Quartier unter der Lupe : Potential am Bahnhof und Fördeplatz

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Marie-Luise Zastrow stellt einen Entwurf ihrer Quartiersuntersuchung für die Kieler Straße Süd im Gestaltungsbeirat vor.

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24. Juli 2015, 06:06 Uhr

Die Kieler Straße Süd ist für Architektin Marie-Luise Zastrow aus Kiel ein lebendiges Innenstadtquartier mit guten Perspektiven für die Zukunft. Auf diesen Nenner könnte man ihre Quartiersuntersuchung bringen, die sie am Mittwochabend vor dem Gestaltungsbeirat erläuterte.

Einst Standort der Otteschen Fayencenfabrik und einer Kaserne mit Exerzierplatz hat sich die Kieler Straße Süd erst nach dem Bau der Bahnlinie 1881 entwickelt. 1975 wurde sie zur Fußgängerzone mit Verkehrsfläche ausgebaut. Die Kieler Straße Süd liege an einer für die Stadtentwicklung wichtigen Lage zwischen Bahnstation und Strand. Wichtig sei der Ausbau der Querverbindungen, um einen Durchlässigkeit zu erzeugen, sagte Zastrow. Viel getan habe sich in den vergangenen Jahren an der Reeperbahn, dort sind einige große Neubauten entstanden. Vor allem das aus Richtung Lornsenplatz kommend erste Ärztehaus sei „sehr groß gebaut und wirkt maßstabssprengend“, urteilte die Architektin. Kritik vor allem seitens des Gestaltungsbeirat entzündete sich an dem halbrunden Neubau Ecke Gerichtsstraße. „Schade, dass es die Satzung nicht schon längst gibt“, sagte der Sprecher des Gestaltungsbeirats, Helmut Riemann. Der halbrunde Baukörper Ecke Gerichtsstraße falle besonders negativ auf, „da kommt Ihre Analyse leider zu spät“, so Riemann.

Großes Potenzial sieht Marie-Luise Zastrow im Falle einer Neugestaltung des Bahnhofsbereichs nach einem möglichen Abriss der Bahngebäude. „Das Ganze wirkt sehr diffus, als Entree könnte man es schöner machen. Dort sollte man später einen Platz nach Süden anlegen“, schlug sie vor. Über die Bahnhofstraße könnte dann die Verbindung zum künftigen Fördeplatz geschaffen werden, der dann entstehen würde, wenn man den Stadthallenvorplatz und den Platz vor der Alten Bauschule baulich zu einem großen Platz vereinen würde. Dazu müsste das Haus schräg gegenüber der Willers-Jessen-Schule abgerissen werden.

Für die Randbebauung an der Reeperbahn schlug die Gutachterin angesichts der bereits erfolgten Neubauten eine „moderne“ Bebauung vor. Ein Gedanke, dem insbesondere Fredo Wiescholek aus dem Gestaltungsbeirat näher treten wollte. „Der Gedanke ist sehr interessant“, wichtig sei dabei aber, auf eine gute Qualität zu achten. „Auch der ZOB könnte ein update gebrauchen“, sagte Marie-Luise Zastrow, wichtig sei ferner, dass man vom Fördeplatz aus frei auf die Ostsee schauen kann – derzeit sei die Sicht durch das viele Grün neben der Stadthalle versperrt. Mit einem großzügigen Fördeplatz und einem freien Blick auf den Strand und das Meer würde die Kieler Straße Süd, die bereits jetzt „ein sehr vielfältiges Stadterlebnis ermöglicht“, weiter an Qualität gewinnen, sagte Zastrow.

Positiv fiel ihr auf, dass in der Innenstadt gewohnt wird und „Eckernförde keine Geisterstadt nach 20 Uhr ist“. Auch die ein- bis dreigeschossige Architektur sei vielfältig und stamme aus verschiedenen Epochen, insgesamt zeige sich dort „ein lebendiges Stadtbild“ mit einigen gut erhaltenen historischen Fassaden in der Bahnhofstraße und der Kieler Straße.

Beiratssprecher Helmut Riemann dankte Marie-Luise Zastrow für eine „vorzügliche Analyse“.

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