Pistolenfund statt Fossilien

Nur wenige Zentimeter unter der Grasnarbe entdeckten Alexander Ladwig und sein Vater die Kiste im Abhang der Steilküste bei Hökholz.
Nur wenige Zentimeter unter der Grasnarbe entdeckten Alexander Ladwig und sein Vater die Kiste im Abhang der Steilküste bei Hökholz.

Spaziergänger entdecken Holzkiste mit 30 Pistolen und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg an der Waabser Steilküste bei Hökholz

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07. Januar 2019, 17:04 Uhr

Sie suchten Fossilien und fanden eine Kiste mit alten Handfeuerwaffen und Munition, vermutlich aus dem Zweiten Weltkrieg. Vater und Sohn Joachim (56) und Alexander (23) Ladwig hatten am Sonntag beim Spaziergang am Waabser Strand bei Hökholz die Kiste im Abhang der Küste entdeckt und die Polizei informiert. Diese hatte den Kampfmittelräumdienst in Gang gesetzt, der das Material sicherstellte.

Nach einer ersten Auswertung des Kampfmittelräumdienstes soll es sich um 30 Pistolen unterschiedlicher Art, überwiegend deutsche Fabrikate wie beispielsweise die P 08 und die P 38, die gängige Wehrmachtsoffizierswaffen waren, handeln. Dies teilt Uwe Keller, Pressesprecher des Landeskriminalamtes, zu dem der Kampfmittelräumdienst gehört, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Keller: „Die Waffen sind im jetzigen Zustand nicht mehr funktionsfähig, weil stark korrodiert. Sie stammen aus Wehrmachtsbeständen.“ Über eine Fremdfirma werden die Waffen der Vernichtung zugeführt, in der Regel werden sie eingeschmolzen, erklärt Keller.

Alexander Ladwig (23) beschäftigt sich hobbymäßig mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Er kenne sich daher etwas mit Waffen und Munition aus. Seiner Ansicht nach handele es sich neben den Pistolen des Typs P38 auch um ein Exemplar der russischen Tokarew TT-33 sowie ein belgisches FN-Browning-Modell 1910 und eine Ortgies-Pistole.

Vater und Sohn liefen unterhalb der Steilküste in Richtung Damp und suchten nach Fossilien in dem Material der frisch abgebrochenen Steilküste. Dabei entdeckten sie in etwa 140 Zentimeter Höhe über dem Strand eine Holzkiste mit roter Verschalung, die nur kurz unter der Grasnarbe lag. Sie klopften dagegen und sie hörte sich hohl an. Mit ihrem Fossilienhammer öffneten sie die Kiste dann. In der befand sich eine Metallkiste mit den Waffen. „Sobald wir sahen, was in der Kiste war, haben wir den Hammer beiseite gelegt“, berichtet Alexander Ladwig.

Zur Herkunft der Waffen kann der Marinehistoriker Dr. Jann Markus Witt vom Marinebund Schleswig-Holstein aufgrund der sehr eingeschränkten Faktenlage nach über 70 Jahren nur Vermutungen anstellen. Es habe in Bookniseck und in Hemmelmark Flakeinheiten gegeben, die auch teilweise mit Hitlerjungen besetzt waren. Sie könnten mit Beutewaffen ausgerüstet worden sein, was die unterschiedliche Herkunft der Pistolen erklären würde. „Vielleicht haben sie die Waffen zum Kriegsende vergraben – unter der Annahme, sie später eventuell noch einmal zu benötigen.“ Vielleicht seien es aber auch einfache Wehrmachtsangehörige gewesen, die die Pistolen kurz vor oder nach der Einnahme Eckernfördes durch die Briten vergraben haben, um später gegebenenfalls wieder darauf zurückgreifen zu können, ansonsten hätten sie sie auch einfach in die Ostsee werfen können.

Klarheit könne man nur schaffen, wenn man die Seriennummern der Waffen mit den Listen im Freiburger Militärarchiv vergleichen würde, wie neben Jann Markus Witt auch Uwe Wichert aus Damp feststellt. Er ist Koordinator und Berater für militärhistorische Recherche in der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Nordsee Ostsee, Expertenkreis Munition im Meer und für das MELUND Schleswig Holstein. Eine Zuordnung zu Einheiten sei aber nur möglich, wenn die Waffen dort registriert seien. Dann wüsste man zumindest, an wen die Waffen ausgegeben wurden.

Uwe Wichert berichtet, dass im Bereich Waabs schon öfter Munitionsteile gefunden wurden und verweist auf die militärischen Anlagen bei Bookniseck. Zudem seien im Bereich Booknis auch mehrere Scheinwerferstellungen gewesen, die vermutlich nicht weit von Hökholz entfernt waren. Die Stellungen lagen von der schießenden Batterie etwas abgesetzt. Wie die Waffen in das Versteck kamen, darüber könne nur spekuliert werden. So könnten sie durch die Marinesoldaten der Stellungen oder durch unbekannte Truppenteile auf dem Durchzug in diesem Gebiet vergraben worden sein.

Erleichtert ist der Waabser Bürgermeister Udo Steinacker. Er ist froh, dass niemand zu Schaden kam und die Waffen und Munition nun in Sicherheit sind. Grundsätzlich rät er dazu, „die Finger von alten Waffen und Munition zu lassen und die Polizei zu informieren“. Immer wieder gab es Funde in der Gemeinde, so einen großen aber nicht.

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