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Kinobetreiber klagen an: : Pöbeleien an den Kinokassen nehmen zu

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eltern wollen sich immer häufiger über Altersfreigaben hinwegsetzen

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 06:21 Uhr

Rendsburg | Eltern pöbeln an der Kinokasse und drohen mit dem Anwalt. Abenteuerliche Szenen spielen sich nicht nur auf den Leinwänden, sondern auch in den Eingangshallen der Rendsburger Kinos ab.

Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder in die Vorführung von Filmen mitnehmen, die für deren Alter nicht freigegeben sind, berichtet Nicole Claussen, Chefin des Kinocenters Rendsburg. Ihre Mitarbeiter müssen den Mädchen und Jungen den Zutritt aufgrund des Jugendschutzgesetzes verbieten. „Die Kinder wissen es ganz genau, aber die Eltern pöbeln uns an.“ Den finanziellen Nachteil hat jedoch das Kino. Es zahlt die Karten zurück, und die Plätze bleiben leer.

Die Regeln sind eindeutig: Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden entscheidet, ob ein Streifen für Zuschauer ab 0, 6, 12, 16 oder 18 Jahren freigegeben wird. Diese Einstufung ist gesetzlich verbindlich. Es gibt nur eine Ausnahme: Kinder ab sechs Jahren dürfen Filme ab zwölf Jahren sehen, wenn Eltern sie begleiten. Diese Regel gilt jedoch nur für Streifen mit einer Altersfreigabe ab zwölf Jahren. 13-Jährige dürfen nicht etwa Filme für Zuschauer ab 16 Jahren ansehen, nur weil Vater oder Mutter sie begleiten.

Viele Eltern wissen das nicht. Im Kinocenter Rendsburg wollte ein Vater zusammen mit seinen zwölf- und 14-jährigen Kindern den Horrorfilm „Es“ ansehen. Die Mitarbeiter verweigerten dem Nachwuchs den Zutritt. Wenn sie ein Auge zudrückten und ein Kontrolleur sie erwischte, erhielte das Kino eine Strafe: Beim ersten Mal würde es verwarnt. Bei Wiederholungen müsste es Bußen von 5000 bis 20  000 Euro zahlen.

Claussen musste solch eine Strafe noch nie berappen. „Wir sind sehr penibel.“ Ihre Mitarbeiter kontrollieren sowohl an der Kasse als auch am Saaleingang. Wer einen Film ab 16 Jahren sehen will, muss sich ausweisen. Claussen akzeptiert Dokumente mit Foto und Geburtsdatum wie Personalausweise, Führerscheine und Krankenversichertenkarten. Wer sie vergessen hat, soll zu Hause anrufen, damit Eltern den Ausweis abfotografieren und das Bild per Handy schicken. Bei Unter-16-Jährigen besteht keine Ausweispflicht. Wenn Eltern sagen, dass ihr Sohn sechs Jahre alt ist, muss sich das Kino-Personal darauf verlassen.

Die Kinder versuchen zu tricksen. Ein 14-Jähriger legte einen Treckerführerschein vor, um den Horrorfilm „Saw“ anzuschauen, frei ab 18 Jahren. Mit solchen Täuschungsversuchen rechnet Claussen. Aber sie hat kein Verständnis für das Desinteresse der Eltern.„Da ist so viel Unverständnis. Das können Sie sich nicht vorstellen.“ Ein Vater drohte mit dem Anwalt. „Sie beschneiden meine Freiheitsrechte“, rief er.

Hans von Fehrn-Stender, Inhaber der Schauburg in Rendsburg, berichtet, dass einige Eltern ihren Kindern im Internet Tickets kaufen, obwohl die Filme sich nicht für die Altersgruppe eignen. Die Familien umgehen damit die Kasse, werden aber am Saaleingang gestoppt. Es gab aber auch schon Eltern, die ihre Kinder zur Kasse geführt haben, damit diese einmal klipp und klar vom Kino-Personal hören: „Dieser Film ist nichts für dich.“

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