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Konzert : Plattdeutsche Lieder mit Jan Graf: „Pommernland“ wird „Pommesland“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Autor und Liedermacher Jan Graf gab im Gartensaal des Herrenhauses Knoop ein Konzert mit Liedern und Chansons der etwas anderen Art. Daneben unterhielt er sein Publikum auch mit Anekdoten und Kurzgeschichten.

Zur vorletzten Veranstaltung im Jahr 2013 annoncierte „Plattgold“-Veranstalter Karl-Heinz Langer den mehrfach prämierten Autor und Liedermacher Jan Graf mit dem aktuellen Programm „Wat is denn nu wedder?“ Der Künstler freute sich auf seinen nunmehr dritten Auftritt im Gartensaal des Herrenhauses auf Gut Knoop: „Das Publikum hier ist sehr gut erzogen, gewöhnt an Abwechslung und offen für Neues.“
„Lassen Sie sich beeindrucken – dann können Sie etwas ausdrücken!“Diesen Rat eines früheren Lehrmeisters hat Jan Graf tief in seinem Herzen verankert. Ausdrucksstärke ist der zweite Vorname des, obwohl in der Lüneburger Heide geborenen, bekennenden Hamburgers. Kraftvoll in Stimme und Vokabular, laut-malerisch intoniert er Tanzlieder und Chansons, trägt Anekdoten und Kurzgeschichten vor.

Treffend gewürzt mit zeitgeistlichen Wortschöpfungen und Anglizismen führt er das Publikum in die globalisierte Welt und holt es im Handumdrehen oder Gitarre-Beiseitelegen wieder auf den norddeutschen Boden zurück. Und hält dann feinfühlig für einen Augenblick inne, um die Bilder wirken zu lassen.

In der Grafschen Lebensphilosophie nimmt „Lüttjepütt“ von Johannes D. Bellmann eine zentrale Rolle ein. „So voll von Weisheit“ nimmt es der Ehemann und Vater auch im täglichen Leben gern zur Hand. Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle erscheinen so im generationenübergreifenden Widerschein ins rechte Licht gerückt. Leichtfertige Gedankenlosigkeit am Kinderbett („Maikäfer flieg“) führt mit Zutun des Nachwuchses zu zielführenden Gedanken – „aus Pommernland wird Pommesland - Gottlov!“

„Lütt Matten de Haas“ ist dagegen völlig unproblematisch und erfährt also umgehend eine zeitgerechte Umdichtung, die in ein mitreißendes, gassenhauerisches Platt-Medley mündet. „Im Regenbogen bei Nacht an der Alster“ malt Graf im Gegenzug mit seinem Gesang eine Kulisse, die allen Gesetzen zuwider greifbar nah scheint. Der Wind, den der Sänger persönlich in „Hein Mück“ bildlich und lautstark über den Ozean bläst, hallt sicher noch lange nach der kurzen Pause in den Ohren der Zuhörer an diesem Abend wider.

Mit „De Linnewevers“ nimmt Graf die Fahrt wieder auf, um sich dann den Themen der älteren Generation zu widmen, kokettiert dabei mit den mehrheitlich älteren Semestern im Plenum und bietet leichte Kost. Wie sich aber in der Begegnung von Elke (will im Urlaub nicht an Rolf denken) mit einem Unbekannten ein lasziv triefender Flirt rund um die „Apotheken-Umschau“ entspinnt – das gehört zu einem der Meisterstücke Grafscher Ausarbeitung von Gefühlen. „Open your mind“, mahnt der Künstler.

Den Abschied von Knoop gestaltet Jan Graf dann auch bipolar: Zunächst leichte Lyrik mit einer homöopathischen Dosis von Grünkohlsuppe, dann ein schwermütiges Gleichnis zum Kreis des Lebens in Bildern der Elbe, der Nordsee, den Wolken.
„Hier muss ich hin, hier komm ich her.“

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