schule zahlen. Der Einnahmeverlust führe zu einem Wettbewerbsnachteil“, kritisierte Rösner. Nur zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein gebe es ein Abkommen, das die Kostenbeteiligung beider Länder regelt. Eine Ausnahme machten da ausländische Kinder, ergänzte Rösner. „Ein 16-jähriger Chinese, der in Louisenlund beschult wird, zählt als Landeskind“, erläutert er die verworrene Gesetzeslage.

Die Stiftung hat daher Verfassungsklage gegen die Landeskinderklausel eingereicht. Man wolle zumindest ein Signal setzen“, sagte Rösner. Man hoffe vielmehr eine Lösung zu finden und Bewegung in die Sache zu bringen., Schließlich könne es nicht die Intention des Landes gewesen sein, Louisenlund zu benachteiligen.“ „Diese Regelung muss angepackt werden“, sicherte Daniel Günther Unterstützung bei dem Vorhaben zu.

Eine Nachbesserung kann sich der Unionspolitiker auch bei der Finanzierung der Privatschulen durch die öffentliche Hand vorstellen. Bisher beträgt die staatliche Finanzhilfe 80 Prozent der Kosten eines Schülers an einer öffentlichen Schule. Für Daniel Günther wäre eine Anhebung auf 85 Prozent ein Schritt in die richtige Richtung. „Es hat sich aber schon durch das neue Schulgesetz die Berechnungsgrundlage geändert“, erläuterte Günther. Zuvor basierten die Beiträge auf Zahlenmaterial von 2001, jetzt würden aktuelle herangezogen werden. „Im Herbst soll überprüft werden, wie sich die Beiträge verändern werden“, kündigte er an.

„Bei Kindergärten wird bei der Höhe der Beiträge kein Unterschied zwischen privater oder kommunaler Trägerschaft gemacht“, so Rösner. Laut Grundgesetz müsse die Pluralität in der Bildung gewährleistet werde. Doch Rösner hat eher die Vermutung, dass der Staat das Monopol auf die Bildung schützen will.

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erstellt am 08.Mai.2014 | 16:57 Uhr

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