Hospizverein Gettorf : Pioniere der Hospizarbeit im Wohld

Mit einem Gruß aus der Natur gedachten die Mitglieder des Hospizvereins der Menschen, die sie im vergangenen Jahr begleiten durfen.
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Mit einem Gruß aus der Natur gedachten die Mitglieder des Hospizvereins der Menschen, die sie im vergangenen Jahr begleiten durfen.

Hospizverein blickt bei Jahresfeier auf bisher Erreichtes zurück / Politik zollt Respekt und Anerkennung für die Ehrenamtler

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20. Januar 2015, 06:59 Uhr

Gettorf | Mitreißende Klänge von Gitarre, Concertina und Akkordeon, dazu Geschichten auf Platt – wer Karl-Heinz Langer und Rainer Schwarz am Sonntag im KuBiZ zuhörte, konnte für einen Moment vergessen, dass er zu Gast beim Hospizverein Dänischer Wohld war. Doch die Vorsitzende Dr. Friederike Boissevain versicherte: „Das passt sehr gut zu unserer Arbeit. Da wird sehr viel gelacht.“ Und es passte zu der Einladung zu einer Jahresfeier, der 100 Gäste aus Politik und Gesellschaft gefolgt waren. Der Begriff war sorgsam gewählt, ebenso wie das Programm zur Ausgestaltung der Feier. Ließ alles zusammen das Wort Hospiz und was dahinter steht doch anders erleben, als es weithin geschieht.

Menschen begleiten – mit diesen zwei Worten bringt der Hospizverein auf den Punkt, was sein Anliegen ist. Wie vielfältig so eine Begleitung aussehen kann und wie wichtig sie für Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt ist, das machte die Vorsitzende deutlich. Mit der Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung beginne der Abschied für den Betroffenen und sein Umfeld. Und auch die Trauerarbeit nehme dort ihren Anfang, machte Boissevain deutlich. Doch viel zu sehr werde das ausgeblendet. „Die Wahrheit steht so groß im Raum. Man kann nichts falsch machen, wenn man es ausspricht. Das erleichtert den Umgang“, berichtete Boissevain. Die Hospizbegleiter könnten dabei ebenso helfen wie bei der Integration der Erkrankten in die Gesellschaft, indem sie ihnen Teilhabe am Geschehen ermöglichten. „Die Begleiter schenken viel Zeit, und wenn nicht mehr viel Zeit bleibt, sollte man sich Zeit nehmen“, machte Boissevain deutlich. Dass gelte auch für die Angehörigen. Wenn die Hospizbegleiter den Erkrankten vorlesen, ihnen zuhören, mit ihnen Skat spielen oder einfach nur gemeinsam schweigen, dann entlaste das die Familie. „Es sind nicht immer große Worte und Gesten, es sind sehr oft die kleinen Dinge“, so Boissevain weiter. Wie sie wünschen sich auch die mehr als 30 Begleiter, dass sich die Menschen im Dänischen Wohld noch mehr und noch früher an sie wenden, als es bisher geschieht.

Mit dem Bezug eigener Räume in der Kieler Chaussee 2, der Einrichtung eines Trauercafés, in dem Hinterbliebene Gehör finden, und der Kooperation mit Pflegeheimen in Gettorf, Osdorf und Altenholz hat der Verein neben der fortlaufenden Ausbildung weiterer Helfer im zurückliegenden Jahr viel erreicht. Daran soll 2015 angeknüpft werden. So wird die erstmals im November angebotene Trauerwanderung, an der 23 Personen teilnahmen, am Ostermontag eine Fortsetzung finden. „Die Natur ist der Tröster schlechthin“, weiß Boissevain. Für das Projekt „Sanfte Pfoten“ stehen 55 Hundehalter parat, die sich mit ihren Vierbeinern für den hospizlichen Besuchsdienst ausbilden lassen wollen, und auch in Sachen Vorsorgevollmachten lässt der Verein zwei Teammitglieder fortbilden, um den Menschen im Dänischen Wohld dazu kompetent zur Seite stehen zu können. Eine Unterstützung für Kinder lebensbedrohlich erkrankter Eltern läuft gerade an. „Alle Projekte sind spendenfinanziert“, betonte Boissevain und dankte den Förderern für deren Unterstützung. Den Hospizhelfern galt ihr Dank für „die anhaltende Bereitschaft, Menschen zu begleiten“, mit ihnen zu fühlen, mit ihnen auszuhalten. „Das ist es, was den Hospizverein trägt. Und ich bin zuversichtlich, dass wir unseren Pioniergeist und die freudige Verbundenheit im neuen Jahr aufrecht halten können“, sagte Boissevain.

Als wichtigen Baustein für die Region würdigte Kurt Arndt, Vorsteher des Amtes Dänischer Wohld, auch im Namen seines Kollegen vom Amt Dänischenhagen, Sönke Paulsen, den Hospizverein. Was seit seiner Gründung im November 2012 enstanden ist, verdiene höchsten Respekt und höchste Anerkennung. Die Ehrenamtler opferten ihre Freizeit für diese Arbeit, die mit Geld nicht aufzuwiegen sei. Mit Blick auf die veränderten Lebenseinstellungen und -formen in der Gesellschaft werde die Hospizarbeit noch an Bedeutung gewinnen, war Arndt überzeugt und sagte weiter Unterstützung von Seiten der Politik zu. „Wir sind gern weiter für sie da, wo sie uns brauchen.“

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