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Konzert im „Carls“ : Peter Hortons feine Art der gepflegten Unterhaltung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der 73-jähriger Liedermacher, Songwriter und Autor stellt auf Carlshöhe sein neues Programm „Personalissimo“ vor. Ausdrucksstarke Texte gab es nicht nur in den Lieder, Horton las auch aus seinen literarischen Werken. Es war seine Premiere in Eckernförde.

Ein Mikrofon, ein Stuhl, links und rechts davon jeweils eine Gitarre – Peter Horton mag es puristisch. Das zumeist schon in einer fortgeschritteneren Lebensphase angekommene Publikum am Tag der deutschen Einheit in Carls Showpalast auch. Und es hat lebhafte Erinnerungen an den österreichischen Liedermacher, Songschreiber und Autor und an die Zeit der 60er und 70er Jahre, in denen Peter Horton eine stattliche mediale Präsenz genoss. 20 Uhr, das Licht im Saal erlischt, der Spot auf der Bühne wird hochgefahren. In schwarzer Anzughose und blauem Hemd tritt der groß und schlank gewachsene 73-Jährige auf die Bühne, nickt in Richtung Publikum und setzt sich auf seinen Stuhl ans Mikrofon. „Einen schönen guten Abend“, dann legt er sich die Avalon-Gitarre seines kürzlich verstorbenen Schweizer Freundes und Gitarrenarchitekten Rolf Spuler um den Hals, gibt eine kurze Anekdote zu seiner Fahrt von München nach Eckernförde zum Besten, und schon geht es los: „Was blüht, schreib ich ins Herz…“.

Horton spielt in seinem Programm „Personalissimo“ Stücke aus dem gleichnamigen aktuellen Album. Mit Titeln wie „Mein Vater“ und „Vater Staat, dir fehlt die Mutter“ gewährt er seinem Publikum Einblick in seine persönliche Gefühlswelt. Dazu verharrt er beinahe unverändert auf seinem Stuhl am Mikrofon: das linke Bein angewinkelt und den Fuß am Stuhl abgesetzt, der rechte Fuß auf dem Boden der Bühne im Takt zur Gitarre wippend. Es ertönen Gitarrenklänge mit Gesang, aber auch reine Gitarrenstücke. Dann folgt eine Lesung aus seinem aktuellen Buch „Die zweite Saite“. Mit Weisheiten wie „Auch Lügner leben von der Wahrheit“, „Welche Religion hat Gott?“ und seinem Gedicht „Von einem Hirn, das auszog“ bringt er seine Zuhörer dazu, zustimmend zu nicken oder zu lachen.

In der Pause ist Jörg Baumann (52) aus Rendsburg nicht weniger begeistert als vor dem Konzert: „Ich habe zwar eine gute Anlage, aber live ist eben einfach live. Ich find’s super, eben ein Ausnahmekünstler“, sagt er nach seinem ersten Live-Erlebnis mit Peter Horton. Er hat die aktuelle CD in der Hand. „Wenn ich das zu Hause höre, bin ich wieder hier beim Konzert.“. Ulla Bruhn-Rath und Karl Rath können die Euphorie Baumanns nicht teilen. Das Ganze treffe nicht ihren Geschmack. Die Texte der Lieder seien thematisch gut, aber sie hätten sich mehr Musik und weniger Lesung erhofft.

Einige Minuten später steht Horton wieder auf der Bühne, bringt ein amüsantes „Wie geht es Ihnen? Gut? Mir auch“ über die Lippen und weiter geht es im Programm: „In einen Hauch von Österreich habe ich das nächste Lied verpackt – I bin a Musiker.“ Um kurz vor zehn will Peter Horton sich am Ende mit „Wilde Gärten“ verabschieden. Auf einen lauten und langen Applaus hin tritt er wieder auf die Bühne: „Das haben Sie jetzt davon“, leitet er trocken seine Zugaben weiterer Titel ein und holt ein letztes Mal sein Buch heraus.

„Allein für das Spiel auf der Schweizer Gitarre hat es sich gelohnt, hierher zu kommen“, lautet das Resümee Baumanns für den Abend. Lilo Martin (70) strahlt über das ganze Gesicht: „Das Konzert war schon mal geplant und musste abgesagt werden. Ich habe so sehr gehofft und gebetet, dass es einen neuen Termin geben wird und jetzt bin ich ganz happy“. Auch Kunsterzieherin Anita Willemsen aus Dänischenhagen und ihre Freundin Margaretha Heindl sind sich am Ende einig: „Das war ein wirklich charmanter Abend!“




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erstellt am 06.Okt.2014 | 06:39 Uhr

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