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Plattdeutscher Abend : Plattdeutsch ist in Karby angesagt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Karby schnackt Platt“ – Gelungener plattdeutscher Abend von Schule, VHS und Gesangverein in Karby im Gasthaus Nüser

Karby | „Ein schöner Abend“, waren sich die Besucher des plattdeutschen Abends, von der Grundschule und der Volkshochschule Karby sowie dem Schwansener Gesangverein veranstaltet, einig. Das war ein Stück Heimat, fügte eine Besucherin hinzu. Sie tauchte losgelöst vom Alltag in das Geschehen auf der Bühne ein, fühlte sich wohl, genoss das Hören und Sehen in vollen Zügen.

In dieser Kooperation war es das zweite Mal, dass die „Plattdeutschen“ der Gemeinde zusammen auftraten. Die Idee dazu, so der Vorsitzende der VHS, Bernhard Clausen, entstand, nachdem in der Gemeinde die Feuerwehrbälle mangels Beteiligung gestrichen worden waren. Bei dieser Festivität, so der 69-Jährige, habe die Laienspielgruppe stets Premiere mit neuen Stücken gefeiert. Aus vorbei? Für Bernhard Clausen ein Unding, denn: „Plattdeutsch soll leben.“ Also wurden die plattdeutschen Abende ins Leben gerufen – eine gute Entscheidung: Das volle Haus und die gute Stimmung sprechen eine deutliche Sprache.

Clausen, der als Junglehrer nach Karby kam, zuletzt von 2004 bis 2010 Leiter der Grundschule war und seit Anfang der 1970-er Chef der Volkshochschule ist, stammt von der Geest, wuchs muttersprachlich mit Plattdeutsch auf: „Hochdeutsch lernte ich erst in der Schule.“ Doch sein Herz hängt am Plattdeutschen und so vermittelte er seinen Schülern diese Sprache – und das geschieht auch nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst mit viel Engagement, wie die jetzige Leiterin der Grundschule, Inka Gorecki, am Rande des abendlichen Geschehens berichtet. Sie, die später in die Rolle von Mutter Hansen in dem Einakter „Veer för Mallorca“ schlüpfte und angesichts ihrer beiden pubertierenden Töchter mit viel „Zickenalarm“ schlüpfte, ist stolz darauf, dass die Grundschule mit ihren rund 100 Schülern zu den 27 Schulen Schleswig-Holsteins gehört, in denen Plattdeutsch zum Unterricht gehört. Die Zertifizierung besagt, dass vier Stunden je Woche diese Sprache unterrichtet wird – in allen Klassen. Platt-Expertin ist seit zwei Jahren Lehrerin Frauke Bruhn. Mit Einfühlungsvermögen und Engagement nimmt sie die Kinder an ihre Sprach-Hand – und die haben ihre helle Freude am Erlernen der für die meisten fremden Sprache. Nur wenige von ihnen bringen von Zuhause Platt-Kenntnisse mit. Aber dank des Unterrichtes tauchen sie erzählend und singend in diese Sprache ein.

Von ihrem Können gaben sie in Karby viele Kostproben. Das war, so Bernhard Clausen, „hyggelig“. Er bedankte sich und rief den Kindern zu „Maakt wieter so und snackt Platt.“ Sei das Zuhause nicht möglich, sollten sie sich jemanden im Dorf suchen, mit dem sie „klönen“ können.

Bekannte Lieder – auch zum Mitsingen-, kleine Sketche und der Auftritt von Lukas Hübner aus Kappeln, Karbys Schulsieger im Wettbewerb „Schölers leest Platt“, zusammen mit dem zweitbesten Vorleser Thore Blaase aus Brodersby machte deutlich, dass für sie die in der Schule erlernte Sprache nicht mehr fremd ist. Mit „Ümmer op de Lütten“ bewiesen die beiden Jungen, dass sie nicht nur Platt beherrschen, sondern sich auch ausdrucksstark artikulieren können.

Und dann begann auf der Bühne ein Chaos, das so mancher der Zuschauer aus eigener Erfahrung gut nachempfinden konnte. Familie Hansen – mit Inka Gorecki als Mutter, Bernd Petersen als Vater sowie Alina Hucke und Nele Hanna Siedenbiedel als deren Töchter – will in Urlaub fahren: Mallorca ruft. Doch bevor gestartet wird, geht’s daheim rund. Die Koffer sind noch nicht gepackt, die Lieblingshose nicht gewaschen und gebügelt, die Reiseunterlagen nicht auffindbar. Es geht drunter und drüber – die Akteure sind in ihrem Element und zogen alle Register ihres schauspielerischen Könnens. Letztlich war alle Aufregung umsonst: Man hatte sich schlichtweg um einen Tag geirrt. Abflug ist nicht heute, sondern erst morgen...

Das Versprechen von Bernhard Clausen, der zu Beginn einen schönen Abend gewünscht hatte, erfüllte sich voll und ganz. Und auch für die Besucher, steht schon jetzt fest, dass sie wieder dabei sein werden, wenn in Karby das nächste Mal Platt geschnackt wird. 



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