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Bürgerpark : „Politischer Skandal“ oder Wohltat?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dr. Reinhard Jentzsch (Bürger-Forum) will Eigentümer des Bürgerparks werden. Der Ratsherr einigt sich mit Investor auf einen Kaufpreis von 3000 Euro

von
erstellt am 01.Dez.2013 | 16:54 Uhr

Dr. Reinhard Jentzsch hat den Bürgerpark in Borby gekauft. Kaufpreis: 3000 Euro. Diese der Eckernförder Zeitung vorliegende Information hat der Eckernförder Ratsherr vom Bürger-Forum gestern bestätigt, relativiert aber: „Der Kaufvertrag von 22. November zwischen mir und Herrn Wagner hat aber eine aufschiebende Wirkung“, betont er auf EZ-Nachfrage. So werde er erst Eigentümer des knapp 4000 Quadratmeter großen Parks am Mühlenberg, wenn Investor Udo Wagner eine Baugenehmigung für das Grundstück Mühlenberg 8 erhält. „An meinem Interesse für den Park habe ich nie einen Hehl gemacht“, sagt Jentzsch, der seine Pläne am 14. November im nicht-öffentlichen Teil des Hauptausschusses vorgestellt hat.

Befürchtungen, nach denen der künftige Eigentümer den Park für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich machen werde, erteilt Jentzsch eine klare Absage. „Ich will aus der ungepflegten Grünfläche wieder einen Park, ein Schmuckstück machen, betonte der Eckernförder Zahnarzt. Er wolle den Park den Bürgern nicht entreißen. Aber der jetzige Zustand sei nicht länger hinnehmbar. Überall würden Flaschen, Dosen und Hundekot herumliegen, die Krokusse würden achtlos niedergetrampelt werden. Der Durchgang zum Vogelsang werde auf jeden Fall offen bleiben, versicherte er. Es solle aber rechtsseitig zum Weg dekorative Zaunelemente geben sowie zwei Tore, die geöffnet werden können. Der Schutz der Krokusblüte läge ihm am Herzen. „Ich will es vor meinem Haus schön haben“, gibt Jentzsch zu, der mit seiner Zahnarztpraxis an den Park angrenzt. Dennoch seien ihm bei der Gestaltung die Hände gebunden. Denn auch wenn er zu einem späteren Zeitpunkt Eigentümer der Fläche werde, bleibe die Stadt laut Vertrag Besitzer und sei, vergleichbar mit einem Mieter, auch für die weitere Pflege der Anlage zuständig.

Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel hat auf Nachfrage der EZ keinerlei Stellung zum Verkaufsvertrag über den Bürgerpark bezogen. Dazu könne er keine Auskünfte erteilen. Er hob aber das elementare Interesse der Stadt Eckernförde hervor, den Bürgerpark im Zuge einer Bebauung des Mühlenbergs als öffentlich zugängliche Anlage für die Bürger der Stadt zu erhalten.

Der Eckernförder Zeitung liegt eine Mailkorrespondenz zwischen Bürgermeister Jörg Sibbel und Dr. Reinhard Jentzsch vom 26. und 27. November vor, in dem Jentzsch seine Befangenheit bezüglich der Mühlenbergbebauung bezweifelt. Seine Teilnahme an den Sitzungen stünde somit also weiterhin außer Frage. Dass er nach einer Bebauung Eigentümer des Park werde, erwähnt er mit keinem Wort. „Ich habe das nicht getan, weil ich nicht der Eigentümer bin, noch nicht und vielleicht auch nie werde, wenn nicht bebaut wird“, so Jentzsch auf EZ-Nachfrage und macht deutlich: „Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine gemeinsam Grenze mit Herrn Wagner.“ Von Befangenheit könne also keine Rede sein. Zudem würde er, wenn die Bebauung scheitert, in Sachen Park ja leer ausgehen.

In einem weiteren E-Mail-Schreiben, dass unsere Zeitung erreicht hat, berichtet CDU-Ratsherr Daniel Günther den Ratsmitgliedern, dass Jentzsch sein Konzept im Hauptausschuss vorgetragen hat, es bei den Mitgliedern aber nicht auf Zustimmung gestoßen ist. Jentzsch hätte daraufhin im Ausschuss den politischen Vertretern unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass er nach diesem negativen Votum seine Pläne nicht weiterverfolgen werde. Äußert fragwürdig findet Günther auch den geringen Kaufpreis von 3000 Euro und will die Angelegenheit am 10. Dezember auf der Ratsversammlung zum Thema machen.

Daniel Günther bestätigte diese Mail geschrieben zu haben. Für den Unionspolitiker ist der Ankauf des Bürgerparks „für einen Spottpreis“ ein politischer Skandal, der nicht ohne Konsequenzen bleiben könne.

Dass das Thema auf diese Weise an die Öffentlichkeit kommt, bedauert Jentzsch. Er glaube, dass damit ein gewisser Sozialneid geschürt werden solle. Dabei wolle mit dem geplanten Kauf und der Herrichtung des Parks der Allgemeinheit, aber natürlich auch für sich etwas Schönes schaffen.


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