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Auslandssemester in SH : Prägende Erfahrungen - Eine Russin in Eckernförde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Studentin Anna German aus dem Ural berichtet über die Unterschiede zwischen Russland und Deutschland.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2014 | 05:41 Uhr

Eckernförde | Die russische Studentin Anna German absolviert zurzeit ein Praktikum bei der Eckernförder Zeitung. Ihre Eindrücke beschreibt sie in einem eigenen Artikel:

Ich (21) komme aus Tscheljabinsk (Russland), einer Stadt mit einer Million Einwohner, an der Grenze zwischen Europa und Asien im Uralgebirge. Seit dem Sommersemester studiere ich aufgrund eines Stipendiums des Rotary Club (RC) Eckernförde Deutsch und Englisch an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel. Das ist aber nicht mein erster Aufenthalt in Deutschland, deshalb kann ich dieses Mal das Land ohne Kulturschock erleben. Allerdings habe ich während dieser fünf Monate ganz verschiedene neue Eindrücke gesammelt.

Schon am Anfang hat es mich überrascht, wie fleißig die Studenten hier sind und wie praktisch sie ihre Unterlagen organisieren. Fast jeder hat einen Ordner mit Heftleisten und einen kleinen Locher bei sich, um die Kopien und Notizen sofort abzuheften – in Russland ist das nicht so.

Während des Studiums habe ich in einer WG nur zwei Minuten von der Universität entfernt gewohnt. Das werde ich zu Hause vermissen, weil ich dort eine Busstunde von der Uni entfernt wohne. In Deutschland gefällt mir, dass man das Leitungswasser trinken kann, ohne es abkochen zu müssen, was bei uns nicht üblich ist. Was das Essen betrifft, war es am Anfang schwierig, die gewünschten Lebensmittel im Supermarkt zu finden. Ich musste alles lesen, weil ich die Etiketten auf den ersten Blick nicht erkennen konnte. Jetzt befürchte ich, dass ich dasselbe Problem zu Hause haben werde. Auch bin ich die russische Währung nicht mehr gewöhnt, weil ich sofort in Euro umrechne.

Mein Horizont hat sich durch einige Reisen ins europäische Ausland bedeutend erweitert. In diesem Semester bin ich so viel verreist wie nie vorher. Im Vergleich zu Italien und Dänemark konnte ich die deutsche Mentalität, Architektur und Natur in ihrer eigenen Art erleben. Das hat mich motiviert, mehr zu reisen und andere Länder kennenzulernen.

Auch die Kieler Woche werde ich nie vergessen. Die Feuerwerke und Konzerte, die endlose Kiellinie und die vielen Regatten – das war der Höhepunkt des Semesters. Ich habe auch alle Spiele der deutschen Fußballmannschaft begeistert gesehen und den lang erwarteten Sieg mitgefeiert.

Zurzeit mache ich ein Praktikum bei der Eckernförder Zeitung. Ich wohne bei einer sehr gastfreundlichen rotarischen Familie, deren Haus direkt an der Ostsee steht. Deshalb kann ich jeden Tag vor und nach der Arbeit zum Strand gehen, wovon ich zu Hause nur träumen kann. Besonders hat mich die Menge von Quallen überrascht, die ich hier zum ersten Mal in meinem Leben gesehen habe. Es gefällt mir sehr, dass man hier deutlich und verständlich spricht. In Süddeutschland zum Beispiel wäre es schwerer für mich. Jetzt spreche viel sicherer, ohne lange nach den richtigen Wörtern suchen zu müssen.

Dieses Praktikum und das ganze Auslandssemester haben mich verändert und sind zur Basis meiner weiteren beruflichen und persönlichen Entwicklung geworden. Ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe und hoffe, dass solche Programme weiter unterstützt werden, weil sie die neuen Generationen der Studenten in ihrer Offenheit und Neugier über die Grenzen hinweg bestärken.

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