Polizeiaustausch : Polizisten blicken über den Tellerrand

John Martin (r.) durfte mit Gastgeber Thomas Wagner den deutschen Polizei-Alltag erleben.
John Martin (r.) durfte mit Gastgeber Thomas Wagner den deutschen Polizei-Alltag erleben.

Für John Martin aus den USA gehen zwei Wochen Polizeiaustausch mit einem straffen Kennenlern-Programm in Deutschland zu Ende.

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16. Mai 2015, 06:07 Uhr

Holzdorf | „In den letzten zwei Wochen haben wir viel erlebt“, sagt Dr. Thomas Wagner, Polizeiarzt und Mitglied bei der Organisation „Star – International Police Exchange“ und blickt dabei zu seinem Gastpolizisten John Martin aus Alabama. Seit mittlerweile 30 Jahren veranstaltet der Verein vornehmlich den Austausch von Polizisten aus Deutschland und Amerika – zum ersten Mal waren in diesem Jahr auch Kanada und Spanien dabei. „Man guckt in Zukunft auch noch mehr nach links und rechts“, so Wagner, der das zunehmende Interesse anderer Länder begrüßt.

Thomas Wagner nahm John Martin als einen von zwölf Austauschpolizisten in der ersten Woche – aus zeitlichen Gründen waren es in der zweiten Woche nur noch sieben – bei sich zu Hause in Holzdorf freundlich auf. Zuvor hatte er die gleiche Gastfreundschaft in den USA erfahren. Nicht nur polizeiliche, auch kulturelle Inhalte standen in der Zeit von Sonntag, 3. Mai, bis gestern auf dem Tagesprogramm. Beim Oberlandesgericht Kiel, beim Landtag und Innenminister Studt war die Gruppe aus Gastgebern und Gästen nach der obligatorischen Willkommensparty im Hause Wagners – er habe das passende Grundstück dafür – gewesen. Die Eutiner Polizei stellte ihr Ausbildungsprogramm vor, eine persönliche Begrüßung gab es auch von Landespolizeidirektor Ralf Höhs.

Schließlich durften auch kulturhistorische Aspekte nicht zu kurz kommen: Besichtigt wurde das Marine-Ehrenmal in Laboe und die Flensburger Brauerei. Auch wurde ein Flugzeug in St.-Peter-Ording gemietet und die Hamburger Reeperbahn inklusive Davidwache nähergebracht.

„Aus einer Laune heraus ging es sogar noch zu den Kollegen nach Sonderborg“, berichtet Wagner und fügt hinzu: „Solche spontanen Zusammenkünfte zeigen, dass die Polizei sich weltweit zugeneigt ist.“ Für John Martin ist nach den zwei aufregenden Wochen Polizeiaustausch klar: „Ich liebe Deutschland und auch Kiel – die Menschen, die hier wohnen. Aber das Beste war, mit den deutschen Kollegen auf Streife zu gehen“, sagt er in einer Mischung aus Deutsch und Englisch.

Der direkte Vergleich des Umgangs der Polizei mit den Menschen in Amerika und Deutschland sei besonders spannend gewesen. Gewalttätiger ginge es in den Staaten bei den Einsätzen zu, Täter würden schneller eingesperrt. Martin sei überrascht gewesen wie respektvoll bei uns mit der Polizei umgegangen werde. „Dieser Blick über den Tellerrand ist es, was den Austausch so wichtig macht“, sieht Wagner den Wert der Aktion. In der Austauschfamilie landestypische Besonderheiten kennenzulernen, findet er außerdem wichtig.

„Vor 40 Jahren habe ich zu Universitätszeiten Deutsch gelernt“, erklärt John Martin. In zukünftigen Besuchen wolle er die Sprache unbedingt vertiefen und unser Land auch außerhalb des Polizeiaustausches besuchen.

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