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Peter-Ustinov-Schule hat die Hochbegabung im Blick

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Eckernförder Gemeinschaftsschule ist eines von nur elf Kompetenzzentren für Begabtenförderung in Schleswig-Holstein

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Wenn ein hochbegabter Schüler sich langweilt, weil er unterfordert ist, kann das verschiedene Folgen haben. Der eine fängt an zu träumen, malt oder denkt einfach über andere Dinge nach. Ein anderer fällt im Unterricht deutlich mehr auf - und das nicht immer positiv. Er unterhält sich mit seinen Nachbarn oder stört den Unterricht ganz aktiv zum Beispiel durch Zwischenrufe. Bei seinen Mitschülern fällt ein hochbegabter Schüler auch deshalb auf, weil er oft anders, in ihren Augen "zu umständlich" denkt und für sie eher verwirrende Aussagen trifft.

Das Gefühl, von ihren Mitschülern nicht oder falsch verstanden zu werden, kennt auch Inga Petersen. Die 17-Jährige ist hochbegabt. "Ich habe vorher immer gesagt: Ich bin nicht hochbegabt, ich bin nur sehr ehrgeizig", erinnert sie sich. Dass sie wirklich hochbegabt ist, kam für sie unerwartet.

"Von einer formal anerkannten Hochbegabung spricht man ab einen Intelligenzquotienten von 130", erklärt Michael Baum. Zusammen mit seiner Kollegin Steffi Tydecks ist er Beratungslehrer für Hochbegabung an der Peter-Ustinov-Schule. Die Eckernförder Gemeinschaftsschule ist eines von nur elf Kompetenzzentren für Begabtenförderung in Schleswig-Holstein. Unter den 860 Schülern sind 45 Hochbegabte und eine Vielzahl von Jugendlichen, die einen Intelligenzquotienten (IQ) von 120 und höher haben. "Viele dieser Schüler bringen eine nicht immer einfache Biografie mit", sagt Baum. Viele hätten zum Beispiel gar keine Gymnasialempfehlung bekommen, viele seien auch teilhochbegabt. Andere hätten schon seit ihrem Eintritt in das Schulleben einen schweren Stand in ihrer Klasse und eckten immer wieder bei Mitschülern und Lehrern an.

Für diese verschiedenen Facetten von Hochbegabung wurden die Fachlehrer der Peter-Ustinov-Schule sensibilisiert. Für Schüler mit einer besonderen Begabung gibt es hier auch verschiedene Arbeitsgemeinschaften (AGs): Naturwissenschaftlich Interessierte treffen sich in zwei Forscher-AGs, Schüler mit einer künstlerisch-ästhetischen Begabung können sich in der Digital-Fotografie ausprobieren. Dann gibt es noch einen Debattierclub für politisch interessierte und wortgewandte Schüler und eine Modellbahn-AG für die Techniker unter den Begabten. An diesen AGs nehmen teilweise auch Grundschüler der Gorch-Fock-Schule teil, um ihre Begabung frühzeitig zu fördern. "Mit diesen speziell ausgerichteten AGs hat die Peter-Ustinov-Schule fast ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Baum.

Um Hochbegabte und besonders interessierte Schüler zu fördern, gibt es seit rund eineinhalb Jahren einen Raum mit Fachbibliothek und PC-Stationen: die "Lernbar". Diese funktioniert nach dem Drehtürmodell, erläutert Baum: Oft haben hochbegabte Schüler Schwierigkeiten mit dem normalen Unterricht, weil sie eben anders denken und lernen und meistens auch schneller sind als ihre Mitschüler. "Lehrer nehmen sich pro Unterrichtsstunde in der Regel ein Thema vor. Wenn einige Schüler es nach fünf oder zehn Minuten begriffen haben, warum sollen sie sich dann den Rest der Stunde langweilen?", so Baum.

Nun könnten Lehrer diese Schüler von Zeit zu Zeit in die von den Beratungslehrkräften oder Schülerpaten betreute "Lernbar" schicken. Hier können sie auf ihre Art und in ihrem Tempo im Internet, in einem der zahlreichen Sachbücher oder auch im Austausch mit anderen Schülern mehr zu den Themen der verschiedenen Unterrichtseinheiten recherchieren. Auch an Denksportaufgaben und verschiedenen Technik-Bausätzen können sich die Schüler dort versuchen.

"Wir wollen interessierte Schüler ansprechen", betont Inga. Sie will ihre Erfahrungen an andere Schüler weitergeben und ihnen helfen. Deswegen ist sie eine von derzeit elf speziell ausgebildeten Hochbegabten-Schülerpaten, die die Jugendlichen unterstützen.

Eine weitere von ihnen ist Sarah Lynn Foster. Die 16-Jährige wurde nicht auf eine Hochbegabung getestet. Aber das Gefühl, sich im Unterricht zu langweilen, weil vieles ständig wiederholt werden muss, sie es aber schon lange verstanden hat, kennt auch sie. Nach ihrer Ausbildung, die vom Bildungsministerium angeboten wird und bei denen die Schüler Wissenswertes zu Themen wie Lernen und Hochbegabung erfahren, unterstützt auch sie nun andere Schüler - egal ob hochbegabt oder eben einfach nur sehr interessiert.

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