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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 23:45 Uhr

Tierschutz : Pferdeklappe soll Leben retten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf einer Koppel in Norderbrarup können überforderte Pferdebesitzer aus der ganzen Region, von Angeln bis Schwansen, anonym ihre Tiere abgeben. Schon 30 Tiere sind seit der Vereinsgründung im August vermittelt worden.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Um Pferdehaltern zu helfen, die mit der Haltung ihrer Tiere überfordert sind, hat die Pferde- und Ponysportgemeinschaft Rurup (PPSG) ein echtes Novum eingerichtet: eine Pferdeklappe als anonyme Auffangstation, ganz nach dem Vorbild der Babyklappe. Hier können Menschen die Tiere ab sofort anonym abgeben, wenn sie keine andere Lösung mehr wissen – anstatt sie verwahrlosen zu lassen und sie somit zu quälen.

Eine Lösung bietet der eingetragene Verein Pferdeklappe Notbox an. Neben der auf Wunsch anonymen Aufnahme und Versorgung von in Not geratenen Pferden und Ponys ist auch das Auffangen ausgesetzter Tiere und das Schützen derselben Zweck des Vereins. „Aufgenommene Tiere werden in gute Hände weitervermittelt“, erklärte Petra Teegen, die Vorsitzende des Vereins. „Wir haben bereits eine Warteliste von Pferdehaltern, die uns die Tiere abnehmen wollen“, erklärte Teegen. Weitere Vorstandsmitglieder sind Christina Thiesen als stellvertretende Vorsitzende, Kassenwart Jürgen Klang, Pressewartin Dr. Friederike Gitzel und Tierschutzbeauftragter Dr. Achim Gitzel. Der Verein hat zurzeit 18 Mitglieder und sucht weitere, die die Arbeit mit einem Jahresbeitrag von mindestens zehn Euro unterstützen wollen. Mitgliedsanträge bei Teegen unter Tel. 0173/79 95 89 6 und Dr. Gitzel, Tel. 04635/29 212 0.

Treibende Kraft hinter dieser Idee ist Petra Teegen, die in der Vergangenheit schon oft Not leidende Pferde wieder aufgepäppelt und in gute Hände weitervermittelt hat. Oftmals standen hinter diesen tragischen Geschichten Menschen, die finanziell überfordert waren, nicht genügend über Tierhaltung wussten, die Angst und Sorgen hatten und zum Schluss einfach resignierten, weiß Petra Teegen. Aber es gebe leider auch Pferdehalter, denen es egal gewesen ist, wie ihr Pferd durch den Winter kommt. Sie seien schlicht und einfach zu bequem, ihren Tieren Wasser und Futter auf die Weide zu bringen, wenn der Winter kommt, es kein Gras mehr gibt und das Wasser gefriert. „Wir haben erlebt, dass ein Pferd tagelang in einer Schneewehe lag, schon beinah mumifiziert, zu schwach, um noch aufzustehen“, erzählte Teegen. Eines hätten die Menschen in all den schrecklichen Fällen gemeinsam gehabt: Sie hätten keine Hilfe annehmen können – „sei es aus Stolz, aus Scham oder aus Egoismus“, so Teegen.

Sie selbst hat allein im Vorjahr neun, im vorletzten Jahr sogar 19 und in diesem Jahr bisher drei dieser Fälle vom Ordnungsamt des Amtes Süderbrarup zugewiesen bekommen. Doch sie vermutet, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Um solchem Elend vorzubeugen, wurde nun die Pferdeklappe eingerichtet.

Sie ist in erster Linie eine – gut beschilderte – Koppel in der Ruruper Straße in Norderbrarup, direkt neben der Bahnüberführung und ohne ein Haus in der Nachbarschaft. Pferdebesitzer können dort also ihre Tiere anonym und ungesehen abgeben. Zwei Ponys grasen dort, um dem Neuankömmling Gesellschaft zu bieten. Die Koppel wird täglich von Vereinsmitgliedern besucht. Vorteilhaft wäre es, wenn der Tierhalter auch den Equidenpass mit abgibt. Absolute Anonymität wird von den Vereinsoberen in jedem Fall zugesichert. Die abgegebenen Tiere erhalten eine tierärztliche Allgemeinuntersuchung, werden aufgepäppelt und – falls notwendig – medizinisch versorgt. „Sollten sie aber so geschwächt und nicht mehr zu retten sein, müssen wir sie auch auf ihren letzten Weg schicken“, erklärte Teegen.

Sechs Wochen nach der Abgabe habe der Tierbesitzer noch die Möglichkeit, seine Entscheidung zurückzunehmen. Allerdings müsse er dann auch für die entstandenen Kosten aufkommen, betonte die Pferderetterin. Nach dieser Zeit würden die Tiere in gute Hände vermittelt. Durch das Abstellen der Pferde in der Pferdeklappe erkläre sich der ehemalige Besitzer mit diesem Verfahren einverstanden. Aber: „Wir sind kein Gnadenhof“, betonte Teegen.

Seit Gründung des Vereins im August konnte bereits 30 Pferden und ihren ehemaligen Haltern geholfen werden, berichtete Teegen auf Nachfrage der EZ. Viele Tiere gehen nach Nordfriesland, Angeln oder auch in andere Bundesländer. Es lägen sogar Anfragen zur Aufnahme aus Bayern, Hessen, dem Münsterland und auch aus Dänemark vor, berichtete Teegen. So viel gelobt das neue Angebot auch werde, im Raum Schwansen bis hinunter nach Eckernförde gebe es bislang wenig Rückmeldungen, weder zur Abgabe, noch zur Aufnahme. „Ich kann mir vorstellen, dass auch dort Menschen in Not sind, und nicht wissen, soll ich jetzt Miete oder Stallgeld zahlen?“

Für René Kinza, Leiter des Ordnungsamtes Schlei-Ostsee, stellt das neue Angebot auf jeden Fall eine Bereicherung dar – und es sei grundsätzlich positiv, wenn Menschen und Tiere Hilfe erfahren, sagte er. Er denke allerdings, dass es für Pferde einen Markt gebe, so dass Halter ihre Tiere auch veräußern könnten.

Zur Bewältigung der Kosten ist der Verein Pferdeklappe Notbox auf Spenden angewiesen, die auf das Vereinskonto der 164 407 272 bei der Nospa (BLZ 217 500 00) eingezahlt werden können. Auskünfte gibt es unter Tel. 0 46 41 / 46 29 34.



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