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EHRENAMTLICHE KIRCHENWÄCHTER : Plötzlich singt ein Gast den Psalm von der Tür

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Kirchengemeinde St. Nicolai sucht ehrenamtliche Kirchenwächter. Kreuzfahrtgäste und Urlauber besuchen das Gotteshaus gern.

Eckernförde | Die Kirchengemeinde St. Nicolai sucht noch ehrenamtliche Kirchenwächter. Wächter – klingt nach Aufpassen, nach Bewachen. „Woanders heißt unsereins auch Kirchenhüter“, sagt Günter Lehmann. Aber letzten Endes passt der Begriff: Kirchenwächter passen auch auf.

Die St.-Nicolai-Kirche ist montags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Dann kann jeder die Kirche betreten und besichtigen. „Ich begrüße die Gäste“, erklärt Wiltrud Egerland ihre ehrenamtliche Tätigkeit. „Und ich biete meine Hilfe an, wenn jemand Fragen hat.“

Und die haben viele Leute: „Wo liegt der Graf von Saint Germain begraben, wollen viele wissen“, sagt Hans Willomitzer. „Und ob sie eine weiße Rose für ihn ablegen dürfen.“ Dürfen sie natürlich, bevorzugt in der Gruft mit ihren Särgen, in denen aber nicht mehr die Gebeine des Grafen liegen. „Verbürgt ist laut Kirchenregister allerdings, dass er tatsächlich 1784 hier beerdigt wurde“, so Willomitzer.

Er ist genau wie Peter-Hermann Wilknis einen Schritt weitergegangen und hat im Rahmen der Stadtführerprüfung auch erfolgreich die Prüfung zum Kirchenführer abgelegt. „Es besteht aber kein großer Unterschied, es ist nur offizieller. Wir können auch Führungen für die Touristik machen.“

Qualifikationen muss ein angehender Kirchenwächter keine mitbringen. Sicherlich wäre ein seriöses und freundliches Auftreten hilfreich, ebenso Interesse an der Geschichte der Kirche. Das entsprechende Wissen kann man sich schnell aneignen. Zum Beispiel über den Altar, dessen barocken Aufsatz der Eckernförder Holzschnitzer Hans Gudewerdt der Jüngere (1600 - 1671) geschaffen hat und der den gekreuzigten Jesus als noch Lebenden mit offenen Augen zeigt. „Das ist einzigartig in Nordeuropa“, sagt Peter-Hermann Wilknis. Viele Besucher würden kommen, um sich das anzusehen.

Doch auch nach der Geschichte der Kirche wird gefragt. Sie sollte zu einem Dom erweitert werden, doch dann kam die Reformation, das Geld wurde knapp und es blieb bei einer großen Kirche. Was denn noch aus der Zeit vor der Reformation stammt, wollen viele Besucher wissen. „Was ist denn noch katholisch, wird oft gefragt“, weiß Hans Willomitzer. Irrtümlicherweise tippen viele auf den „Dornbusch“, den geschmiedeten Kerzenständer. „Kerzen in der Kirche, das ist für viele katholisch. Dabei ist der Dornbusch erst 1996 in der Kirche aufgestellt worden.“ Stattdessen stammt das Epitaph an der Wand hinter dem Kerzenständer noch aus der vorreformatorischen Zeit.

Aber nicht nur die Besucher können von den Kirchenwächtern lernen, auch andersherum ist es möglich. So erklärte ein junger Mann Kirchenwächter Günter Lehmann, dass man die Inschrift in einer Tür – ein Spruch aus den Psalmen – auch singen könne und hob an. „Das war ein tolles Erlebnis. Die Leute in der Kirche waren begeistert. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann Tenor an der bayerischen Staatsoper war.“

Manchmal sind nur ein bis zwei Besucher in der Kirche, manchmal 50 bis 60. „Besonders, wenn das Kreuzfahrtschiff Albatros in der Bucht war, dann war die Kirche voll“, erinnert sich Wiltrud Egerland. Aber auch Schulklassen kämen immer mal wieder vorbei. Warum sollte man sich also für eine ehrenamtliche Tätigkeit als Kirchenwächter entscheiden? Günter Lehmann kennt die Antwort: „Die Kirche ist ein Aushängeschild für die Stadt, da müssen wir sie für die Besucher offenlassen. Und es muss sich jemand um die Gäste kümmern. Ein Tourismusort wie Eckernförde kann darauf nicht verzichten.“ Außerdem sei schon zweimal der Opferstock gestohlen worden. Auch damit das nicht wieder passiert, müsse jemand aufpassen. Wiltrud Egerland fügt hinzu: „Es ist eine interessante Tätigkeit, und man kann mal wieder Englisch sprechen.“ Denn immer wieder kommen auch Dänen und Amerikaner in die Kirche.

Und wirklich viel Zeit muss man gar nicht investieren. Die meisten Kirchenwächter verbringen drei Stunden pro Woche bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Wer Interesse hat, kann sich an Pastor i.R. Erhard Seredszus, Tel. 04354/ 80  09  68 wenden.

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