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Mit der Dornier 228 auf Kontrollflug : „Pollution Control“: Jagd auf Umweltsünder aus der Luft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Marineflieger bestreifen regelmäßig die Nord- und Ostsee nach Umweltverschmutzungen. Auch die Suche nach Schiffbrüchigen wie kürzlich in der Eckernförder Bucht gehört zu ihrem Auftrag.

Eckernförde | Das Marinefliegergeschwader 3 in Nordholz sucht über Nord- und Ostsee nach Verschmutzungen. Peer Schmidt-Walther, Journalist aus Stralsund mit Eckernförder Wurzeln, hat die Crew einen Tag lang begleitet und die Arbeit der Luftüberwacher dokumentiert.

Tief hängende graue Wolken, aus denen dichte Regenbahnen hängen, jagen von Westen über Nordholz bei Cuxhaven. Auf dem Flugplatz des Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“ herrscht noch morgendliche Ruhe. Doch eine Crew bereitet sich auf den Tag vor. Ihre Aufgabe: die Jagd auf Umweltsünder vor der deutschen Küste. „Unser Programm heute?“ Der Kommandant, Steffen W., lächelt entspannt: „Nur ein Routineflug über die Ostsee.“ Zusammen mit Co-Pilot Tobias M. und Systembeobachter Dirk J. prüft er noch einmal die Unterlagen. Er fragt den Meteorologen nach der Wetterlage: „Könnte besser sein“, antwortet er. Doch dadurch lässt sich die erfahrene Crew nicht aus der Ruhe bringen. „Wir fliegen immer, ob bei Windstärke 12, Regen, Eis oder Schneestürmen. Da kann uns nichts mehr so leicht erschüttern“, betont Steffen W.

Auf dem Flugfeld steht die Dornier 228 mit der Aufschrift „Pollution Control“ (Umweltüberwachung). Sie und ihre Schwestermaschine werden von der Deutschen Marine betrieben und wurden vom Havariekommission in Cuxhaven langfristig im Rahmen von Marpol, dem internationalen Abkommen zur Reinhaltung der Meere, gechartert. Nord- und Ostsee stehen ständig auf dem Arbeitsprogramm von „PC Air“. Pro Woche sind etwa zehn Flüge angesetzt. An Bord haben die Maschinen das modernste europäische Luftüberwachungssystem, Stückpreis: 15 Millionen Euro.

Co-Pilot Tobias M. startet den Turboprop-Antrieb, der mit seinen 1575 PS die Maschine auf 433 km/h beschleunigen kann. „Dann geh’ ich erst mal rechts rum Richtung Itzehoe“, kündigt der Kommandant an. Über der Altstadt von Lübeck reißen die Wolken auf. Es geht weiter auf Ostkurs: Die Crew checkt die Frachter und Fähren in der engen Kadettrinne zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark.

„Ölsünder haben bei den Profijägern keine Chance“, weiß Michael Friedrich, Pressesprecher des Havariekommandos, „denn immer wieder schnappt die Falle zu.“ 105 Ölverschmutzungen haben die Luftüberwacher im vergangenen Jahr entdeckt. Bei 20 davon konnten die Verursacher ermittelt und zur Kasse gebeten werden. Heute bleiben die Sensoren stumm, aber Dirk J. demonstriert in einer Simulation, wie das im Ernstfall tatsächlich aussehen kann. „Da unten, die grün-roten Algenteppiche“, zeigt er durchs Bullauge, „könnte ein Laie schon für Verschmutzungen halten“.

Nach einer Rügen-Umrundung geht es zur dänischen Insel Mön - „abgesprochen mit den Dänen“, sagt Steffen W. Das Havariekommando arbeitet bei der Jagd auf Ölsünder in der Ostsee eng mit Dänemark und Schweden zusammen. „Dann machen wir noch mal einen Ausflug zu den Nordfriesischen Inseln“, kündigt der Kommandant an.

Doch unvermittelt wird die Überwachungs- zur Rettungsmission: „Mann über Bord von einer weißen Segelyacht zwischen Maasholm, Eckernförde und Kiel“, heißt es aus dem Funk. Im Tiefflug wird jeder Segler bis hinein in die Eckernförder Bucht angeflogen. „Dann lassen wir uns gern mal wieder kräftig durchschütteln!“ Inzwischen suchen unter uns auch die Korvette Ludwigshafen und ein Minenjagdboot. „Wie die Nadel im Heuhaufen“, meint der Kaleu, „bei der Masse von Booten.“ Dann Abbruch nach rund 20 Minuten, die Seenotleitung stimmt zu. Die Crew dreht ab und kehrt nach Nordholz zurück. Nach insgesamt rund drei Stunden Flug und 450 zurückgelegten Seemeilen heißt es dann „Mission completed“ - Mission abgeschlossen.

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