zur Navigation springen

op platt : Plattdeutscher Abend mit lebendiger alter Sprache

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rund 130 Besucher wollten beim plattdeutschen Abend in Fleckeby dabei sein. Und sie bekamen jede Menge Geschichten, Döntjes und Lieder geboten.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Elf Jahre nach der letzten plattdeutschen Veranstaltung lud die Kulturinitiative Fleckeby „Kultur Fleck“ zu „Een plattdüütschen Åvend“ in den Sportlertreff „einfach Classe“ ein. Es schien das ganze Dorf auf den Beinen. „Dat wi so veel Lüüd sünd is gor nich to glöven“, staunte Mit-Initiator „Fiete“ Nissen über das große Interesse.

Zum Auftakt trug Felix Grabowski, Student für Deutsch und Religion mit Schwerpunkt Plattdeutsch, „de Geschicht vun uns' plattdüütsche Språåk“ vor, ehe Anno Meeves mit ihren Vertellen „De Levensgeschicht vun een'n Fleckbyer“ und „La Bohème“ die Zuhörer in ihren Bann zog und das Feuerwerk der guten Laune einleitete. Jörn Nissen (1897-1981) war ein Teufelskerl, der viel durchgemacht und bereits vorzeitig seine Beerdigung bezahlt hat: Mit 150 Grog - und zwar nicht zu flau. In Flensburg hat sich Anno „La Bohème“ angesehen, sich reichlich über die gesungenen Worte geärgert, bis sie am Ende feststellte, dass es „Der Barbier von Sevilla“ war.

Viel Lob erntete Tobias Lehmann am Klavier für das Stück „My Way“ und Christian Naeve erzählte von seinem neuen Freund, dem Maulwurf. „Ick segg ju, de Mullworp hett schient's keen Gewerkschaft, hee arbeidt rund üm de Klock.“

Lisa Brammer, mit 91 Jahren die älteste Protagonistin, verlas einen Brief, den Ihre Freundin vor 71 Jahren schrieb, erzählte von der besonderen Gabe eines Schäfers, Diagnosen zu stellen und von Bahntarifen, die nach der Länge der Hosen bemessen werden. Am Ende verlangt die Oma, umsonst fahren zu dürfen, „denn ick heff gor keen Büx an“.

„Ick wull, wi weern noch kleen Jehann“ tönte es aus den Kehlen des Fleckebyer Männerchors und mit Detlef Sierts und seiner Handharmonika „Un denn segelt wi so langsam rund Kap Hoorn“ ging es in eine kleine Pause. Lisa Moritzen beanstandete die mangelnde Aufklärung in ihrer Jungmädchenzeit und glaubte am Ende, der Besamungstechniker, der mit dem ganzen Arm in der Kuh steckte, der Erzeuger eines Kalbes war. Adolf Petersen gab „Dööntjes ut mien Halligtiet“ zum Besten. Als eines von elf Kindern gab es viel zu erzählen, auch vom Tierarzt, der eine Kuh besamen sollte. Nur die Oma war zu Hause und empfing den Arzt: „All'ns kloor. Dor is de Stall, dor steiht de Koh und dor is de Någel an de Wand, wor du dien Büx an ophangen kannst!“

Marlene Jacobsen erzählte von ihren Erlebnissen in der elterlichen Meierei, die 1976 geschlossen wurde und noch „hüüt vermiss ick denn Snack op de Meierie“. Das Gitarren-Quartett mit Claudia Reuschlein, Verena Tegtmeyer, Lutz Brütt und Wolfram Reulecke erhielt für die Darbietung „An de Eck steiht 'n Jung mit 'n Tüdelband“ viel Applaus. Ingeborg Segatz aus Altenholz mit Fleckebyer Wurzeln fragte in ihrem Vertellen „Weetst du, wat 'n Party is“ und erklärte, wie ein Meister die Position eines Lehrling definierte: „Een Håhn kann eerst kreihen, wenn he ut 'n Ei kråpen is. Du as Lehrling stickst noch merrn in't Ei, mark di dat!“ Nachdem Fritz Wegner vom Leben einer Familie mit sieben Kindern erklärte, beendete Lehmann am Klavier das fast zweistündige und doch sehr kurzweilige Feuerwerk der guten Laune mit dem Stück „Guten Abend, gute Nacht …“ und der ganze Saal schmetterte begeistert mit.

Das Schlusswort hatte Bürgermeisterin Ursula Schwarzer, die an die Kulturinitiative Fleckeby die Bitte richtete, nicht wieder so lange mit einem plattdeutschen Abend zu warten.


zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen