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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 05:08 Uhr

Pistole am Kopf: Szenario mit Folgen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Freispruch für Soldaten der Marineschutzkräfte

von
erstellt am 17.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Disziplin ist eine zentrale Tugend in der Bundeswehr. Als der Angeklagte aber über dienstliche und persönliche Konsequenzen des Verfahrens sprach, verlor er kurzzeitig seine Selbstdisziplin. Er brach in Tränen aus. Der 27-jähriger Soldat musste sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: Beim Einsatz der in Eckernförde stationierten Marineschutzkräfte im Frühjahr 2011 auf Zypern habe der damalige Gruppenführer eine geladene, entsicherte Waffe an den Kopf einer seiner Soldaten gehalten. Danach soll er die Pistole wieder gesichert und gesenkt haben. Die Tat soll sich nach der Waffenprüfung im Wachbereich abgespielt haben. Ein Vorwurf, der nicht bestätigt werden konnte. Und so stand am Ende ein Freispruch – vor allem, weil die Aussagen der Zeugen zu dünn waren, und es Zweifel an den Motiven des Klägers gab – einem Soldaten, der den Vorfall nur beobachtet hat.

Ja, die Pistole ging in Richtung des Kopfes – das ist der einzige Umstand, an den sich alle Zeugen erinnerten. Ob die Waffe aber geladen oder entsichert war, dazu konnte keiner verlässliche Angaben machen. Der Angeklagte bestritt nicht, die Waffe angehoben zu haben. Es sei aber eine Ausbildungssituation gewesen. „Der Soldat fragte, wie man sich verhält, wenn jemand einem die Waffe an den Kopf hält. Er willigte ein, dass wir das Szenario kurz mit seiner Waffe durchspielen“, sagte er. Die Pistole sei jedoch entladen gewesen. Die Mündung habe zudem in Richtung Essenscontainer gezeigt, wo sich niemand aufgehalten habe. Der Soldat selbst, der die Pistole am Kopf hatte, hatte damit, wie er sagte , keine Probleme. „Ich verstehe nicht, warum jetzt jemand meine Zukunft kaputtmachen will“, betonte der Angeklagte, der wegen des Verfahrens nach Kiel abkommandiert wurde. „Ich habe Ziele, will in die Eliteeinheit. Das alles macht mich total fertig“, klagte der junge Vater unter Tränen. Er wies zudem auf sein schlechtes Verhältnis zum Kläger hin. „Wir hatten oft Streit wegen dessen Disziplinlosigkeit.“

Erst Monate nach Ende des Einsatzes hatte der 24-jährige Zeitsoldat aus Brandenburgden Vorfall zur Anklage gebracht. Vor Gericht erklärte er nun, die Szene vom Essenscontainer aus beobachtet zu haben. In welchem Zusammenhang dies geschah und in welchem Zustand die Waffe war, könne er nicht sagen. Nach dem Vorfall habe er mit dem Betroffenen gesprochen.

Auch andere Zeugen, darunter der 22-jährige Betroffene selbst, konnten kaum Aufschluss über die Tatumstände geben. Zwei Soldaten stützten zudem die Behauptung des Angeklagten, es habe sich um eine Ausbildungssituation gehandelt. Auch wenn deren Aussagen nach dem Dafürhalten des Richters verdächtig deckungsgleich waren, blieb der Mangel an Beweisen für ein Fehlverhalten des 27-Jährigen Kielers bestehen. Entscheidend für den Freispruch war auch, dass keiner der Zeugen die Anwesenheit des Klägers am Tatort bestätigen konnte. „Zu dünn, zu viele Erinnerungslücken – auf diesen Zeugenaussagen lässt sich keine Verurteilung stützen“, waren sich Richter und Staatsanwaltschaft einig.

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