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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 00:35 Uhr

Museum : Porträtregen aus heiterem Himmel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Museum hat wie aus dem Nichts elf Porträtbilder von Carl Fiebig als Leihgabe erhalten. Bislang unbekannte Nachfahren des Eckernförder Malers hatten sich bei Museumsleiter Uwe Beitz per Telefon gemeldet.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2014 | 05:24 Uhr

Museumsleiter Dr. Uwe Beitz haut eigentlich nichts so schnell um, „aber in diesem Fall bin ich aus allen Wolken gefallen“, sagt er. Im Januar erhielt er einen Anruf aus Dänemark und erfuhr, dass es noch lebende Nachfahren des Eckernförder Malers Carl Rudolph Fiebig (1812 – 1874) gibt – einen der bekanntesten Künstlersöhne der Stadt. Eine Urenkelin ist sogar noch im Besitz von sieben von Fiebig gemalten Porträts. „Wir wussten gar nicht, dass es überhaupt noch Nachfahren gab“, sagt Uwe Beitz. Die Nachforschungen waren bei den Enkeln des Malers in einer Sackgasse gelandet.

Der Anrufer war Otto Bertelsen, ein Ururenkel des Malers aus Kopenhagen, der den Namen seines Großvaters bei der Internet-Suchmaschine Google eingegeben hatte und so auf das Eckernförder Museum stieß, das vor zwei Jahren eine große Ausstellung zum 200. Geburtstag des Malers organisiert hatte. Er bot an, nach Eckernförde zu kommen und dem Museum die sieben Porträtbilder als Leihgabe mitzubringen. Das konnte er natürlich nicht, ohne seine Mutter Ellen Steincke-Bertelsen zu fragen. Die rüstige Dame ist im Juni 100 Jahre alt geworden, die Porträts schmücken ihr Wohnzimmer. Dennoch stimmte sie zu. Sie stammt in direkter Linie von Carl Fiebig ab: Er war ihr Urgroßvater. An dessen Schwiegertochter Louise Fiebig (geboren 1846) kann sie sich noch erinnern, war sie doch ihre Großmutter.

Gestern kam Otto Bertelsen mit seiner Schwester Lis Steincke aus Svendborg in Eckernförde an. Im Gepäck: Je ein Porträt von Carl Fiebigs Sohn Andreas und dessen Frau Louise, ein Selbstporträt und ein Bild von Carl Fiebigs Frau Marie Anna sowie zwei Kinderbilder und das Bild eines jungen Mannes in dänischer Uniform. Besonders das Selbstporträt und das Bild seiner Frau sind für Uwe Beitz interessant, weil sie die beiden im fortgeschrittenen Alter zeigen. Das Museum verfügte bislang nur über Bilder in jungen Jahren.

Und noch eine Überraschung hielten die Nachfahren des Eckernförde Künstlers bereit: Im Keller hatten sie noch vier weitere von Carl Fiebig gemalte Porträts gefunden und mitgebracht. Sie sollen in die neue Kabinettausstellung zum 140. Todestag Carl Fiebig integriert werden. Die Bilder sind ab heute noch bis zum 26. Oktober zu sehen.

Carl Fiebig gilt unter seinen Ururenkeln Lis Steincke und Otto Bertelsen als bekanntestes Familienmitglied, zusammen mit einem Vetter des Großvaters, der mal Justizminister des Landes war. „Carl Fiebig war sehr beliebt als Porträtmaler“, sagt Otto Bertelsen. „Er hat faire Preise gemacht und die Menschen so gemalt, wie sie auch wirklich aussahen.“

Carl Fiebig wurde 1812 im damals noch dänischen Eckernförde geboren und begann 1827 eine Malerausbildung bei Hans Friedrich Baasch. 1832 nahm er ein Malereistudium an der Kopenhagener Kunstakademie auf, heiratete 1841 Marie Anna Spiegelhalter in Eckernförde. In seiner Porträtmalerei brachte er es zu ansehnlichen und gekonnten Werken, die ihm auch Kontakt zum dänischen Königshaus verschafften. 1874 starb er in Kopenhagen. Sein Sohn Andreas setzte die bis heute lebende Familienlinie fort.

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