zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 06:52 Uhr

Exkursion : Pilzkunde im Hüttener Forst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bei einer Exkursion durch die Natur mit Fachfrau Vivien Bedregal lernten die Teilnehmer viel Vielfalt an Pilzen in den Hüttener Bergen kennen.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2013 | 06:37 Uhr

Der Höhepunkt der Pilzexkursion war der Leberreischling. Ein seltener Pilz, der alte, abgestorbene Eichenbäume braucht. „Ein Zeichen für einen alten, naturnahen Wald“, sagte Vivien Bedregal, Vorsitzende der Kieler Pilzfreunde. Sie leitete die Exkursion durch den Hüttener Forst mit Mitgliedern des Vereins zur Förderung des Umweltschutzes und Landschaftspflege im Raume des Naturparks Hüttener Berge (VFUL).

Der Leberreischling war nicht der einzige Pilz, den die Exkursionsteilnehmer im Hüttener Forst entdeckten: Herbstlorchel, Elfenbein-Schneckling, Bluthelmling – über 60 verschiedene Pilze haben sie im Wald gefunden. Das Feld der Pilzkunde ist groß: Es gibt Pilze an Bäumen auf Raupen und im Wasser. Es gebe für alles Spezialisten. So seien Pilze eines dezr wenigen Lebewesen, die in der Lage seien, Holz aufzuspalten: „Pilze sind kleine Recyclinganlagen: Sie zerschreddern es so klein, dass es von Käfern und anderen Lebewesen weiter zersetzt werden kann“, sagte die Expertin. „Es wird angenommen, dass 80 Prozent der Bäume Pilzpartner haben“. Der Baum gebe an den Pilz Stärke und der Pilz an den Baum Wasser und Nährstoffe ab.

„Es gibt über 5000 verschiedene Pilze in Schleswig-Holstein“, sagte Bedregal, die seit 15 Jahren Pilzsachverständige ist und mit fünf Jahren angefangen hat, Pilze zu sammeln. „20 sind so giftig, dass sie tödlich sind, 200 bis 300 kann man essen und 200 bis 300 verursachen Magen-Darm-Beschwerden.“ Jedoch dürfe man alle Pilze probieren, so lange man sie wieder ausspucke und nicht herunterschlucke. Roh dürfe man so gut wie keine Pilze essen: Sie enthalten Giftstoffe, die erst durchs Kochen zerstört werden. „Die einzigen Pilze in Schleswig-Holstein, die man ungekocht essen kann, sind der Wiesenchampignon und der Steinpilz. Und das hat einen Grund: Jeder Wildpilz nimmt Schadstoffe auf. 90 Prozent des Pilzorganismus’ bestehen aus Wasser, über das die Stoffe aufgenommen werden. In Maßen und nicht in Massen sollten auch Maronen gegessen werden: Sie gehören zu den Pilzsorten, die nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 noch stark mit Cäsium belastet sind. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie empfehle daher, maximal 250 Gramm Wildpilze in der Woche zu verzehren.

Vorsicht auch bei ganz kleinen Pilzen: Sie haben ihre Merkmale noch nicht ausgebildet und sind daher schwer zu bestimmen. In sehr alten Pilzen hat sich oft schon das Eiweiß zersetzt. Dadurch werden sie giftig. Außerdem sollten die alten Pilze als Sporenverteiler stehen bleiben. Die Expertin rät Menschen, die keine Erfahrung im Pilzesammeln haben, dringend davon ab, es auf eigene Faust zu versuchen. Zu groß sei die Gefahr, einen giftigen Pilz zu finden und zu essen. Finger weg auch von alten Pilzbestimmungsbüchern: Pilze, die heute als giftig bekannt sind, galten früher vielleicht als essbar – Langzeitfolgen waren noch nicht bekannt. „Es gibt überhaupt keine Faustregel, um giftige Pilze zu bestimmen“, betonte Bedregal.

„Die meisten Menschen wissen nicht, welche Vielfalt Pilze haben“, erklärte Hans Ulrich, Vorsitzender des VFUL, warum der Verein zur Pilzexkursion lud. Der Verein wolle nicht nur umweltschützend tätig sein, sondern auch in der Umweltpädagogik.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen