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Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 05:34 Uhr

Autorenlesung : Polizeiarbeit am Swingerstrand

vom

Debütroman von Arnd Rüskamp und Hendrik Neubauer spielt in Eckernförde / "Rasmussen und die Brix" ermitteln

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 06:59 Uhr

eckernförde | Das Flens auf dem Tisch darf nicht fehlen. Ebenso wenig die Eckernförde-Flagge und das St.-Pauli-T-Shirt. Die Autoren geben sich norddeutsch. Ihre Liebe gilt einer Region, einer Stadt: Eckernförde.

So weit geht diese Liebe, dass Arnd Rüskamp und Hendrik Neubauer einen Kriminalroman geschrieben haben, der in Eckernförde und der Umgebung spielt. Dabei stammen die beiden gar nicht von hier: Arnd Rüskamp kommt aus Essen, Hendrik Neubauer aus Hamburg. Doch beide verbringen mehrere Wochen oder Monate im Jahr in der Region - der eine in Missunde, der andere in Dänischenhagen.

"Tod am Strand" heißt ihr Erstlingswerk, das die Autoren am Donnerstagabend in frischer Manier in der Buchhandlung Liesegang vorgestellt haben. Und das hat es in sich: Unter den Anbietern von Angeltouren im Eckernförder Hafen gibt es Stunk: Der wenig sympathische Lars Martens will die Konkurrenten aus dem Feld schlagen. Eines Morgens wird er gefunden: tot, nackt und auf die Motorhaube seines Autos gebunden. Kommissar Hans Rasmussen und die pensionierte Richterin Margarete Brix machen sich auf die Suche nach dem Täter und dringen dabei tief in die Szene des sexuellen Partnertauschs ein. Denn der Tote ist nirgendwo anders aufgefunden worden als am Swingerstrand in Aschau.

Der Anfang geht sich ein wenig zäh an. Viele Namen, akribische Beschreibungen, doch mit der Zeit gewinnt die Erzählung an Fahrt. Feine Ironie unterstützt die Geschichte, die vor Lokalkolorit geradezu überquillt. Sprotten von Rehbehn und Kruse, Schleiüberfahrt mit der Fähre Missunde, Klappbrücke am Hafen und Leben im Ykaernehus - der Eckernförder wird wenig Fantasie benötigen, um sich die Szenerien vorzustellen, hat er sie doch tagtäglich vor der eigenen Nase.

Die Debütlesung für den Debütroman wollten sich rund 60 Besucher nicht entgehen lassen, und sie bekamen einiges geboten für ihr Geld. Die vorgelesenen Passagen garnierten die Autoren stets humorvoll mit weiteren Details über ihre Hauptfiguren oder weitreichende Informationen aus dem Prozess des Schreibens, was Hendrik Neubauer kommentierte: "Sie sehen neben mir den Paganini der Abschweifungen." Er, Neubauer, packte neben dem Buch auch seine Gitarre aus und spielte das von ihm selbst geschriebene Lieblingslied "Ecktown" ihres Kommissars - ganze drei Mal: "Was bist du für ’ne Perle, was gibst du alles her, es ist nicht immer Liebe, du meine Stadt am Meer."

Das macht hungrig, und deshalb gab es in der Pause zum Sekt auch Matjes auf Orangen-Wasabi - ein Rezept aus dem Roman, das Berndt Kruse von "Rehbehn und Kruse" extra für diesen Abend nachempfunden hatte. "Musik spielt in unserem Leben eine große Rolle", erklärte Arnd Rüskamp, der unter anderem schon als Radiojournalist gearbeitet hat und nun als Verleger und Publizist. "Deshalb kommt auch immer Musik in dem Buch vor."

Zu zweit ein Buch schreiben - erstmals hatte Rüskamp das mit einer Kollegin gemacht. "Wir haben uns vier Monate lang gemailt und dabei immer im Wechsel an einer Geschichte weitergeschrieben. Am Ende habe ich Hendrik gesagt: ’Du, ich habe grad mit einer Kollegin ein Buch geschrieben. Das können wir auch.’" Gesagt, getan, am Ende schlossen sich beide sogar vier Tage in ein Berliner Hotel ein, um den Schluss ihres Buches zu schreiben. Da kommt dann auch der "Gumm-Prix" vor: ein Gummibootrennen im Hafen, zu dem sich die Zuschauer mit möglichst hässlichen Badekappen schmücken.

Das Buch wird keinen Literaturpreis gewinnen, ist aber für Eckernförder Krimifans ein Muss. Und es hat schon jetzt seine Spuren hinterlassen: "Im Juli wird es den ersten Gumm-Prix bei den Sprottentagen geben", verkündete Rüskamp. Das ist mit der Touristik so abgesprochen. Und auch auf der offiziellen Facebook-Seite der Stadt "Visit Eckernförder Bucht" werden Rasmussen und die Brix künftig an jedem Freitag ihre Kommentare loslassen.

Arnd Rüskamp & Hendrik Neubauer, "Tod am Strand", 336 S., 10,90 Euro, emons Verlag: www.rasmussen-und-die-brix.de

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