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Eckernförder Zeitung

19. August 2017 | 22:54 Uhr

Interview : Peter Maffay mit neuem Rekord

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Peter Maffay (64) stellte bei RSH sein mittlerweile 23. Studioalbum vor und sich anschließend den Fragen der EZ-Jugendredaktion

Der Name „Peter Maffay“ ist nunmehr seit 43 Jahren häufig in den Medien vertreten und generationsübergreifend bekannt. Zu Beginn dieser langjährigen Karriere war Peter Maffay zunächst als Schlagersänger beliebt, heute gilt er als der erfolgreichste deutsche Rock- und Popmusiker. Mit seinem kürzlich erschienenen Album „Wenn das so ist“ hat er Bruce Springsteen von Platz eins der deutschen Albumcharts verdrängt und einen neuen Rekord aufgestellt: Das 16. Nummer-eins Album! Insgesamt verkauften sich 13 seiner 23 produzierten Studioalben über eine Millionen mal. Mit diesen Rekorden setzt Maffay neue Maßstäbe für die deutsche Musikszene.

Peter Maffay ist nicht nur Sänger, Komponist, Schauspieler, Gitarrist und Musikproduzent rumäniendeutscher Herkunft, er zeigt auch ein herausragendes gesellschaftliches Engagement. So ist er unter anderen Mitglied der Friedensbewegung, Schirmherr der Tabaluga-Kinderstiftung, Botschafter für die deutsche Jose-Carreras-Leukämie-Stiftung und Begründer des Bauernhofes „Pollenca“ auf Mallorca, auf dem traumatisierte Kinder für zwei Wochen kostenlos Urlaub machen können. Politisch setzt er sich gegen Rassismus und für Toleranz ein.

„Es ist eine Aufgabe der Gesellschaft, den Jugendlichen Perspektiven zu öffnen -durch Bildung und Erfahrungen der älteren Generationen. Beide profitieren voneinander. Die Älteren lernen vor allem durch die Unbekümmertheit der Jungen.“ Peter Maffay selbst wuchs mit der Aussage „Don´t trust people over thirty!“ auf. Als er über 30 Jahre alt war, erkannte er diese als Vorurteil.

Auch die Jugendredakteurinnen Finja Carlson und Laura Terlau waren neben der Aufregung vor dem Interview auch ein wenig skeptisch. Wie wird so ein erfahrener Künstler, der primär in der Generation ihrer Eltern bekannt ist, auf die Fragen von uns Jugendlichen eingehen?

 

Auf Ihre Karriere blickt man jetzt schon seit über 40 Jahre zurück. Wie schaffen Sie das, auf der Bühne immer noch alles zu geben?
Ich bin zäh. Meine Einstellung ist mehr die eines Marathonläufers, denn die eines Sprinters. Ich glaube einfach, dass kleine Schritte, aber Stetigkeit für mich die bessere Bewegung sind. Und das bedeutet, dass man auch immer wieder Positionen in kurzen Abständen überdenken und reflektieren muss. Ich vermute, dass diese Kontinuität meiner Karriere zugute kommt, weil es ein Team gibt.

Sie sind also, obwohl Sie als Solokünstler auftreten, ein Teamplayer?
Ich bin absolut ein Teamplayer. Mich schicken die immer nach vorne, weil das machen sie so mit den Kleinen. Aber ich bin einer von allen. Meine Aufgabe ist dann ein wenig exponierter, wenn es zu Pattsituationen kommt. Dann fragen die mich schon, wie ich es denn gerne hätte. Aber ansonsten gibt es links und rechts Leute mit eigenen Kompetenzen, die auch über meine hinausgehen. Diese Vernetzung, Energie und Möglichkeiten ergeben dann ein Bild.

