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Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 13:33 Uhr

Politische Zeitreise in den deutschen Herbst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 26.Sep.2014 | 14:31 Uhr

Bis auf wenige Plätze ausverkauft war die Stadthalle zum Start der neuen Saison der Theatergemeinschaft Eckernförde am Donnerstagabend. Mit „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ stand ein großes Schauspiel auf dem Programm – es erfüllte die großen Erwartungen.

Ein minimalistisches Bühnenbild, großflächig „die Zeitung“ als Rollwand, wurden die, denen die Geschichte der unschuldigen Katharina Blum nicht bekannt war, schnell in die Richtung von Sensationsjournalismus und Meinungsmache gebracht. Die allgegenwärtige Angst vor Terrorismus aus der „Szene“ der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts und der damit verbundene Zugzwang der Obrigkeit übertrugen die acht Darsteller der Burghofbühne des Landestheaters Dinslaken eindrucksvoll aufs Publikum und vereinnahmten die Zuschauer voll und ganz. Weil die „Umstände“ danach sind, wird die junge, unbescholtene Katharina Blum als vermeintliche Terroristenhelferin gehetzt und treiben sie schließlich am Ende zur Verzweiflungstat.

„Uwe Fischer war es schon länger ein Bedürfnis, Bölls bekanntestes Stück in Eckernförde auf die Bühne zu bringen“, berichtete Helga Fischer von der Theatergemeinschaft. Manche der Zuschauer hatten die Geschichte extra zuvor noch gelesen oder sich den Film, der bei seiner Erstaufführung 1975 für Aufsehen erregte, angeschaut. Auch wenn Personen und Handlung frei erfunden sind, „gewisse journalistische Praktiken, die Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben, sind weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich“, wie Heinrich Böll seinerzeit in einer Vorbemerkung erläuterte.

Zwei Handlungsstränge mit dem Wechselspiel von Polizei und Presse bestimmten das Geschehen. Bildete zunächst die Verhaftung der 27-jährigen unbescholtenen Frau die Basis, wurde diese aufgrund der überspitzten menschenverachtenden Berichterstattung der Boulevardpresse in eine Ecke ohne Ausweg gedrängt. Selbst als der Journalist Tötgens den angerichteten Schaden arrogant vor der Protagonistin herunterzuspielen versuchte, sprach einer der Zuschauer emotional gefesselt, leise das Ende aus: „Den würde ich glatt erschießen“.

Großer und verdienter Beifall für die Darsteller, allen voran für Lara Christine Schmidt in der Rolle der Katharina Blum. Sechzehn Charaktere wurden gekonnt dargestellt, der sichtbare Rollenwechsel in Rechtsanwalt, Industrieller, Fotografin und weitere Rollen war ungewohnt erfrischend.

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