Plädoyer gegen Naturzerstörung

Einer der uralten Baumriesen, die Heinz Teufel in seiner „Märchenwald“-Ausstellung in Eckernförde zeigt.
Einer der uralten Baumriesen, die Heinz Teufel in seiner „Märchenwald“-Ausstellung in Eckernförde zeigt.

Fotograf Heinz Teufel zeigt ab Sonntag im Museum Eckernförde „Märchenwald“-Fotos

von
29. Januar 2015, 09:56 Uhr

Nach der vielgelobten und erfolgreichen Ausstellung über die Kieler Straße mit überfüllten Führungen durch Stadtführerin Ilse Rathjen-Couscherung hat das Museum zu Beginn des neuen Jahres eine ganz andere, aber ebenso vielversprechende Foto-Ausstellung an den Rathausmarkt geholt. Unter dem Titel „Märchenwald – das Leben braucht den Tod“ zeigt der international gefragte Eckernförder Fotograf Heinz Teufel großartige Fotografien von uralten Bäumen. Die Ausstellung wird am Sonntag, 1. Februar, um 11.30 Uhr eröffnet. Die Fotografien entstanden unter Verwendung eines speziellen Filters, die Daten wurden am Computer zu Bildern entwickelt.

Gemacht hat Teufel die Fotos im Reinhardswald bei Kassel – einem ehemaligen „Hutewald“ (altdeutsch, auch Hütewald), in dem Eichen und Buchen seit gut 1000 Jahren uralt werden können. Über diesen langen Zeitraum nutzten Bauern diesen Wald, er ernährte ihr Vieh. 1907 wurde dieser Wald unter Naturschutz gestellt. „Wälder boten Schutz, Nahrung, Rohstoffe und verängstigten die Menschen. Die Wälder lösten in den Menschen Furcht und Fantasien aus, Geschichten, Sagen und Märchen entstanden“, sagt Heinz Teufel. „Ich erzähle mit diesen Bildern die Geschichte von Werden und Vergehen und deute Leben und Sterben als Einheit. Verändern wir unseren Blick, dann sehen wir mittels Fantasie einen Märchenwald.“ Der Fotograf erinnert an Überlieferungen, dass „bei uns ein Eichhörnchen in damaligen Zeiten von der Nordsee zur Ostsee gelangen konnte, ohne den Boden zu berühren“ und schlägt so den Bogen nach Eckernförde und in die Region.

Jede Kultur, so Teufel, jede Zivilisation habe Wälder vernichtet. Häuser und Schiffe wurden aus Holz gebaut. Ganze Städte seien auf Holz errichtet. Das Gebiet der Lüneburger Heide sei bewaldet gewesen, bevor es für die Salzgewinnung abgeholzt wurde. „Heute werden die letzten Urwälder ausgebeutet, damit wir billig Gartenmöbel kaufen können.“ Das vermeintliche Wort Gottes „Macht Euch die Erde untertan, seid fruchtbar und mehret euch, habt keine anderen Götter neben mir“ wirke bis heute wie ein Fluch, „denn das Bibelwort führt seither die Menschheit und die Erde in den Untergang.“ Im Namen Gottes seien andere Kulturen, Natur und deren Wälder und Landschaften überall auf der Welt vernichtet worden. „Niemand, nicht die Kirche, kein Staat kein Mensch hat sich jemals dafür entschuldigt“, kritisiert Teufel. Die Unterwerfung der Natur und Kulturvölker durch Eroberer und Eindringlinge geschehe „im Selbstverständnis absoluter Freiheit, sein Glück zu machen und sich zu verwirklichen. Begreifen wir, dass das Leben als ganzheitliche Form des Existierenden, den Tod des Individuums braucht. Wenn Bäume sterben, ernähren sie den Wald und all seine Bewohner“, so Teufel. Und weiter: „Uns hilft kein Gott. Wir verkennen, dass wir selbstverantwortlich handeln müssen. Relativieren wir unsere grenzenlose Freiheit, halten wir ein, auszubeuten und zu zerstören, ziehen wir uns zurück aus Landschaften, beschränken wir uns auf eigene Reviere, auf Städte und Dörfer. Bescheiden wir uns, lernen wir zu verzichten, denn wenig ist in diesem Sinne mehr.“





zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen