Bahnhofsgebäude : Politik stärkt Bürgermeister den Rücken

Ungewisse Zukunft: Die Stadt erwartet jetzt klare Signale von der Bahn und ein Kaufpreisangebot für das Bahnhofsgebäude.
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Ungewisse Zukunft: Die Stadt erwartet jetzt klare Signale von der Bahn und ein Kaufpreisangebot für das Bahnhofsgebäude.

Der Hauptausschuss hat Bürgermerister Jörg Sibbel ermutigt, mit der Bahn „Tacheles zu reden“. Seit über einem Jahr wartet die Stadt auf ein Kaufpreisangebot der Bahn - vergeblich. Nun macht der Bürgermeister Druck, um dort endlich zum Zuge zu kommen.

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10. Januar 2015, 06:49 Uhr

Eckernförde | Bürgermeister Jörg Sibbel kann am 22. Januar mit breiter Brust und politischem Rückenwind zum entscheidenden Gespräch mit der Deutschen Bahn über den Ankauf des Bahnhofsgebäudes nach Hamburg fahren (siehe auch unsere gestrige Ausgabe). Sibbel trug sein Ansinnen am Donnerstagabend im Hauptausschuss vor und erntete für seinen Vorstoß durchweg Zustimmung und Unterstützung durch die Politik. „Wir haben ein Jahr verloren“, beklagte der Bürgermeister die unerwartet lange bahninterne Abstimmungsphase für die Ermittlung eines Kaufpreisangebots für das schmucklose Bahnhofsgebäude, das die Stadt gerne kaufen möchte, um es dann dem Fockbecker Investor Hans-Jürgen Sindram weiterzuveräußern, der dort einen neuen Kino-Komplex mit fünf Sälen und über 700 Plätzen inklusive Einzelhandelsflächen, Freizeiteinrichtungen und Tiefgarage für 200 Fahrzeuge errichten möchte. Die Ratsversammlung hatte bereits am 7. November 2013 einstimmig für diesen Kino-Standort und dieses Projekt grünes Licht gegeben. Bis Ende 2013 wollte die Bahn ihr Wertgutachten vorlegen, um dann zeitnah einen Kaufvertrag mit der Stadt abzuschließen. Passiert ist bis heute nichts.

Und das sorgt im Eckernförder Rathaus für erheblichen Unmut. Schließlich setzt man große Hoffnungen in das Kino-Center mit den angeschlossenen Geschäften und Freizeiteinrichtungen am Bahnhof. Dort soll ein städtebaulich neues, attraktives Entrée geschaffen werden – und natürlich nach der Schließung des alten Kino-Centers in der Kieler Straße mit anschließendem Abriss (heute C & A) im April 2012 die schmerzliche Kino-Lücke geschlossen werden.

Doch die Bahn spielt nicht mit. Selbst der auch von ihr unterzeichnete „Letter of Intent“, das Projekt gemeinsam umzusetzen, hat den Staatskonzern nicht animieren können, das Vorhaben in marktüblicher Weise abzuarbeiten. Nachdem schon die Einschaltung der Konzernbevollmächtigten durch den Bürgermeister zu „Missstimmungen“ bei den Verhandlungspartner der Bahn geführt und die Kaufpreisfindung zwischenzeitlich auf Eis gelegt hatte, sorgt jetzt das bahninterne Ringen um die Größe der Nutzfläche für Zeitverzug. Die von der DB Station und Service in Kiel veranschlagten 300 Quadratmeter Nutzfläche für die Bahn erscheint der in Hamburg ansässigen DB Vertrieb und Entwicklung womöglich als zu großzügig bemessen. Und zwar vor allem wohl deshalb, weil jeder Quadratmeter, den die Bahn selbst nicht braucht, gewinnbringend vermarktet werden kann und den Kaufpreis nach oben drückt. Bis Januar soll diese Frage nun geklärt sein, berichtete der Bürgermeister.

Doch der hat die Nase voll. „Die Preisfindung kann doch nicht so schwer sein“, sagte er. Bereits 2007 hätte die Bahn für das Bahnhofsgebäude und das rund 3700 Quadratmeter große Grundstück 600  000 Euro verlangt. Rechnet man die Preissteigerung ein und den Kaufpreis von 930  000 Euro für das vergleichbar große (aber höherwertige) Areal der Standortverwaltung in der Kieler Straße würde sich ziemlich schnell ein Preis in dieser Bandbreite fixieren lassen, meinte Sibbel. Warum das nicht geschehe, sei für ihn unverständlich.

Er hat die beiden Bundestagsabgeordneten Sönke Rix (SPD) und Johann Wadephul (CDU) und die Landtagsabgeordneten Serpil Midyatli (SPD) und Daniel Günther (CDU) um Unterstützung gebeten. Um die Sache zum Abschluss zu bringen, hat Sibbel am 22. Januar um ein Gespräch im Hamburger Regionalzentrum ersucht. „Wenn nicht erkennbar ist, dass es bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Abschluss kommt, müssen wir uns davon verabschieden und uns Alternativstandorte in der Innenstadt überlegen“, erklärte der Bürgermeister im Hauptausschuss.

Bürgervorsteherin Karin Himstedt brach eine Lanze für dieses Vorgehen. Sie plädierte dafür „dem Bürgermeister entschieden den Rücken zu stärken, um mit der Bahn Tacheles zu reden“. Die Stadt sei „nicht zwingend auf die Bahn angewiesen, und wir können uns eine Hängepartie nicht erlauben.“ Sollten die Verhandlungen scheitern, „findet die Bahn so schnell keinen anderen Abnehmer“, ist Himstedt überzeugt. Ausschussvorsitzender Martin Klimach-Dreger (SPD) ergänzte, dass der Kinobetreiber nach wie vor Interesse an diesem Standort habe. Gleichwohl habe die Stadt alle Optionen, um auch über andere Standorte zu sprechen: „Wir haben ja eine Wahl“.

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