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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 15:29 Uhr

Plattdeutsch hat eine stabile Basis

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Prof. Dr. Michael Elmentaler, Gewinner des Norddeutschen Wissenschaftspreises, über die Bedeutung des Plattdeutschen

von
erstellt am 06.Dez.2016 | 06:38 Uhr

Prof. Dr. Michael Elmentaler ist in Rostock für sein Forschungsprojekt „Sprachvariation in Norddeutschland“ (SiN) mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis ausgezeichnet worden (siehe auch Seite „Region Kiel“). Der Preis ist mit 100  000 Euro dotiert, die nun die Fortführung des Projekts ermöglichen. Der in Eckernförde lebende Sprachwissenschaftler des Germanistischen Seminars der Kieler Christian-Albrechts-Universität ist Professor für Deutsche Sprachwissenschaft, insbesondere niederdeutsche Sprache und Literatur. Die von ihm aufgeworfene Fragestellung lautete „Wie sprechen die Menschen in Norddeutschland?“. Die Eckernförder Zeitung unterhielt sich mit dem 51-jährigen Preisträger über den Stellenwert, den diese Ehrung für ihn und sein Forschungsprojekt-Team hat.

Herr Prof. Dr. Elmentaler, Sie haben in Nordrhein-Westfalen Germanistik, Philosophie und politische Wissenschaften studiert. Seit 2006 sind Sie Professor für Deutsche Sprachwissenschaften mit besonderen Schwerpunkten in der niederdeutschen Sprache und Literatur an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Sie leben mit Ihrer Familie in Eckernförde. Wie kommt ein Nordrhein-Westfale zum Plattdeutschen?
Prof. Dr. Michael Elmentaler: Plattdeutsch wurde bis ins 15. Jahrhundert im gesamten norddeutschen Raum, also bis hin zum Niederrhein gesprochen. Im Rahmen meines Germanistik-Studiums in Duisburg und anschließender Forschungstätigkeit habe ich mich mit der Geschichte der Sprache in dieser Region und dem Sprachwandel in Norddeutschland auseinandergesetzt.

Haben Sie das Plattdeutsche inzwischen so verinnerlicht, dass Sie auch zuhause mit Ihrer Familie Plattdeutsch sprechen?
Nein, das tue ich nicht. Ich bin nicht mit Plattdeutsch aufgewachsen, deshalb wäre es künstlich, es in der Familie zu verwenden. Aber ich spreche sicherlich ein norddeutsch (und ein bisschen niederrheinisch) gefärbtes Hochdeutsch.

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung und welche Auswirkungen hat dies auf Ihr Forschungsprojekt „Sprachvariation in Norddeutschland“ (SiN)?
Ich empfinde diese Auszeichnung als große Würdigung der Arbeit unseres Projektteams. Es ist schon erfreulich, dass die übergreifende Zusammenarbeit mit sechs Universitäten schon über zehn Jahre so reibungslos und erfolgreich funktioniert. Mit dem Preisgeld ist der Abschluss des Projekts, mit dem wir in etwa anderthalb Jahren rechnen, sichergestellt. Neben dem Druck der Bände mit den Projektergebnissen ist auch ein „sprechender“ Dialektatlas geplant. Dieser ermöglicht es dem Hörer, die regionalen sprachlichen Unterschiede selbst akustisch wahrzunehmen. Darauf freue ich mich besonders.

Ein kleiner Ausblick in die Zukunft. Viele Menschen sind der Meinung, dass die plattdeutsche Sprache vom Aussterben bedroht ist. Wie sehen Sie das?
Nach einer aktuellen Befragung des Instituts für niederdeutsche Sprache in Bremen ist die Zahl der Niederdeutschsprecher nicht weiter rückläufig. Schleswig-Holstein hat zudem eine Charta unterschrieben, nach der das Niederdeutsche zu fördern und zu erhalten ist. Umgesetzt wird das zum Beispiel dadurch, dass mittlerweile 29 Grundschulklassen im Schulfach Plattdeutsch unterrichtet werden.

Wie sehen Sie das Kulturgut Plattdeutsch auf Eckernförde bezogen?
Es gibt in Eckernförde viele Aktivitäten, um die plattdeutsche Sprache aufrecht zu erhalten. Die Plattdüütsch Gill zum Beispiel veranstaltet gerade zur Adventszeit seit Jahren gut besuchte Lesungen. Auch einzelne Plattverteller und Plattschriever aus Eckernförde und naher Umgebung wie Karl-Heinz Groth, Christel Fries oder Klaus-Dieter Tüxen - um nur einige zu nennen -, tragen maßgeblich zur Erhaltung der plattdeutschen Sprache in unserer Region bei. Auch „Plattdüütsch in de School“ oder „Schölers leest Platt“ sind gute Ansätze, die plattdeutsche Sprache auch in die Köpfe der Jüngsten zu bekommen.



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