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Wohnraum statt Gastronomie : Pläne für eine neue Villa Hoheneck

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Traditionsrestaurant soll abgerissen werden / Bauausschuss vertagt Entscheidung, ob Planung weiter verfolgt werden soll / Kritik von Projektentwickler

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2014 | 06:08 Uhr

Kiel | Sie war viele Jahre neben der Forstbaumschule die Adresse für Ausflüge – die Villa Hoheneck in Altenholz. Sie bestach durch ihre Lage hoch am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals mit malerischem Biergarten. Das letzte Bier ist allerdings vor vielen Wochen über den Tresen gegangen: Mit horrenden Betriebskosten kamen die Gastronomen in dem 111 Jahre alten Gebäude auf keinen grünen Zweig. Die dringend erforderliche Sanierung ist für Eigentümerin Eldrid Wollenhaupt unwirtschaftlich – schweren Herzens hat sie die Abrissgenehmigung beim Kreis beantragt und mit Sven Olsen einen Projektentwickler gefunden, der dort Wohnbebauung realisieren möchte. Mit zwei Doppelhäusern und zwei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 15 Wohneinheiten bleibt die Planung weit unter dem, was möglich wäre – dennoch hat der Bauausschuss kein Signal gegeben, dass das Projekt weiter verfolgt werden kann.

Die Stimmung im Ratssaal war aufgeladen – die Zuschauerplätze waren dicht gefüllt mit Bürgern, die wegen des Bauvorhabens an der Langkoppel oder wegen der Villa Hoheneck gekommen waren. Dazu noch die Eingangsbemerkung des Ausschussvorsitzenden Gerhard Hirschfeld (AWG), er warne vor zu masiver Bebauung – für die Kapitänsvillen habe er viel Häme bekommen, machten es Architekt Jens Lassen aus Eckernförde nicht gerade leicht, seine Idee für die Nachnutzung der Villa Hoheneck zu präsentieren. Die geplanten Neubauten würden niedriger als der vorhandene Altbau und seien an der Bebauung der Umgebung orientiert. Autos sollen in einer Tiefgarage Platz finden – zwischen 31 und 40 Stellplätze sind für die 15 Wohneinheiten vorgesehen. Mit dem „optimalen Kompromiss zwischen Ästhetik und wirtschaftlicher Notwendigkeit“ sollen insbesondere junge Familien und Menschen, die der Seefahrt verbunden sind, angesprochen werden, so der Architekt.

„Das sind zwei Kapitänsvillen in einem“, befand Klaus Reese (CDU). „So ein exponierter Punkt sollte für Gastronomie genutzt werden“, sagte Silke Worth-Görtz (Bündnis 90/Die Grünen), die Zweifel an der schlechten Substanz des Gebäudes anmeldete. „Das ist ein sensibles Gebiet, viele Verbinden Emotionen damit. Ich plädiere dafür, heute keinen Aufstellungsbeschluss zu fassen“, erklärte Andreas Piltz (CDU) und regte an, zur nächsten Sitzung ein Modell vom Neubau anzufertigen, damit sich die Ausschussmitglieder die Dimensionen genauer vorstellen könen. „Man kann von keinem Planer verlangen, hohe Kosten für ein Modell aufzuwenden, ohne ihm das Signal zu geben, dass wir bereit sind zu verhandeln“, hielt Ingo Baasch (SPD) dagegen und sprach sich für den Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplans aus. Die Planung sei schon sehr reduziert, sagte Baasch weiter und fand deutliche Worte: „Wir müsen uns von der romantischen Vorstellung verabschieden, dass das Restaurant zu halten ist. Es ist wirtschaftlich nicht zu betreiben, eine Alternative muss her.“

Dem Antrag von Claudia Ulrich (Bündnis 90/Die Grünen) auf Vertagung in den nächsten Bauausschuss Anfang 2015 wurde mit fünf Ja- und vier Gegenstimmen gefolgt, was Projektentwickler Sven Olsen nicht nachvollziehen kann. Seit Monaten seien er und die Eigentümerin der Villa Hoheneck von der Verwaltung bestärkt worden, die Pläne voranzubringen. Auch ein Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden habe es im Vorwege der Bauausschusssitzung gegeben, in der man nicht um die Genehmigung gebeten habe, sondern um einen Grundsatzbeschluss, ob man sich das Projekt vorstellen kann oder nicht. Entsprechend „unerwartet und überraschend“ ist die Vertagung für Olsen. Besonders die Moderation durch den Vorsitzenden, der sofort und einleitend gegen das Projekt gewettert und seine Angst, hervorgerufen durch sein Planungsversagen mit den Kapitänsvillen, allem vorangestellt habe, empfand er als provinziell, teilte Olsen gestern im Gespräch mit unserer Zeitung mit. Ein Modell zu fordern, ohne irgendeine Grundsatzplanung, ist für ihn so, als würde man im Rohbau das Wasser laufen lassen, um danach loszufahren, um die Badewanne zu kaufen. Das amtliche Vermessungsergebnis und die festgestellte Höhe habe der Ausschussvorsitzende nach eigenem Bekunden nicht verstehen können, ein Skandal, sagte Olsen weiter und bedauerte, dass abgestimmt wurde, ohne dass es eine inhaltliche Diskussion gab. „Wem ist denn jetzt damit geholfen, dass die Villa Hoheneck weiter leer und verlassen einfach dasteht und verfällt?“

Eldrid Wollenhaupt fiel es schwer, nach der Sitzung Worte zu finden. „Ich bin enttäuscht und erschüttert, dass in Zweifel gestellt wird, wie marode die Bausubstanz ist“, sagte die Eigentümerin. Zehn Jahre habe sie um das Haus gekämpft, es nicht halten zu können, breche ihr das Herz. „Es kann keiner erwirtschaften, was die Villa an Unterhalt verschlingt.“ Ihre ganze Energie habe sie in den vergangenen Wochen mit Olsen in das Projekt gesteckt, das einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Grundstück zum Ziel habe. Alles werde von dem überlagert, was bei den Kapitänsvillen schief gegangen sei, stellt Wollenhaupt fassungslos fest. Sie hofft jedoch auf die Chance, dass die Planung vernünftig begutachtet wird und die Politik erkennt, „da kommt etwas schönes Neues hin“.

Animation zur Villa Hoheneck vorher - nachher:
 

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