Sie engagieren sich sehr für gesellschaftliche Sozialprojekte, besonders gegen Rassismus und für traumatisierte Kinder. Heutzutage wird der Jugend vorgeworfen, nur zu konsumieren. Für wie wichtig halten Sie die Partizipation der jungen Generation?
Ich teile nicht die Ansicht, dass Jugendliche nur konsumieren und sich nicht einbringen. Ganz im Gegenteil. Ich habe sehr viele greifbare Beispiele, dass gerade junge Leute sich positionieren. Vielleicht ist es auch altersbedingt nicht der übliche Fokus, denn mit 14 oder 16 hat man ganz andere Ziele. Man bricht auf, um die Zukunft zu erforschen und oftmals steht die eigene Perspektive mehr im Vordergrund, als die von anderen Menschen. Aber ich kenne viele junge Leute, gerade in der Stiftungsarbeit, die uns helfen. Zudem teile ich auch nicht die Ansicht, dass sich Jugendliche wenig für Politik oder Soziales interessieren. In diesem Alter fängt man an, die Politik mitzubestimmen, z.B. durch wählen.
Es ist die Aufgabe der Gesellschaft, Jugendlichen Perspektiven zu öffnen – durch Bildung und die Erfahrung der älteren Generation. Der Dialog unter den älteren Generationen, wenn er funktioniert, hat durchaus positive Seiten. Ich halte es für durchaus wichtig, dass die verschiedenen Altersgruppen kommunizieren und voneinander profitieren. Wenn das passiert, dann wird es nicht viele Jugendliche geben, die ins Extreme ausweichen.

In Ihrem neuen Album, heißt es einerseits „Niemals war es besser“, andererseits „Es wird alles schlimmer.“ Das ist ein großer Spagat. Was möchten Sie mit dem Album aussagen?
Ich werde dieses Jahr 65 und kann nicht den Zweckoptimisten abgeben. Das würde mir niemand abkaufen – ich mir selber nicht. Ich werde durch aktuelle Vorkommnisse wie in Kiew, Syrien, oder Afrika berührt. Ich konsumiere Nachrichten, wobei mir nicht entgeht, dass die Welt voller Konflikte ist. Wenn wir die Umstände da draußen registrieren, dann kann man nicht blind gut gelaunt weitermachen. Man sollte das Glas mehr halb voll, als halb leer sehen und darüber nachdenken, was man verändern kann, damit die Kollision ausbleibt oder verzögert wird. Musik ist nicht ausschließlich zur Unterhaltung da.
Auf der anderen Seite war es „Niemals besser“, weil die Band noch nie so gut gespielt hat, wie im Augenblick. Und wir sind auch ein angekommen - stilistische Ziele sind erreicht. Ob geglückt oder nicht, das beantwortet dieses Album.

Wenn Sie sich selbst mit drei Adjektiven beschreiben sollten, welche wählen Sie?
Ich bin stur und ungeduldig. Aber in der Regel kann man mit mir Pferde stehlen und lange zusammen sein. Ich mag das Abenteuer einer neuen Begegnung, denn es stellt eine neue Möglichkeit dar. Mir ist wichtig, offen und wenig verschlossen zu sein. Wenn ein Zusammenkommen schön ist, dann möchte ich auch etwas dafür tun, dass es so bleibt. Die Band ist vielleicht ein kleines Beispiel dafür. Mehr als 30 Jahre spielen wir jetzt zusammen. Das ist nicht nur Musik machen, sondern da rückt man auch zusammen. Aber es ist nicht immer leicht, mit mir klar zu kommen. Ich hab Tempo und eine Klappe, die nicht jedem schmeckt. Zudem bin ich auch nicht zimperlich. Ich akzeptiere es aber auch im Umkehrschluss. Ich möchte, wenn ich mit jemandem zusammen bin, klare Verhältnisse. Ich gehe Konflikten nicht aus dem Weg, aber ich möchte auch nicht im Streit leben.

Im Laufe des Interviews begegnete Maffay uns als bodenständiger und ehrlicher Mensch. Seine ruhigen und überlegten Antworten spiegeln seine Erfahrungen wider und regen einen zum Nachdenken an. Er selbst hält seine Gedanken und Erlebnisse täglich in einem Buch fest.

Uns erschien Maffay eben in seiner Bodenständigkeit als ein Mensch, der sich nicht über andere erhebt, sondern sich vielmehr für sie einsetzt. Menschen die hinter ihm stehen (z.B. seine Band) zählen für ihn bei der Erwähnung seiner Person selbstverständlich dazu. All unsere Skepsis war schon nach wenigen einleitenden Worten seinerseits verflogen. In diesem Sinne: We trust you, Peter Maffay!

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erstellt am 05.Feb.2014 | 07:02 Uhr

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