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Plattdeutsche Kulturtage : Platt snacken in de School

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Heiko Gauert unterrichtete im Rahmen der Plattdeutschen Kulturtage an der Jungmannschule op Platt. 24 Schülern erklärte er die Geschichte der Sprache.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 05:48 Uhr

„Wer hat in der Familie mit Plattdeutsch zu tun?“, fragte Heiko Gauert (65), Vorsitzender der Plattdüütsch Gill Eckernför, gestern Vormittag die 24 Schüler einer achten Klasse der Jungmannschule. Zwölf Schüler meldeten sich. „Wer von denen ist jünger als 30 Jahre alt?“. Nur drei Finger blieben in der Höhe. „Ihr seht, der Anteil Plattsprechender wird immer geringer, je jünger die Leute sind“, schließt Gauert.

Um dem Aussterben der plattdeutschen Sprache entgegenzuwirken, besuchte Gauert daher die Jungmannschule und unterrichtete den gesamten Vormittag Schulklassen unter dem Motto „Anfangen mit Platt – nix eenfacher as dat“. Auf dem Unterrichtsplan stand neben der Geschichte der plattdeutschen Sprache auch eine kurze Leseübung. Nacheinander lasen die Schüler Sätze auf Plattdeutsch vor und merkten: Plattdeutsch zu verstehen – das geht, aber Plattdeutsch zu lesen, ist gar nicht so leicht.

Zustande kam der Besuch Gauerts auf Wunsch der Schule. „Ein plattdeutsches Angebot für Grundschulen gibt es schon länger. Warum also nicht auch für die höheren Jahrgänge Plattdeutsch anbieten?“, stellt Gauert die Frage in den Raum. Der 65-Jährige war auf Anhieb angetan von der Idee und betrachtet den Besuch als sinnvolle Ergänzung zu den diesjährigen Plattdeutschen Kulturtagen.

„Dass die Schule einen kompletten Stundenplan für den gesamten Vormittag auf die Beine gestellt hat, beeindruckt mich“, sagt Gauert. Christian Meyer, eigentlich Mathe- und Physiklehrer, organisierte den plattdeutschen Vormittag für die Schüler. Er selbst ist mit der Sprache aufgewachsen und zuständig für den plattdeutschen Lesewettbewerb an der Jungmannschule. „Viele Lehrer haben das Angebot angenommen“, sagt Meyer. Die Nachfrage war sogar so groß, dass Gauert nächste Woche an die Schule zurückkehren wird und Fünftklässlern wat op Platt vertellt.

Gauert ist froh darüber, dass das Interesse seitens der Schule so groß ist. Sein Ziel als neuer Vorsitzender der Plattdüütsch Gill ist es, ein größeres Angebot für junge Leute zu schaffen. „Sonst stirbt die Sprache aus“, fürchtet Gauert. Auf Leseabenden oder im Rahmen der Plattdeutschen Kulturtage seien vorrangig ältere Leute zu sehen. Um die Sprache zu erhalten, sei es daher um so wichtiger, auch in die Schulen zu gehen.

Bereits während seiner Tätigkeit als Schulleiter in Hohenlockstedt gab Gauert regelmäßig Plattdeutsch-Unterricht. Sein Besuch an der Jungmannschule war für ihn daher ein Ausflug in bekanntes Terrain. Vor allem die Geschichte der Sprache zu vermitteln, ist Gauert ein Anliegen. „Sie ist den Wenigsten bekannt“.

Die Schüler dankten es ihm und beteiligten sich mit schnellen Antworten und vielen Fragen am Unterricht. „Ihr habt gut mitgemacht“, freut sich Gauert nach der Stunde. Das sei nicht unbedingt zu erwarten gewesen. „Für viele Schüler ist Plattdeutsch eine Fremdsprache, und sie trauen sich nicht, die fremden Wörter auszusprechen“, so Gauert.

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