Drei Neue im Eckernförder Künstlerhaus : Pipeline, Sonnen-Oper und Romane

Haben sich für ihre Eckernförder Stipendienzeit viel vorgenommen: Katharina Bendixen, Anna Romanenko und Kristine Bilkau.
Haben sich für ihre Eckernförder Stipendienzeit viel vorgenommen: Katharina Bendixen, Anna Romanenko und Kristine Bilkau.

Die drei Stipendiatinnen des Schleswig-Holsteinischen Künstlerhauses arbeiten an ihren aktuellen Projekten.

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20. August 2019, 12:57 Uhr

Eckernförde | So ganz neu sind die drei Stipendiatinnen des Schleswig-Holsteinischen Künstlerhauses in der Ottestraße 1 zwar nicht mehr, dafür konnten sie bei ihrer offiziellen Vorstellung durch die Fördervereinsvorsitzende Jutta Johannsen aber auch schon mit Erfahrungen und konkreten Arbeitsergebnissen punkten: die Bildende Künstlerin Anna Romanenko aus Stuttgart und die beiden Schriftstellerinnen Katharina Bendixen aus Leipzig und Kristine Bilkau aus Hamburg. Alle arbeiten in Eckernförde an aktuellen Projekten.

Für die Bildhauerin und Objektkünstlerin Anna Romanenko ist Eckernförde die erste „Residenz“ in Deutschland überhaupt. Die 36-jährige wurde in Moskau geboren und hat später als Künstlerin mehrere internationale Stationen durchlaufen. Derzeit lebt sie in Stuttgart und verbringt jetzt als Stipendiatin drei Monate bis Ende September in Eckernförde. Einem Ort, der ihr so gut gefällt, dass sie am liebsten bleiben würde, wie sie gestern sagte. In der Abgeschiedenheit Eckernfördes wird sie gleich an drei Projekten arbeiten. Zum einen an einem Videoprojekt zur russischen Nordstream-Pipeline nach Deutschland, die sie im Stile einer Schlangenbeschwörerin aus dem Meer emporsteigen lassen möchte. Diese Arbeit hat sie in Nida, Litauen, begonnen. Spannend wird auch ihre gestalterische Darstellung zweier Sonnen-Opern anhand künstlerischer Requisiten wie beispielsweise einer auf einer Bahre liegenden Sonnenscheibe. Kompositionen werden von ihr vergegenständlicht, „ich übersetze Musik in Objekte“, sagt Romanenko. Schließlich arbeitet die als Jugendliche nach Deutschland übergesiedelte Bildhauerin an der dritten Edition eines mit zwei Kollegen gegründeten Kunstbuch-Verlages zu den Themen Zaubern, Verschwinden und Erstaunen. Eine Ausstellung ihrer Eckernförder Arbeiten ist geplant.

Noch bis Ende August dauert der zweimonatige Aufenthalt von Katharina Bendixen, die während ihres Stipendiums nach vier Romanen und drei Kinderbüchern an ihrem ersten Jugendroman weiterarbeiten wird. Thema: Erste Liebe zweier Jugendlicher unter dem Einfluss eines großen Unglücks in einer Chemiefabrik. Hintergrund ist die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima, in deren Folge ärmere Familien trotz gefährlicher Strahlung wieder in die Gefahrenzone geschickt wurden, wohlhabenden Familien sei das erspart geblieben, so Bendixen. Auch die Jugendlichen im Roman, der an einem fiktiven Ort in der Zukunft spielt, werden aufgrund von Standesunterschieden getrennt, erzählt die 38-jährige Autorin, die mit ihrer jungen Familie nach Eckernförde gekommen ist.

Dritte im Bunde ist Kristine Bilkau aus Hamburg, die bereits im Mai für einen Monat im Künstlerhaus gelebt hat und nun ihren zweiten Monat dranhängt. Auch das ist möglich, wenn die Umstände es erfordern. Die 45-jährige Journalistin (unter anderem Financial Times Deutschland) und für den Luchterhand Verlag tätige Schriftstellerin arbeitet in Eckernförde an ihrem dritten Roman, der noch keinen Titel hat und frühestens 2021 erscheinen wird. Darin thematisiert die Norddeutsche die Verödung nicht namentlich genannter Klein- und Mittelstädte auch in Schleswig-Holstein – „Eckernförde sieht blühend aus und ist nicht gemeint“ – und widmet sich dem Widerspruch des privaten Rückzugs vieler Menschen einerseits und dem gleichzeitigen Beklagen fehlender örtlicher Verbundenheit, das Ganze basierend auf „präzisen Beobachtungen“. Eventuell liest Kristine Bilkau bei der Lesung am Freitag um 19.30 Uhr im Künstlerhaus (siehe Meldung unten) aus ihrem neuen Roman. Als „backup“ hat sie aber auch ihre ersten beiden Romane „Die Glücklichen“ (2015) und „Eine Liebe, in Gedanken“ (2018) dabei.

Interessant, wie die drei Frauen ihre Umgebung wahrnehmen und erkunden. Alle drei schätzen Eckernförde sehr und die Nähe von Altstadt, Strand und Hafen. Während Kristine Bilkau sich im Immobilienteil der Zeitung über Lagen und Preise informiert, um ein Gefühl für den Ort („Wie wäre es, hier zu wohnen?“) zu entwickeln, hat Anna Romanenko die Umgebung erkundet. Der Schleswiger Wikingerturm hat ihr imponiert, sie hat Gefallen am Feierabendsegeln in Schleswig gefunden und ist im Zuge ihrer Recherchen in Scheggerott in Angeln auf einen der äußerst seltenen Magnetografen gestoßen, mit dem Amateurfunker Schwankungen des Erdmagnetfeldes messen. „Das war besonders toll“.

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