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Neubauprojekte : Pferdemarkt bleibt ein Zankapfel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Zuwegung zum Nachverdichtungsbaufeld Pferdemarkt und die Bauhöhe werden kontrovers diskutiert. Anwohner beklagen zunehmende Verkehrsbelastung. Weiteres Wohnprojekt im Norden meldet kurz vor Beratungsende 14 statt 8 Wohneinheiten an.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 05:47 Uhr

Die beiden geplanten Bauprojekte im Pferdemarkt sorgen weiterhin für gespannte Aufmerksamkeit. Während das Bauprojekt von Investor Carsten Schröder wie berichtet die Anwohner wegen der extrem engen Zufahrt von nur 2,93 Meter an der schmalsten Stelle, Befürchtungen um die Unversehrtheit ihrer Häuser und den erwarteten Durchgangsverkehr auf die Palme bringt (siehe EZ v. 28. und 29. August), hat nun auch das andere Projekt weiter nordwestlich am Montagabend im Bauausschuss für kritische Töne gesorgt. Grund ist eine sehr kurzfristige Planungsänderung der Eigentümergemeinschaft: Statt der ursprünglich acht neuen Wohneinheiten sollen nun 14 Wohneinheiten neu gebaut werden. Der Ausschussvorsitzende Micha Bund (Bürger-Forum) sprach von einer „kleinen Überraschung“ und plädierte aufgrund der Planungsänderung für eine Absetzung der Beschlussfassung zum Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 58a „Plangebiet nördlich des Pferdemarkts – westliches Teilgebiet“. „Das hätte man uns auch vergangene Woche bei Ortstermin sagen können und nicht erst drei Tage vor der Beschlussfassung“, sagte Bund.

Unterstützung bekam er von Bürgermeister Jörg Sibbel. Es könne nicht sein, dass die Planung nach dem langen Vorlauf unmittelbar vor dem Satzungsbeschluss „wesentlich geändert“ werde. Andererseits könnte man seitens der Stadt nach politischem Beschluss auch festlegen, dass dort nur acht Wohneinheiten gebaut werden dürfen.

Nach Auskunft von Marion Hofer aus dem Bauamt gebe es keine konkrete Planungen, es sollten jedoch relativ kleine Wohnungen bis maximal 60 Quadratmeter gebaut werden, weil dafür der Bedarf gegeben sei. Leider sei das erst sehr spät kommuniziert worden. Er sei „ziemlich ungehalten“, sagte Oliver Fink (FDP), weil man sich „Abende um die Ohren geschlagen“ habe und der Verwaltung Kosten entstanden seien. „Wer trägt jetzt die Mehrkosten?“, fragte er. Hofers Antwort: Es gebe einen Vertrag mit der Eigentümergemeinschaft, die auch die Mehrkosten trage.

Die Anwohner, die ohnehin schon über die Verkehrsbelastung klagten, seien angesichts der Aufstockung der Wohneinheiten „konsterniert“, sagte Bund. Herbert Kreis (Bürger-Forum) meinte, die Anwohner seien jetzt schon genervt, und wenn das Parkhaus Noorstraße gebaut sei, würden die Autofahrer im Pferdemarkt nach kostenfreien Stellplätzen suchen.

Der Tagesordnungspunkt wurde einstimmig bei drei Enthaltungen der CDU abgesetzt.


Diffzile Hintergrundbebauung


Nach wie vor höchst kontrovers wird der geplante Bau von zehn Wohneinheiten in Einzel- oder Doppelhausbauweise zwischen den Bestandsgebäude und dem Friedhof Mühlenberg diskutiert. Hauptgrund: die bauliche Enge und die extrem schmale Zufahrt für Bau- und später Anwohnerfahrzeuge. Rechtlich, so scheint es, sind die Vorgaben erfüllt. Der Investor hat nicht nur die Zufahrt Pferdemarkt, sondern auch den Zubringer Mühlenberg gekauft. Während die nur 2,93 Meter schmale Zufahrt Pferdemarkt dem Bau-, Anlieger- und Anlieferungsverkehr vorbehalten ist – hier wird die Mindestbreite von 2,75 Metern bei „eingeschränkten Bewegungsspielräumen“ erreicht –, sollen Rettungsfahrzeuge im Notfall die Zufahrt vom Mühlenberg aus nehmen. Denn die hat eine Mindestbreite von 3,15 Metern und entspricht damit den Din-Vorgaben für Rettungswege von mindestens drei Metern Breite, führte Marion Hofer vom Bauamt aus. Wichtig sei zudem ein Beweissicherungsverfahren für etwaige Schäden an den Bestandshäusern durch die Bautätigkeit.

Der beauftragte Stadtplaner Stefan Escosura ging anschließend auf die Rahmenbedingungen für die Bebauung ein und stützte sich dabei auf ein Vorkonzept. Die zehn Wohneinheiten dürfen maximal neun Meter hoch werden und nur knapp über die Bebauungslinie der davor gelegenen Häuser im Pferdemarkt liegen. Die „Fernwirkung“ müsse den Bäume auf dem Friedhof vorbehalten bleiben.

Während Oliver Fink (FDP) die „Hinterlandbebauung“ und damit verbundene Verdichtung begrüßte, verhehlte er nicht sein „ungutes Gefühl“ wegen der problematischen Zuwegung. Zugleich beantragte er bei einstimmiger Zustimmung , dass die Eckbebauung Mühlenberg wegen der extremen Enge im Falle einer Neubebauung auch etwas zurückversetzt (optionale Baugrenze statt festgelegter Baulinie) erfolgen können. Kritisch gesehen wurde das Vorhaben von Wilhelm Hesterberg und Frauke Piechatzek (beide SPD). Piechatzek stellte für ihre Fraktion den Antrag, dass die Firsthöhe neue Häuser acht Meter nicht überschreiten dürften und statt Flach- oder Pultdächer nur Sattel- und Walmdächer genehmigt werden dürften. Nur so ließe sich verhindern, dass über die Geschossigkeit und Dachform unerwünschte Auswüchse entstünden. SPD und Bürger-Forum stimmten dafür, CDU und Grüne dagegen – bei 5:5-Stimmengleichheit war der Antrag abgelehnt.

Die erneute öffentliche Auslegung des B-Plans Nr 58 b fand schließlich eine Mehrheit von 7:3 (SPD-)Stimmen.

 

 

 

 

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