Philosophieren mit einer Möwe

Was ist Weisheit? Die Schüler machen sich Gedanken zu den Fragen von Kristina Calvert (l.) und Sabine Dittmer.  Foto: richter
Was ist Weisheit? Die Schüler machen sich Gedanken zu den Fragen von Kristina Calvert (l.) und Sabine Dittmer. Foto: richter

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15. Februar 2012, 03:59 Uhr

Louisenlund | Was hat eine Möwe mit Philosophie zu tun? Eine ganze Menge, wie sich gestern in der Musikhalle des Hofes Louisenlund zeigte.

Die promovierte Kinderphilosophin und Autorin Kristina Calvert und die Illustratorin Sabine Dittmer lasen aus ihrem Buch "Wolkenbilder und Möwendreck" den 24 Kindern der fünften und sechsten Klasse vor. Die Kurzgeschichten über eine Möwe boten den Ausgangspunkt für philosophische Fragen, über die die Schüler sich Gedanken machten und diskutierten.

Was denn Weisheit sei, wollte Calvert zuerst von den Schülern wissen. Jemand, der viel über das Leben weiß, der viel gereist ist und viel Lebenserfahrung hat, da waren sich alle einig. So jemand wie Professor Dumbledore.

Danach trat die Möwe auf. Hungrig beobachtete sie einen Fischer, der gerade seinen gefangenen Fisch präsentiert. Aber wer hat das Recht an dem Fisch? Der Fisch selbst, weil er als Lebewesen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben hat oder haben alle das selbe Recht, weil jeder der drei überleben möchte? Die Schüler diskutierten angeregt, brachten ihre Ideen ein und erzählten kleine Geschichten aus ihrem Leben.

In der nächsten Geschichte wünschte sich die Möwe, rot wie eine Tomate und gestreift wie ein Zebra zu sein. Tatsächlich, am nächsten Morgen, haben die Federn rote Streifen bekommen. Nun sammelten Calvert, Dittmer und die Schüler fleißig Tipps zum erfolgreichen Wünschen. Die Kinder steuerten viele Ideen bei: Man solle sich für seine Wünsche einsetzen und handeln, denn Wünsche benennen Ziele, die es zu verfolgen gelte. Außerdem müsse man geduldig sein und realistisch bleiben.

Calvert und Dittmer sind seit März in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Lesereise. "Wir gucken immer, was die Kinder zu den Themen denken und bauen darauf auf", berichtete Calvert. Von dem Philosophieren mit den Louisenlunder Kindern zeigte sie sich begeistert. "Es ist toll. Die Schüler gehen freundlich miteinander um, sie sind kontrovers und ihre Aussagen bauen aufeinander auf, so entstehen neue Ideen. Ihre Antworten sind gut begründet. Sie vernetzen ihre Ideen mit Dingen, die sie woanders gelernt haben und das ist es, was wir in der Bildung wollen."

Die beiden Autorinnen waren bereits vor zwei Jahren in Louisenlund zu Gast. Die didaktische Leiterin des Internats Petra Bahr sagte, dass Philosophie mehr in den Unterricht integriert werden solle. Es seien fächerübergreifende Projekte für die Gesellschaftswissenschaften geplant, bei denen Philosophie ein Schwerpunkt bilden solle. "Heute haben wir den Keim gesät, wir werden ihn weiter wachsen lassen."

Der Anfang dazu ist gemacht. Die Schüler bekamen neben unterschriebenen Postern und Glückssteinen auch weitere philosophische Fragen wie "Kann es für jedes Problem eine gerechte Lösung geben?" mit auf den Weg.

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