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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 08:43 Uhr

Phänomenale Klaviermusik

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die junge, preisgekrönte Pianistin Ragna Schirmer gastiert in der ausverkauften Stadthalle

von
erstellt am 07.Mär.2016 | 13:48 Uhr

Die Konzertreihe Eckernförde hat sehr viele positive Seiten. Eine davon ist ihr großer Abwechslungsreichtum: die Verantwortlichen bringen es immer wieder fertig, ganz unterschiedliche Klangkörper auf die Bühne zu stellen: mal ein großes Sinfonieorchester, dann ein kleiner Kammermusikkreis, anschließend kommt ein Streichquartett, beim nächsten Mal ein Bläser–Oktett oder ein Flöten-Duo – die Auswahl scheint unerschöpflich zu sein. Jetzt war eine Solistin eingeladen worden: die hervorragende Pianistin Ragna Schirmer gestaltete einen farbenreichen Klavierabend in der – wie immer – vollbesetzten Stadthalle.

Der Fazioli–Flügel ließ unter den gestaltenden Händen der großartigen Künstlerin die unterschiedlichsten Klänge vernehmen, denn sie hat einen enormen Reichtum an Anschlagsmöglichkeiten. Am Anfang stand die Barockzeit: von Johann Sebastian Bach (1685-1750) spielte sie mit hoher Fingerfertigkeit die Chromatische Fantasie mit Fuge. Geläufig, virtuos, sehr feinfühlig – man konnte nur stauen über diese Darbietung! Auch die Suite d-moll mit der Chaconne in G-Dur von Georg Friedrich Händel (1685-1759) wurde sehr sorgsam und überlegt dargestellt.

Die Künstlerin sprach auch einführende und erläuternde Texte zu den Werken, oft in humorvoller Form – sehr gekonnt, sehr locker. Joseph Haydn, so Ragna Schirmer, sei in seiner Bedeutung lange Zeit nicht erkannt worden. Ohne Haydn aber hätte Beethoven nicht die große Bedeutung erlangt. Von Haydn (1732-1809) hörte das aufmerksame Publikum die Variationen in f-moll. Zart und kräftig, in gewolltem Gegensatz, gestaltete Ragna Schirmer die Variationen: hervorragend musiziert, sehr einfühlsam und feinsinnig dargeboten.

Auch die Gegenwartsmusik kam an diesem Abend zu Gehör: John Paul Corigliano, Amerikaner mit italienischen Wurzeln, geboren 1938, ist ein bedeutender Komponist. Er schrieb in seinem lyrisch–expressiven Stil, meist in tonaler Form, Film- und Radiomusik, drei Sinfonien, Werke für Schlagzeug und vieles andere. Von ihm spielte die Piano-Virtuosin eine „Fantasie on an Ostinato“. Hier wurde das Motto des ganzen Abends „Über die Freiheit der Form“ besonders deutlich, wie die Künstlerin ausführte. Sie bot das Werk exakt dar, mit viel Pedalgebrauch, und ihre großartige Fingertechnik war stark gefordert.

Weil in diesem Werk Beethoven-Klänge vorkommen, setzte die Pianistin das Programm ohne Pause fort: Sonate c–moll op. 111 von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Es ist die letzte Sonate, die Beethoven sechs Jahre vor seinem Tode geschrieben hat, die letzte der 32 Klaviersonaten. Wieder zeigte sich die absolute Treffsicherheit der sympathischen Künstlerin, verbunden mit einer hervorragenden Gestaltung dieser tiefsinnigen Musik. Man erlebt auch am Ende dieses reichhaltigen Abends eine hoch konzentrierte Darbietung. Subjektiv interpretiert, legte die Pianistin ihre ganze Persönlichkeit in die Musik, und auch die raschen Passagen kamen mit absoluter Genauigkeit und mit persönlicher Färbung.

Für den reichen Beifall bedankte sich Ragna Schirmer mit einer Bach-Zugabe.


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