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Sana Ghobbeh : Performance zu todernstem Thema

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Künstlerhaus-Stipendiatin Sana Ghobbeh (31) thematisiert mit ihrer Strandaktion „Rot hinterlässt keine Spuren“ Leid und Not der Flüchtlinge. Gestern zog sie zwei Stunden lang zwei schwere Koffer über den Strand.

Eckernförde | Sie sind schwer, die beiden großen, roten Koffer am Strand. Die junge Frau, die sich am Mittwich zwei Stunden am Strand vom Ostsee Info-Center (OIC) Richtung Seelustbrücke gezogen und gewuchtet hat, ist klein und zierlich – Sana Ghobbeh. Die aus Teheran stammende Iranerin (31) ist Stipendiatin im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus in der Ottestraße 1. Ihre Performance „Rot hinterlässt keine Spuren“ am gut besuchten Eckernförder Strand mitten durch die Strandkorblandschaft und vorbei an erstaunt guckenden Strandbesuchern ist körperlich extrem anstrengend und schweißtreibend.

Eine Energieleistung, Sana Ghobbeh gönnt sich nur kleinste Pausen. Aber die Flüchtlinge, auf deren Situation die junge Künstlerin aufmerksam machen möchte, schonen sich schließlich auch nicht, müssen mit wenigen Habseligkeiten ihre Heimat verlassen und nehmen neben einer ungewissen Zukunft in einem fernen Land oft lebensbedrohliche Strapazen auf sich. „Ich versuche, für einige Stunden nachzuvollziehen, was die roten Menschen durchmachen, wenn sie ihr ganzes Leben zusammenpacken auf der Suche nach einer glücklichen Zukunft.“ Rote Menschen, das sind Menschen, die nach ihrer Version unter einem roten Himmel in Krieg und Gewalt, in Armut und Unfreiheit leben (müssen), und die sich auf eine verzweifelte Reise ins Unbekannte machen und oft genug angefeindet werden. Für viele gibt es keinen Weg zurück. „Der Wind verweht ihre Spuren. Es gibt keine Spur von Rot mehr an der blauen See unter dem blauen Himmel.“

Sana Ghobbeh aus dem Iran ist von einer Fachjury unter vielen Künstlern für das Landesstipendium ausgewählt worden. Sie hat zuvor ihren Master of Fine Arts an der schwedischen Universität Umeå gemacht und dort auch ein wissenschaftliches Projekt begleitet. Seit Ende Juni lebt sie im Künstlerhaus, ihr Stipendium läuft noch bis zum 30. November. Es sieht jedoch ganz so aus, dass die junge Frau Deutschland am Sonntag zumindest vorübergehend wieder in Richtung Iran verlassen muss: Ihre Aufenthaltsgenehmigung läuft am 31. August ab.

Trotz intensiver Bemühungen auch seitens des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa in Kiel und der Einschaltung des Auswärtigen Amtes in Berlin ist es bis heute nicht gelungen, das von der Deutschen Botschaft in Stockholm erteilte Bleiberecht zu verlängern. Der für Eckernförde zuständige Ausländerbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde sind nach Auskunft von Sachgebietsleiterin Katharina Artmann die Hände gebunden. „Visa können nur durch die deutschen Auslandsvertretungen erteilt werden. Auch die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis ist leider nicht möglich, wenn das hierfür erforderliche vorangehende Visum fehlt“, teilte sie der EZ auf Anfrage mit.

Das Flugticket nach Teheran hat Sana Ghobbeh jedenfalls schon gekauft. Wenn es in den letzten Tagen nicht doch noch eine Wendung gibt, muss sie ihr Stipendium unterbrechen und in Teheran ein neues Visum für Deutschland beantragen. Im Januar beginnt sie ein zweisemestriges Performance-Studium in Brüssel. Bis dahin wollte sie eigentlich in Deutschland bleiben. „Sana hat ein Stipendium und kann es nicht vollständig wahrnehmen, weil sie kein Visum hat. Das ist total absurd, ich kann es gar nicht glauben“, kommentiert die Bildende Künstlerin und Ex-Stipendiatin Constanze Vogt aus Kiel den Fall.

Die zweistündige Performance von Sana Ghobbeh am Eckernförder Strand hat für Aufsehen gesorgt. Allein damit dürfte die Künstlerin aus Teheran ihr Ziel erreicht haben. Sie sei am Ende „out of energy“ (total erschöpft) gewesen, hat aber „good reactions“ (positive Reaktionen) der Strandbesucher erfahren, sagte sie gut gelaunt und keineswegs deprimiert wegen ihres nahenden Rückflugs auf EZ-Anfrage. Es gab Ratschläge von Strandbesuchern, die Koffer doch lieber am härteren Ufersaum zu ziehen, das wäre viel leichter. Zwei Männer hatten ihr zudem angeboten, beim Tragen behilflich zu sein. Auch das ist Teil einer Performance im öffentlichen Raum.

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erstellt am 27.Aug.2015 | 06:18 Uhr

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