zur Navigation springen

10 Jahre Bürgersolaranlage : Pioniere mit viel Sonne im Herzen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit einer guten Öko-Bilanz kann die Bürgersolaranlage „BS ECK GbR“ aufwarten: In zehn Jahren hat sie 1450 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Eckernförde | Die Investition in die Sonnenenergie hat sich für die 50 Anleger der BS ECK GbR (Bürgersolaranlage) auf dem Dach der Grund- und Gemeinschaftsschule am Pferdemarkt (früher Gudewerdtschule) gelohnt. Sie haben durch ihr Investment zur Verbesserung des Klimas beigetragen, ein Signal für die Nutzung regenerativer Energien gesetzt und verdienen damit in drei bis vier Jahren auch ein wenig Geld. Gestern Nachmittag feierten die Anteilseigner und Initiatoren des Bürgerprojekts das zehnjährige Bestehen einer der größten Bürgersolaranlagen des Landes in der Cafeteria der Schule.

Der Projektentwickler von einst und heutige geschäftsführende Gesellschafter, Dr. Olav Vollstedt aus Altenholz, war 2007 gemeinsam mit den beiden Initiatoren der IG Solarenergie Eckernförde, Edgar Meyn und Bernd Ernstmeyer, und dem damaligen Energieberater der Stadtwerke Eckernförde, Günther Siegmon, die treibende Kraft. Die ökologisch aufgeklärte Stadt mit dem frisch gewählten Bürgermeister Jörg Sibbel unterstützte das Vorhaben, und auch die Schule spielte mit. Eine Gemengelage, die „denkbar günstig“ für die Realisierung war, sagte Vollstedt. Die Gesellschaftsanteile, die auf der Energiemesse in der Stadthalle angeboten wurden, „waren ruckzuck vergeben, die Nachfrage überwältigend“. Auch in Strande regte sich großes Interesse, so dass der Bürgersolarpark Eckernförde auch dort auf den Dächern der Sporthalle und der Kita Anlagen baute. Als drittes Standbein kam wenig später das Dach der Kreisberufschule in der Eckernförder Fischerkoppel dazu. Diese drei Anlagen mit einer Ausgangsleistung von insgesamt 178 Kilowatt-Peak (kWpeak) – allein die Anlage Pferdemarkt kommt auf 97 kWpeak – erzeugten in zehn Jahren rund 1,64 Millionen Kilowattstunden (kWh) umweltfreundlichen Strom. Dadurch wurden, so Vollstedt, 1450 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen eingespart. Auch wirtschaftlich entpuppten sich die Anlagen als Erfolg: Bis 2016 wurden 156  000 kWh mehr Strom erzeugt als prognostiziert – ein Mehrertrag von 11,20 Prozent. Photovoltaik, so Vollstedt, habe sich in den zehn Jahren als „zuverlässig, also robust und unkompliziert erwiesen“. Die Anlage am Pferdemarkt erzeuge jährlich zwischen 86  000 bis 97  000 Kilowattstunden Strom, die Einnahmen aus dem Stromverkauf beliefen sich auf 40  000 bis 45  000 Euro. Inzwischen seien die Preise für Photovoltaikanlagen durch die größeren Produktion stark gefallen. Auf der anderen Seite sei die EEG-Umlage seit 2007 von 1,02 auf aktuell 6,88 Cent je verbrauchter Kilowattstunde Strom gestiegen – „das schmerzt natürlich“ und sei auch ungerecht. Die rund 50 Bürger und Anteilseigner aus Eckernförde, Strande und Altenholz „haben für den Klimaschutz und die Energiewende rund netto 775  000 Euro investiert“, sagte Olav Vollstedt. In drei bis vier Jahren würden sie dann auch das Eigenkapital per jährlicher Ausschüttung zurückerhalten. Vollstedt, der landesweit 20 Bürgersolaranlagen projektiert hat, würde heute keine mehr bauen. Das EEG sei ein „komplizierter Paragraphendschungel voller juristischer Fallstricke“ geworden und das an sich begrüßenswerte Kapitalanlagegesetzbuch zum Schutz der Verbraucher vor dem Grauen Kapitalmarkt baue für BSA-Projekte nahezu unüberwindliche, formelle Hürden auf.

Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel rühmte den Idealismus und die Durchsetzungskraft der Initiatoren und beteiligten Bürger. Die Stadt habe als frühere Bundesumwelthauptstadt eh eine hohe Affinität zu ökologischen Projekten und habe das Vorhaben mit Überzeugung unterstützt. Die Bürgersolaranlage habe „ein Signal gesetzt“ und für einen Nachahmungseffekt bei vielen anderen Bürgern gesorgt. Ökologie und Ökonomie ergänzten sich hierbei vorbildlich.

Als „Sonnenfänger und Energielieferanten“ begrüßte Strandes Bürgermeister Dr. Holger Klink die anwesenden Anteilseigner. Der bürgerliche Zusammenschluss sei vorbildlich, aus Brachflächen auf den Dächern seien Wirtschaftsflächen geworden. Klink erinnerte an die skeptischen Anfänge in Strande („Jetzt spinnen die alle!“), die erfolgreiche Überzeugungsarbeit und die entstandene Begeisterung für das Projekt. „Wenn alle wollen, lassen sich auch Lösungen finden.“ Es sei beglückend zu sehen, wie aus einem Bürgersolarprojekt „plötzlich auch eine Thematik für Kinder wird“, die täglich an den rot blinkenden Anzeigetafeln vorbeigingen. „Aus einem Investment wird ein pädagogisches Thema – das ist was Tolles“, so der Strander Bürgermeister.

„Die Menschen möchten kostenlos etwas aus der Natur ernten“, begründete der frühere Energieberater der Stadtwerke, Günther Siegmon, die große Resonanz beim Bürgersolarprojekt. Die Stadtwerke hätten dem Rechnung getragen und entsprechende Angebote gemacht: Solarforum, Solartage, Wärmeschutztage, Energietage und -messen, die nun von Sören Vollert (KAplus) fortgeführt würden. Siegmon dankte all jenen, allen voran Edgar Meyn und Bernd Ernstmeyer, die durch ihren Einsatz die Stadtwerke einst vor einem Teilverkauf (49,9 Prozent) bewahrt hätten. Siegmon warb für die Einführung eines „lastvariablen Stromtarifs“. Das sei „eine sehr einfache Geschichte“: Ist viel Strom da, wird er günstig angeboten.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 08.Jul.2017 | 06:06 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen