Polizei sieht eklatante Widersprüche

Dritter Verhandlungstag: Mitarbeiter einer Eckernförder Bank wird Diebstahl von Geldbeutel mit 29 845 Euro aus dem Tresorraum vorgeworfen

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13. Januar 2018, 06:36 Uhr

29 845 Euro betrug die Summe, die ein Mitarbeiter einer Eckernförder Bank im Oktober 2016 aus dem Tresorraum im Keller gestohlen haben soll. Das Geld in dem Sicherheitsbeutel stammt von der Entleerung eines Geldautomaten der Bank und war neben zwei weiteren Geldbeuteln für die Abholung durch eine Geldtransportfirma vorgesehen (wir berichteten). Seit dem 7. Dezember wird gegen den Angeklagten vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Tiedemann verhandelt. Nach dem zweiten Tag der Hauptverhandlung am 21. Dezember, der der weiteren Beweisaufnahme und der Anhörung von Zeugen diente, fand gestern der dritte Tag in diesem Gerichtsverfahren statt. Der 58-Jährige, der zu Beginn des Verfahrens seine Unschuld erklärt hatte und seitdem die Aussage verweigerte, schwieg auch an diesem Tag.

Erneut wurden drei weitere Zeugen gehört, von deren Vernehmung sich Richter, Schöffen, Staatsanwaltschaft und Verteidigung Aufklärung erhofften. Unter ihnen war auch der Beamte der Kriminalpolizei Eckernförde, der die Ermittlungen in dem Fall führte. Erst am 18. Oktober, fünf Tage nach dem Diebstahl, wurde die Kripo mit den Ermittlungen beauftragt. Verwertbare Spuren wie Fingerabdrücke oder Videoaufzeichnungen aus dem Keller gab es nicht, so der Beamte. Die Polizei konnte sich bei ihren Ermittlungen nur auf Aussagen der Bankmitarbeiter und Aufzeichnungen der 18 Kameras im oberen Gebäude beziehen. Zu Beginn habe der Angeklagte nicht im Fokus gestanden, obwohl er der Verantwortliche in dem Bereich sei. Bei der Vernehmung am 27. Oktober hätten sich aber mehrere Widersprüche in seinen Aussagen ergeben, die dieser nicht habe auflösen können. Eine wichtige Rolle spielen laut Polizei 21 Minuten, die der Angeklagte nicht erklären kann. Am 13. Oktober hat er laut Aufzeichnung des Geräts um 9.50 Uhr einen Geldautomaten geöffnet und entleert. Die entsprechende Buchung hat er um 11 Uhr vorgenommen – 21 Minuten nach der Buchung der beiden ersten Geldbeutel um 10.39 Uhr , die bereits am 10. und 11. Oktober gepackt wurden. „Was hat er in den 21 Minuten gemacht? Seine Aussage, das dritte Paket habe er nach 10.39 Uhr gepackt, war ein Kardinalfehler.“ Denn man brauche 30 bis 35 Minuten, um einen Geldbeutel zu packen und in den Tresorraum zu bringen. Nach Darstellung des Beamten ist eine zufällige Begegnung mit einer Kollegin, die einen Karton im Keller gesucht hat, für diese Aussage verantwortlich. Der Angeklagte habe befürchten müssen, dass die Kollegin durch die Scheibe gesehen haben könnte, dass nur zwei statt drei Beutel auf dem Tisch im Tresorraum lagen. „Er musste von seinem ursprünglichen Plan abweichen, alle drei Pakete gleichzeitig zu verbuchen.“ Denn es habe an dem Tag nie drei Beutel gegeben. Tatsächlich sei der fehlende Geldbeutel bereits am Vortag entwendet worden. Auf der Kameraaufzeichnung vom 12. Oktober sei der Angeklagte mittags beim Verlassen der Bank zu sehen, mit einem Rucksack auf dem Rücken. „Für mich erschien der Rucksack voller als am Morgen.“ Zwar sei die Polizei bei einer Hausdurchsuchung nicht fündig geworden, aber die Behauptung des Angeklagten, den Geldautomaten am 13. Oktober erst nach der Buchung um 10.39 Uhr entleert zu haben, sei „ein klarer Beweis, dass es sich bei ihm um den Täter handeln muss.“

Die Verteidigung sprach von tendenziöser Ermittlung und lenkte den Blick auf andere Bankangestellte, bei denen sich Fragen hinsichtlich der Tat ergeben. Denn habe sein Mandant Geld stehlen wollen, hätte dieser es sich viel leichter machen können, so dass die Tat erst zu einem späteren Zeitpunkt hätte entdeckt werden können. Mit dem Hinweis „Das Gericht geht bis jetzt davon aus, dass wir den Angeklagten freisprechen“ entließ Richter Tiedemann die Beteiligten. Die Verhandlung wird am 26. Januar fortgesetzt.

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